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Der Israelit · 1896-03-19 · Heft 23 (19.3.1896) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 23 (19.3.1896)
Date
1896-03-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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47- B.1AHY V' ' ' N DO Stud. med. Sternbach („Jvria") beantragte nun folgende Resolution: „Die heutige Versammlung jüdischer Studenten gibt ihrer tiefsten Entrüstung über den am 11. März 1896 gefaxten Beschluß der deutschen wehrhaften Studenten-Verbindungen Ausdruck. Die Versammlung erblickt in diesem Beschlüsse das Ergebniß einer von egoistischen Rädelsführern ausgenutzten nationalen Ueberhebung der deutschen wehrhaften Studentenschaft. Die jüdische Studentenschaft weist den Anwurf der Ehrlosigkeit mit Verachtung zurück; die Ehrenhaftigkeit ist nicht von der Zugehörigkeit zum deutschen Volke oder zur arischen Race abhängig. Die jüdischen Studenten sind fest entschlossen, ihre Stellung als gleichberechtigte und vollwerthige akademische Bürger mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln zu vertheidigen." Die jüdisch-nationalen Verbindungen gaben im Anschlüsse an diese Resolution folgende Erklärung ab: „Die jüdisch-nationalen Verbindungen insbesondere verwahren sich dagegen, „deutsche Sitte" für sich in Anspruch genommen zu haben; in dein persönlichen Eintreten für ihre Ehre folgten sie lediglich der jüo. Ueberlieferung." Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Einigen socialdemokratischen Studenten, welche sprechen wollten, konnte das Wort nicht ertheilt werden, weil der Saal für den Abend schon anderweitig vergeben war und die Versammlung deßhalb um 1/a8 Uhr geschlossen werden mußte. Es entstand hiedurch ein Tumult, der aber bald beigelegt wurde. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Berlin, 18. März. Die Berliner Judenriecherei hat, wie die „Staatsbürger-Zeitung" berichtet, folgendes Histörchen gezeitigt. Herr Schlächtermeister Oskar Lindner Höchstestraße 46, ein Mann, der einer durchaus christlichen Familie entstammt und dessen Frau ebenfalls christlich ist, hat seinen auf den Namen Oskar getauften 6jährigen Sohn am 1. April v. I. in die 161. Gemeindeschule, Georgenkirchstr. 2, gebracht, wobei er natürlich die üblichen Legitimationspapiere, Taufschein, Impfschein ic. mit zur Stelle brachte, wie das Brauch und Rechtens ist. Nun war es dem braven Meister, wenn er so Nachmittags vor seiner Ladenthür stand und sein Jüngelchen sich vor ihm auf der Straße tummelte, mehrmals sonderbar vorgekommen, daß die Schulkameraden den kleinen Oskar „Judenbengel", oder „oller jüdischer Schwarzkopp" schimpfen, unser Meister legte der Sache aber weiter keine Bedeutung bei, zumal einem heutzutage manches wunderbar Vorkommen kann. Daß fein Junge in der Schule noch nie etwas vom „Vater- Unser" gehört, dies nicht einmal dem Namen nach kannte, schien ihm zwar schon etwas bedenklicher, zumal sein viel jüngerer Sohn dies in der „Spielschule" schon wunderbar schön gelernt hatte und vorzüglich auswendig sagen konnte. Der Meister schwieg aber auch hierzu; denn als bescheidener Mann wagte er nicht, in die Geheimnisse der modernen Erziehungstheorie einzudringen. So überließ er denn die Erziehung des kleinen Oskar vertrauensvoll der 161. Gemeindeschule und gab die Hoffnung nicht auf, daß aus ihm doch noch ein tüchtiger Mensch werden würde, wenngleich in dem Kopfe, des jugendlichen ABC-Schützen die Welt sich anders zu malen schien, als sonst in Menschenköpfen. Da kam der 12. März heran, der eine sonderbare Enthüllung an den Tag brachte. Der kleine Oskar kam nach Hause und erklärte mit resignirter Miene folgendes: „Morgen ist Prüfung der christlichen Schüler, und da hat der Lehrer gesagt, daß ich ein Jude bin, und da darf ich nicht kommrn. Ich habe frei!" schloß der kleine Dulder. Als man nun den Kleinen ausforschte, erzählte er: „Der Lehrer sagte: Die Juden haben morgen frei, sie sollen aufstehen. Ich blieb sitzen. Da fragte mich der Lehrer: „Oskar, warum stehst Du oenn nicht auf!? Ich antwortete: „Ich bin doch kein Jude!" „Ach, Unsinn!" sagte der Lehrer. „Du bist Jude! steh' nur auf!" Nun stand ich auf und nun soll ich zu Hause bleiben!"-Natürlich untersuchten die Eltern jetzt die Sache näher, und nun stellte sich heraus, daß der kleine Oskar seit einem Jahre in der Schule trotz seines Taufscheines von Lehrern und Schülen als Jude behandelt worden ist und seinen Religionsunterricht das ganze Jahr hindurch in einem besonderen Klassenzimmer mit den jüdischen Schülern zusammen von einer jüdischen Lehrerin erhalten hat. — So geschehen im Jahre 1896 in der Reichshauptstadt Berlin! Wäre die Sache nicht durch einen Zufall zur Kenntniß der Eltern gekommen, wäre, so meint die edle Staats-Rischuszeitung der Junge vielleicht Rabbiner wider Willen geworden. Oe st er r. -Ungar. Monarchie. Pesth. (Eine Conferenz orthodoxer Rabbiner) und zwar diesmal zahlreicher besucht, als sonst, tagte gestern und vorgestern hier in der Hauptstadt. Die ehrwürdigen Herren haben unter unter Anderem auch über das bekannte, von der Congreßkanzlei verfaßte und jüngst dem Cultusminister überreichte Memoradam berathen und den Beschluß gefaßt, auch fernerhin bei ihrem bisherigen Verhalten zu bleiben. Die Begründung dieses Beschlusses soll demnächst veröffentlicht werden. — Das Erfreulichste an dieser zweitägigen Conferenz ist die

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