Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 23 (19.3.1896)
- Date
- 1896-03-19
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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482 qu. Lande also anfängt die geschriebene Verfassung zu durchbrechen, kann der französische Präsident nicht eingehend genug, die Rechtsgleichheit aller Bürger betonen, „andie zu zweifeln beleidigend ist." Daß Herr Faure die schönen Worte nicht nur auf den Lippen trägt, sondern sie auch praktisch durchführt, beweist u. a. die Thatsache, daß trotz des schwachen Prozentsatzes jüdischer Franzosen bei der Festestafel 12 Israeliten zugezogen wurden. Es waren geladen: der Rabbiner, der Abgeordnete der Alpes maritimes M. Bischofs heim, der Deputirte Naquet, M. Mayer sousprGfetde Puget Th6niers, MuScat, Vorsteher der Advokatenkammer, B. Mayrarquö, Vize-Präsident der Handelskammer, der Bürgermeister von Ville-Franche, Generalrath PollonaiS, Handelsrichter Debenedetti, Paul Dreyfuß, Redacteur vom „Soir“, Schwöb, Redacteur vom „Echo de Paris“ und die Kapitaine Romaine und Schwöb vom 9. Artillerieregiment bezw. vom Geniekorps. Während ich diese Zeilen niederschreibe, bricht plötzlich ein heller Strahl durch die finstere Nacht. Das zu Ehren des Präsidenten inscenirte Feuerwerk beginnt und der plötzlich hellerleuchtete Himmel legt dem denkenden Beschauer den Gedanken nah?, daß auch in gewissen anderen Ländern der helle Strahl der Menschenliebe die finstere Nacht des GlaubenshaffeS durchbrechen möge, und daß auch endlich in andren Ländern der verdunkelte Himmel sich erhellen und aufklären möge. Davy Kahn-Wiesbaden. Zeitungsnachrichten und «Korrespondenzen. Deutschland. Mainz, 16. März. Die „Allgemeine jüdische Zeitung" in Buoapest bringt die folgende sensationell sein sollende Notiz: DieJuden in Hessen haben sich jüngst bei der Negierung dieses deutschen Großherzogthums eine niederschmetternde, moralische Ohrfeige geholt, welche unsere Glaubensgenosien wohl verdient haben. Aus Darmstadt meldet man hierüber: Eine große Anzahl hessischer Juden wendete sich an unsere Regierung mit dem Ansuchen, dieselbe möge die Uebersetzung des „Schulchan Aruch" aus ihre eigenen Kosten veranlassen, damit die gegen diesen und somit gegen die Juden gerichteten antisemitischen Angriffe entkräftet werden. Die Regierung wies jedoch diese Bitte mit der Motivirung zurück, daß die Angriffe auf den „Schulchan Aruch" die hessischen Juden nicht im mindesten berühren, da diese ihr Leben nicht nach den Vorschriften desselben einrichten und die meisten hessischen Rabbincn an demselben „keinen Gefallen finden." Daß an der ganzen Geschichte kein wahres Wort ist, werden unsere verehrten Leser, wohl auch ohne daß wir es ihnen mittheilen, gerne glauben. Wahr ist nur, daß der Antisemiten-Verein zu Trebur, einem Neste in der Nähe von Darmstadt, eine derartige Petition eingereicht hal. Darauf ist die Antwort ergangen, daß ein Bedürfniß zur Uebersetzung des Schulchan Aruch nicht erforderlich sei. Berlin, im März. Im Abgeordnetenhaufe wurde am 4. ds. wieder eine kleine Debatte über den Antisemitismus provozirt. Nach den Berichten der Tagesblätter hat der Abgeordnete Rickert auf einige höhnische Bemerkungen des Herrn Stöcker etwa Folgendes gesagt: Das Kapital ist die Ouelle der Arbeit. Warum greisen Sie nun das jüdische Kapital allein an, wenn Sie wissen, daß damit bald der gefährliche Kampf gegen das Kapital überhaupt inscenirt ist? Das war das Gesähliche der antisemitische Agitation. Abg. Stöcker meinte, hierzu könnten die Kirchenbehörden nicht Stellung nehmen. Aber kennt er nicht zum Beispiel den Erlaß des hessischen Oberkonstiftorimrs, der den Antisemitismus aufs Schärfste vernrtheilt? Regensburg, 12. März. Ein Zeichen echt friedlichen Zusammenlebens der hiesigen Bevölkerung, wie das Muster einer würdiget: Feier, lieferte heilte der Festgottesdienft zu Ehren des 76. Geburtstages unseres geliebten Landesherren, Sr. kgl. Hoheit des Prinzregenten Luitpold. Punkt 10 Uhr erschien unser verehrtes Stadtoberhaupt, Herr rechtst. Bürgermeister und Landtagsabgeordneter v. Stob äu s in Galauniform mit goldener Amtskette in der Synagoge. Nach Reeitirung des 21. Psalms bestieg Sr. Ehrwürden, Herr Districtsrabbiner Dr. S. Meyer die Kanzel und gab in herrlichen Worten wiederholt einen der Würde des Tages entsprechenden Beweis seines Talentes. Ausgehend von dem letzten Vers des Wochenabschnittes, beleuchtete er hierauf diejenige „Wolke", welche auf den: großen Staatsgebäude ruhen soll, und welche allein geeignet ist, den Frieden, die Einigkeit der verschiedenen Stämme und den Fortbestand der 'Nation zu sichern. Weder äußere Machtentfaltung, noch äußerer Glanz sind die geeigneten Mittel zur Erreichung dieses Zieles, sondern vor allem die Gerechtigkeit. Diese Gerechtigkeit, die in ihren vollkommensten Prinzipien der Gotteseinheit und Menschengleichheit zuerst durch die heil. Schrift proklamirt wurde, wird unter dem Szepter unseres l. Landesherrn in edelster Weise geübt tlnd gehandhabt. Nicht minder tvie die schützende Wolke des Tages, zeigt sich auch stets die Feuersänle der Nacht, die Feuersänle der Treue und aufopfernden Liebe des Herrschers zu seinem Volke, wie die Treite und Liebe des Volkes zu seinem Herrscher, namentlich zur Zeit des Krieges. Hier wies der Redner in schönen Worten ans die denkwürdige Zeit vor 25 Jahren zurück und hob zum Schluffe, anknüpsend an ein schönes Gleichniß aus dem Midrasch, hervor, in welch' glanzender Weise sich die Devise unseres gel. Prinzregenten, die er vor zehn Jahren beinl Antritt seiner Regierung gab, bestätigt hat, und tvie auch unsere Glaubensgenossen sich stets seines Schlitzes und Wohl-