Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 24 (23.3.1896)
- Date
- 1896-03-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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498 : f=;• '****■•#;.-T-S- -..'-* der Urheber des vielerörterten Satisfactions-Unfähigkeits-Beschluffes die amtliche Jnkenntnißsetzung der akademischen Behörde von den Vorgängen in der Protestversammlung, welche das Nectorat bis nun nur aus Zeitungsberichterl,kannte. Die genannten Studenten wurden zunächst befragt, ob sie die Protestversammlung einberufen und abgehalten hätten, was sie bejahten. Sodann wurde ihnen der von der „Neuen Freien Presse" veröffentlichte Bericht über jene Versammlung vorgelegt, in welchem die Stellen, wo der von deutsch-nationaler Seite erhobene Vorwurf der Feigheit und Charakterlosigkeit zurückgegeben wurde, besonders bezeichnet waren. Student Gerbe! erklärte, die Redner hätten frei gesprochen, die Reden seien nicht stenographisch ausgenommen worden und er könne deßhalb keine unbedingte Garantie übernehmen, ob der Bericht wortgetreu sei. Dem Sinne nach sei er gewiß vollständig correct, was auch die anderen einvernommenen Studenten zugeben. Der Bemerkung, daß sie sich durch Anwendung der incrinnnirten Ausdrücke desselben Vergehens schuldig gemacht hätten wie die deutsch-nationalen Antisemiten, traten die Studenten mit der Erklärung gegenüber, daß die Kundgebung der Antisemiten einen aggressiven Charakter gehabt hätte, während die von ihnen einberufene Versammlung Protest einlegen sollte gegen eine unerhörte Beleidigung. Zwischen den beiden Versammlungen liegen überdies eine Reihe von Tagen, zahlreiche ehrenrührige Artikel in den antisemitischen Journalen, die Vorgänge während des Samstagbummels, Gründe genug, um eine scharfe Abwehr zu rechtfertigen. Im Uebrigen erklärten die Studenten, für Alles, was sie gethan, voll einzustehen und keinen der gebrauchten Ausdrücke zurückzunehmen. In Consequenz dieser Haltung unterfertigten sie auch, im Gegensätze zu den einvernommenen antiseinitischen Studenten, das ihnen vorgelegte Protocoll. Die Vorgänge der jüngsten Tage haben die Wiener israelitische Cultusgemeinde veranlaßt, nachstehende Sympathie-Kundgebung an die jüdische Studentenschaft zu richten: In der Plenarsitzung vom 15. Mörz 1896 hat der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde in Wien einstimmig nachstehende Resolution gefaßt: Der Cultusvorstand hat mit tiefster Entrüstung von den gegen die jüdischen Univeisitäts-Studenten gelichteten Vorgängen und mit Genugthuung von der besonnenen und würdigen Haltung der jüdischen Studentenvereine Kenntniß genommen. Wien, am 16 März 1896. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde. Gestern waren die Vertreter der drei jüdischakademischen Studentenvereine und der jüdisch-akademischen Lesehalle zu einer Ehrensitzung des Ausschusses der Cultusgemeinde geladen, welche unter dem Vorsitze des Cultusvorstandes Herrn Gustav Simon stattfand. In derselben erfolgten sehr sympathische Ansprachen der einzelnen Vorstattdstnitglieder an die Studenten, welche hierauf erwiederten und ihren Standpunkt in der von den antisemitischen Studenten aufgerollten Frage der Satisfaetionsfähigkeit präeisirten. * Der politische Volksverein hielt beute Abend in Khuner's Restauration eine überaus zahlreich besuchte Versammlung ab, in welcher der Vorsitzende, Dr. Fialla, die Universitäts-Affaire besprach. Er sagte u. A.: Gegen den bekannten Beschluß der „wehrhaften" deutschen Vereine zu polemisiren, halten wir tief unter unserer Würde. (Lebhafte Zustimmung.) Ebenso überflüssig wäre es^, die jüdische Studentenschaft, welche erst in den letzten ^agen Proben männlicher Auffassung und wahrhaften Selbstbewußtseins gegeben, zu vertheidigen (stürmischer Beifall) oder sie gegen die unbegründete verleumderische Generalisirung in Schutz zu nedmen. Wir können cs getrost unserer akavemischen Jugend überlassen, für die Wahrung ihrer persönlichen Ehre einzutreten. Auch die Regierung hat sich erinnert, daß man den excessivcn antiseinitischen Ausschreitungen entgegentreten müsse. Unsere Pflicht soll es aber sein, unsere Jugend „wehrhaft ' zu machen in jedem Sinne des Wortes, ^insbesondere auf dem Gebiete des idealen Strebend und Schaffens durch unsere moralische und materielle Unterstützung. (Lebhafter Beifall.) Dr. Fialla beantragte namens des Vereinsvorstandes folgende Resolution: „Die Plenarversammlung des Politischen Volksvereines beschließt, Dank und Anerkennung auszusprecheu den jüdischen Studenten für ihr mannhaftes ltnd tnaßvolles Verhalten in diesem schweren, ihnen a u f g e n ö 1 h i g t e tl Conflicte, sowie für ihr tapferes mW selbstbewußtes Eintreten für ihre persönliche Ehre, für ihre vvllwerthige akademische Stellung und für die Unverletzlichkeit ihres : eligiösen Bekenntnisses, eine sachgemäß zu organisirende, nachhaltige Action mit dem Endziele durchzufahren, die weiten hilfsbereiten Kreise unserer Gesinnungs- und Glaubensgenossen zur thatkräftigen moralischen und materiellen Förderung der jüdisch-akademischen Vereine heranzuziehen." Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Groftwardein, im März. Einer der schönsten Vereine unserer Gemeinde bildet der min '?'>nv- Verein, welcher sich zur idealen Aufgabe gestellt, armen min ’ja eine wöchentliche Unterstützung angedeihen zu lassen, damit selbe, frei von drückenden Sorgen, um die Beschaffung der täglichen Ernährung sich dein mim widmen können. Jeden Abend versammeln sich im tmen ma des Vereines sowohl die zu unterstützenden min oa als auch diejenigen, welche Mitglieder des Vereins sind und dem Kaufmannsstande angehören, um jeden Tag min msd cra-a zu sein. Als wurde von dem weit bekannten Gelehrten U l l m a n n '"J nro '1 iro 'an am Sohn des Verfassers des rviyn» die natp navv vorgetragen, und wurde Sonntag die naov beendet.