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Der Israelit · 1896-03-19 · Heft 23 (19.3.1896) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 23 (19.3.1896)
Date
1896-03-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
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472 „Aber Gaston! solche Worte," rief die Gräfin aus, „das kann Dein Ernst ....!" „Bitte, gnädige Comtesse," versetzte Elchonon mit Entschiedenheit, „ich heiße Elchonon, wenn Sie es für wichtig halten, mich bei meinem Vornamen zu nennen." „Ach Himmel, wie schroff und unzugänglich!" murmelte die Gräfin tief gekränkt vor sich hin. „Das ist aber nicht hübsch von Ihnen, lieber Cousin," lächelte Martha. „Sie scheinen sich absolut darauf zu verlegen, unser freundliches Entgegenkommen durch Kränkung zu belohnen. Warum neunen Sie uns immerfort bei unserem Titels Sind wir nicht Blutsverwandte V" „Ganz und gar nicht, werthes Fräulein," erwiederte Elchonon mit Festigkeit. „In meinen Adern fließt unverfälschtem, jüdisches Blut. Mein Urgroßvater, Abraham Pelouse, hat wohl in verwandschastlicher Beziehung zu der Familie de la Pelouse gestanden. Nachdem er aber freiwillig auf seine Rechte für sich und seine Nachkommen verzichtet und andere Bahnen eingeschlagen hatte, hat jedes Bindeglied zwischen uns und jener Familie zu bestehen aufgehört. J Die Bescheidenheit des Juden gestattet ihm nicht, mit einer Herrschaft, die in sozialer Beziehung weit über ihm steht, vertraulich zu verkehren, wie er auch den Schein von Aufdringlichkeit und Anmaßung zu vermeiden wünscht." Das kam alles kurz und knapp über diese frischen, ideal geschwungenen Lippen. Keine Spur von Demuth und Verbindlichkeit! Wie sollte es gelingen, auf solch' stolzes, trotziges Reis, die erste Tugend der gräflichen Familie Pelouse, strenge Kirchlichkeit zu pfropfend Die Comtesse dachte mit Schaudern daran, daß der Kampf gegen diesen Trotz sich noch schwerer gestalten könnte, als sie jemals voraussah. „Ach, das geht zu weit, mein Lieber!" rief die Gräfin voller Empörung aus. „So belohnt man nicht aufrichtige Liebe und wenn dieselbe von einer Seite gebracht wird, die ein gutes Recht dazu hat, ist ein solches Benehmen geradezu verwerflich! Oder soll gar keine Erinnerung bei Dir zurückgeblieben sein, daß ich Dich als zartes Kind auf meinen Armen trug und Dil Deiner Tante Comtesse, wie Du mich damals nanntest, entgegenjauchzteste? Soll der alte Groll in unserer Familie ,;u neuem Leben erwachen? Was können wir dafür, daß einst nufere Väter gegen Deinen Großpapa vielleicht ein Unrecht begangen Haberl? Mußt Du uns nicht die Hand dazu bieten, es wieder an seinem Enkel gilt zu macherl? Ich verlange ja blos ....!" Sie wurde von Martha unterbrochen, denn sie merkte, daß hier Schlauheit mehr 51t Stande bringen kann, als Aufrichtigkeit. „Die Tante hat Recht," sagte sie mit einem bezauberrldeil Lächeül. „Es ist nicht artig von Ihnen, daß sie es ihr schwer machen, ein begangenes Unrecht voll Ihrer Familie an Ihnen rvieder gilt zil rnachen. Wie schlimm ist es, um Liebe betteln zu müssen, dort, wo man sie naturgernäß finderi sollte. Aber das wird von Ihnen ja gar nicht verlangt. Oder soll Ihnen gar Ihre Religion untersagen, mit Verwandten anderen Glaubens freundlich zu verkehren? Dann weiß ich nicht, worauf Ihr Recht fußt, auf diese so stolz zu sein/: (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montag- und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 ReichS-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Duchhandet M bestehen dri E. $. Sie inacker, Lripstg, Koßplatz 18. — Inserate 35 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut CourS. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland «ud Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 st. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden, •im Rstiksendnng vor» an die «edaetton eingesandten Manuseripten findet nicht statt, man vittet deshalb fich von alle« Einsendungen eine Lopie zurückzubehalten. Inhalt (Hauptblatt) r Leitende Artikel: Ereb Peßach am Sabbat. — Hagadah schel Peßach — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Breslau. Rogasen. Eisenach. Ocsterr.-Ungar. Monarchie: Budapest. — Ans jüdischen Vereinen, Schulen und Stiftungen: Berlin. Mühlhausen. Mattersdorf. Feuilleton: Der Letzte seines Stammes. Erzählung von Alphonse de la Haye. Inhalt der ersten Beilager Leitender Artikel: Die Vorgänge an der Wiener Universität. — Zeitungsnachrichten und Corresoondenzen: Deutschland: Berlin. Oesterr-Ungar. Monarchie: Pefth. Rußland: Kowno. — Gerichtszeilung. — Vermischtes Inhalt der zweiten Beilage: Leitender Artikel: Der Präsident der franz. Republik und der Rabbiner von Nizza. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Mainz. Berlin. Regensburg. Aus Baden. Oesterr. Ungar. Monarchie: Lemberg. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilage«

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