Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 23 (19.3.1896)
- Date
- 1896-03-19
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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483 WHWWWWAWWWWWWWWWWWMMW^ wollens erfreuen. Auf die treffliche Rede folgte das Königsgebet in hebr. und deutscher- Sprache unb der Vortrag des 150. Psalms durch unseren bewährten, greisen Kantor, Herrn Laudenbacher, schloß die schöne ^eier. Die Anwesenheit des Herr Bürgermeisters rief allseits die größte Befriedigung hervor. Aus Baden, 10. März. Der Reichstagsabgeordnete Vindewald sprach gestern in Karlsruhe in einer antisemitischen Versammlung über die jetzige Lage in Deutschland. Wie in allen derartigen Reden bewegten sich seine Worte in feindlichen Angriffen gegen die Juden. Wir begreifen nur nicht, wie sich sein Zuhörerkreis, und wenn derselbe auch nur aus Fanatikern bestand, die mit vorurtheilsvollem Judenhaß in die Versammlung traten, ohne ein Wort des Widerspruchs, sich solche hirnwidrige Vergleiche und Behauptungen gefallen ließen, wie sie hier aufgestellt wurden. Er behauptete z. B. „die Menschen aus verschiedenen Raffen" seien in ihrem inneren Wesen nicht gleich. Denn der Fuchs sei ein Thier, wie das Huhn ein solches ist (!), jener sei Fleischfresser und das Huhn lebe vegetarianisch. Ein solches Verhältniß bestände zwischen Juden und Deutschen!! Von einem Lehrer der Naturgeschichte würde Redner eine schlechte Note erhalten. Wir begnügen uns mit der Wiedergabe der nackten Worte ohne Hinzufügung eines Commentars. Weiter sagte derselbe: „Die Juden wollen nicht arbeiten. Als die Juden in Palästina einzogen, war dieses ein Land, wo Milch und Honig floß, bei ihrer nationalen Vernichtung aber war das Land eine Wüste. Schon damals habe der Jude die Kulturarbeit gemieden." Wir fragen den klugen Redner, wovon denn die unverhältnißmäßig zahlreichen Be wohner Palästinas während eines Zeitraumes von 1500 Jahren gelebt haben, wenn sie nicht den allerdings ergiebigen Boden mit allem Fleiße bearbeitet hätten. Ferner brachte derselbe das Neue, . die Juden seien zum Großhandel nicht befähigt." Sie seien in Leistungen des Welthandels nicht annähernd den Phöniziern, Hellenen, Cartagenern, Venetianern und Deutschen gleichgekommen". Die Befähigung der Juden zum Handel wurde seither nie, selbst nicht von den größten Antisemiten bestritten. Der Redner sagte ferner, die größten Dichter, Maler, Musiker und Gelehrte seien Deutsche gewesen. Als gute Deutsche freuen wir uns darüber, namentlich weil darunter auch ein schöner Prozentsatz Juden, die in künstlerischer und wissenschaftlicher Beziehung auch etwas geleistet haben. Rothschild in Paris sei der herrschende Mann, der der die Minister wie die Figuren im Casperltheater tanzen und prügeln läßt. In Wien sei Lueger nicht bestätigt worden, weil Oesterreich bei Rothschild tief in der Kreide sitze u. s. w. Es knüpfte sich keine Debatte an den Vortrag. — W. Oe st e rr.-Ungar. Monarchie. ' _ Lemberg, 18. März. In hiesiger Stadt haben vor Kurzem die Directoren und Leiter der öffentlichen Spitäler Galiziens eine Versammlung abgehalten, zu welcher kein einziger Jude zugezogen war. Während der Versammlung wurde von sehr vielen Aerzten energisch gegen die katholischen „Barmherzigen Schwestern" Front gemacht und hervorgehoben, daß dieselben mehr auf das Seelenheil, als um die Gesundheit der Patienten besorgt seien, indem sie denselben in der letzten Stunde mit Bekehrungsversuchen häufig höllische Qualen bereiten. Dieser Meldung ist folgende Bemerkung beigefügt: „Bei dem großen Mangel wohlorganisirter jüdischer Krankenhäuser in der Provinz und bei dem kläglichen Zustande des jüdischen Spitals in Lemberg haben diese — wie gesagt — von christlichen Aerzten hervorgehobenen Uebelstände für unsere kranken Glaubengenossen, welche gezwungen sind, in den öffentlichen Krankenhäusern Heilung zu suchen, eine geradezu furchtbare Bedeutung." Versonatten. Buck, 2. März. Gestern feierte der hiesige jüdische Lehrer S. Spieldoch seine Silberhochzeit, welche Gelegenheit die Gemeinde gern wahrnahm, um ibre Liebe und Achtung demselben beweisen zu können. — Auch die Schüler und Schülerinnen ließen es sich nicht nehmen, aus eigener Initiative ihren Lehrer durch eine kleine Schulfeier zu ehren. Um zwölf Uhr versammelte sich der hiesige Mannergesangverein, deffen Mitglied der Jubilar ist, in deffen Privatwohnung, wo das Lied „der Tag des Herrn", gesungen wurde, worauf Lehrer Schneider als Vorsitzender im Namen des Vereins die Glückwünsche abstattete. — Gleichzeitig beglückwünschte Lehrer Neubecker, Otusch den Jubilar im Namen des Lehrervereins. — Nachmittags erschien der Gemeindevorstand nebst Repräsentanten, sowie der Vorstand des „Vereins der wohlthätigen Freunde", um gleichfalls ihre Wünsche darzubringen.— Viele und reiche Geschenke legten Zeugniß ab vor der Achtung, der das Lehrerpaar in unsrer Gemeinde sich erfreut. — Möge es dem verehrten Jubelpaar beschieden sein, auch das Fest der goldnen Hochzeit in gleicher geistiger und körperlicher Frische feiern zu können. — B. Vermischtes. Paris. An der Ecole Pratique des Hautes Etudes ist ein Lehrstuhl für Geschichte des talmudischen und rabbinischeu Lehrstudiums kreirt und Rabbiner Israel Levi zum Professor für diese Disziplin ernannt worden.