Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 24 (23.3.1896)
- Date
- 1896-03-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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492 Jude einer Partei beizutreten versuchen wird, die den Juden nicht haben will und die eine Ausnahmestellung des Juden im Staate verlangt. Das wäre das größte Unglück, wenn die Juden, als solche eo ipso sich zu einer bestimmten Partei zugehörig betrachten sollten. Auf den Leim des Vers, werden aber die Juden ohnehin nicht gehen. Thatsächlich wird die übergroße Anzahl der deutschen Juden in allen den Parteien zu finden sein, die die freiheitlichen Errungenschaften der Neuzeit, besonders die Gleichheit aller Staatsbürger, nicht preisgeben wollen, und die auf dem Boden der Verfassung und des deutschen Einheitsstaates stehend, treu zu Kaiser und Reich halten. Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzen. Deutschland. R. Aus dem Grotzherzogthuru Hessen. Wenn man auch leider nicht behaupten könnte, daß der Antisemitismus im Abnehmen begriffen sei, — ich erinnere nur aus letzter Zeit an die Kapitel „Ritualmord" und Erlaß des Kultusministers bezüglich der Anstellung jüdischer Lehrkräfte — so muß man doch sagen, daß auf einem Gebiete eine kleine Besserung zu verzeichnen ist und zwar auf dem des Thierschutzes. Hier ift's etwas ruhiger geworden. Wer darüber im Unklaren wäre, den dürfte ein Blick in die Zeitschrift der Thierschutzvereine des Großherzogthums Hessen davon überzeugen. Wie wurde hier immer gegen das Schächten gewüthet, jede, wenn auch noch so geringfügige Gelegenheit wurde benutzt, um dem Schächten „eins zu versetzen". Und vor uns liegt eine Nummer genannter Zeitschrift, in welcher sich folgender Paffus findet. „Herr Pfungst (Worms) führte aus, daß das Abschlachten von Geflügel im Hause zur Verrohung der Jugend beitrage, wie deshalb in vielen Fällen auch nichtjüdische Eltern zum jüdischen Schächter schickten, was sehr nachahmungswerth s ei". Diese Worte begegneten weder in der Generalversammlung, wo sie gesprochen wurden, einem Widerspruch, noch hat die Redaktion in ihrem Berichte irgend eine Fußnote beigefügt. Früher war das leider nicht so. Hoffentlich wird's auch auf anderen Gebieten bester. Berlin, 14. März. Dieser Tage hielt der Verein „Esra" (Verband Berlin) seine diesjährige Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Moritz Dorn, erstattete vor den zahlreich erschienenen Mitgliedern über das abgelaufene Geschäftsjahr Bericht, der beifällig aufgenommen wurde, um so mehr als er ein erfreuliches Wachsthum des Vereins constatiren konnte. Die Mitgliederzahl ist zwar nur um 46 gewachsen, da im vorigen Jahre 81 Mitglieder durch Tod, Wegzug rc. ausgeschieden, während 127 neue Mitglieder hinzukamen, aber die Einnahmen aus den Mitglieder-Beiträgen steigerten sich um 800 Mark, so daß trotz der Minder-Einnahmen aus den Festen der Betrag von 3300 Mark an das Central- Comito abgeliefert werden konnte. Der alte Vorstand wurde per Aklamation wieder gewählt und an Stelle des wegen Ueberbürdung ausscheidenden Herrn Rosenstiel, Herr Louis Unger zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Bei der Wahl der Delegirten entspann sich eine lebhafte Debatte über die für den Verein geeignetsten Mittel zur Agitation, an der sich die Herren Steinberg, Dr. Oppenheimer, Bambus, Dr. Löwe und Mozhein betheiligten. Die Versammlung wählte alsdann die Delegirten zur Generalversammlung des gesammten Vereins, die wahrscheinlich am zweiten Ostertag stattfinden wird, und der Vorsitzende schloß dann die Sitzung mit einem Appell an alle Anwesenden, für die Ausbreitung des Vereins nach Kräften thätig zu sein. Berlin, 19. März. Der Eiuladungsschrift der Religionsschule der Israelitischen Synagogen-Gemeinde (Adaß-Jisroel zu Berlin zu der am 21. und 22. März 1896 in der Aula der städtischen Schule (Gipsstr. 23 a.) stattfindenden öffentlichen Prüfung vom Direktor Rabbiner Dr. I. Hildesheimer, entnehmen wir folgende, diese Schule betreffenden Nachrichten: In dem abgelaufenen Schuljahre, welches mit dem 17. April 1895 begann und dem 25. März d. I. schließen wird, wurde die Schule von 433 Kindern (292 Knaben und 141 Mädchen) besucht, welche in 15 Klassen (9 für Knaben und 6 für Mädchen) Unterricht erhielten. Von ihnen besuchten 150 Gymnasien, resp. Realgymnasien; 122 höhere Knaben- resp. Mädchenschulen und 161 Gemeindeschulen. Der Besuch war im allgemeinen regelmäßig und pünktlich. Versäumnisse und Verspätungen fielen, wie die Beobachtung ergab, fast durchweg nur einem bestimmten kleinen Kreise von Schülern zur Last, während die erfreulich große Mehrheit derselben ihr Jntereffe an dem Unterricht durch ihre Pünktlichkeit auch äußerlich zum Ausdruck brachte. Es liegt klar auf der Hand, daß der letzte Grund der Unpünktlichkeit bei den betreffenden Schülern weniger in ihnen, als in ihren häuslichen Verhältniffen, speziell in der geringeren Werthschätzung, der die Aufgabe der Religionsschule dort begegnete, zu suchen sei, weßhalb auch die Strafen, die deßwegen verhängt wurden, nur von geringem Erfolge blieben. Wir richten daher wiederholt und dringend die Mahnung an die Eltern unserer Zöglinge, ihre Kinder rechtzeitig in die Schule zu schicken und nur in unabweislichen Fällen vom Schulbesuche zurückzuhalten. Um den Kindern eine innigere, verständnißvollere