Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 23 (19.3.1896)
- Date
- 1896-03-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXVU. Jahrgang. ww WfSWHW» < ÜW. - fJ Erste Leilage;u 23 -es „Israelit". Leitender Artikel. Die Vorgänge an der Wiener Universität. Wien, 14. März. In der Aula der Universität kam es heute Vormittag zu stürmischen Scenen zwischen den Deutsch-nationalen und den Anhängern der jüdischen Studenten infolge eines Beschlusses der deutschnationalen Studenten, wonach den jüdischen Studenten mit keiner Waffe mehr Genugthuung gegeben werden solle. Die Deutschnationalen sangen die „Wacht am Rhein" und das „Bismarcklied", was von den Anderen mit dem „Arbeiterlied" beantwortet wurde; letzteres wurde von den Deutsch-nationalen mit gellenden Pfiffen und Pfuirufen ausgenommen. Die Stimmung auf beiden Seiten war eine sehr erregte. Unter Führung von Pedellen nahmen an 20 Universitätsdiener in der Aula Aufstellung, ohne jedoch zu interveniren. — Der akademische Senat der Wiener Universität beschloß gegenüber der Kundgebung der deutschnationalen Studenten, durch die den jüdischen Studenten die Satisfactionsfähigkeit aberkannt wurde, die schärfste Mißbilligung auszusprechen. Die halbamtliche „Wiener Abendpost" bringt unterm 18. dss. folgendes Communiqutz: „Wir sind ermächtigt, mitzutheilen, daß aus Anlaß der Demonstrationen, welche am letzten Samstag an der Wiener Universität stattgefunden haben, ebenso wie hinsichtlich jener Vereinsbeschlüsse, die dieselben veranlaßt haben, seitens der zuständigen Behörden die erforderlichen Amtshandlungen eingeleitet worden sind." In Universitätskreisen war heute die Nachricht verbreitet, daß die behördliche Auflösung jener sogenannten deutsch-nationalen Verbindungen, welche den bekannten Beschluß der Satisfactions-Verweigerung an jüoische Commilitionen gefaßt und mit einer diffamirenden Begründung in die Welt gesetzt haben, bereits erfolgt sei: Eine solche Maßnahme ist jedoch bis heute Abends offiziell nicht bekannt gegeben worden, obgleich von der Wahrscheinlichkeit derselben heute auch in jenen amtlichen Kreisen gesprochen wurde, welche darüber zu wachen haben, daß die Vereine ihren statuarischen Wirkungskreis nicht überschreiten. Vom Verlaufe der durch den akademischen Senat eingeleiteten Untersuchung wird es auch abhängen, ob, wie das oben abgedruckte Communiqus der „Wiener Abendpost" ankündigt, die „erforderlichen Abhandlungen" gegen den Frieden der Aula ernst gefährdenden antisemitischen Schönerer-Studenten durchgeführt werden. Ein antisemitisches Abendblatt berichtet über den Verlauf der erwähnten Untersuchung: „Sonntag waren bekanntlich die Erstchargirten der nationalen Verbindungen zum Rector beschieden gewesen. Rector Menqer stellte an sie die Anforderung, folgendes Protokoll zu unterfertigen: 1. Daß der Beschluß wirklich in dieser Form gefaßt wurde; 2. vaß die Verbindung, welcher der betreffende Erstchargirte bei der Beschlußfassung zugegen war. Da Recter Menger auf die Frage, was dieses Protokoll bezwecke, keine Auskunft geben wollte, verweigerten die Erstchargirten die Unterschrift. Für morgen Vormittags sind die Erstchargirten wieder zum Rector beschieden." Eine Protestversammlung jüdischer Studenten in Wien. Nahezu tausend jüdische Studenten aller Wiener Hochschulen versammelten sich heute in Khuner's Restauration auf dem Schottenring, um gegen den Beschluß der antisemitischen Studirenden Stellung zu nehmen. In der Versammlung befanden sich die Mitglieder der jüdisch-nationalen Verbindungen „Kadimah", „Jvria" und „Unitas", ferner eine Anzahl von alten Herren, Reichsraths-Abgeordneter Luzzatto, Landesschulrath Dr. Kohn, Baumeister Zifferer, Aerzte, Advocaten rc. Der Saal war so dicht gefüllt, daß die überwiegende Mehrzahl der Anwesenden stehen mußte und die Communication gänzlich unterbrochen war. Der Vorsitzende, 8tuä. ineä. Gerbel („Kadimah"), theilte, nachdem er die Versammlung eröffnet hatte, mit, daß Sympathie-Kundgebungen aus allen österreichischen Universitätsstädten, ferner aus Berlin, Zürich, Riga rc. eingelangt seien, worauf 8tuä. med. Max Jerusalem („Unitas") das Wort ergriff. Er begann: „Wir haben keine Ehre mehr. Am JJ. März haben wir sie verloren und kein ehrlicher Finder hat sie uns zurückgebracht. Vielleicht braucht man sie anderswo nothwendiger. (Lebhafte Heiterkeit.) Die deutsch-nationalen Studenten sagen, der jüdische Student sei dem deutschen nicht ebenbürtig. Haben sie vergessen, wer hier ihre Burschenschaften mitgegründet hat, wer ihre besten Klingen waren * Juden. Haben sie vergessen, wer ihnen mitunter recht imponirt und ihnen oft hart zugesetzt hat? Die jüdisch-nationalen Verbindungen. Was die Herren an Rohheit, an Barbarismus abgelegt, was^sie an Idealismus gewonnen, haben sie oft von uns gelernt.^ Sie sagen:^„Mann^gegen Mann" sei deutsche