Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 23 (19.3.1896)
- Date
- 1896-03-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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_471 Audienz nach. Dieser erklärte, wegen Arbeitsüberhäufung infolge der Berathung des Kultusetats die Damen vorläufig nicht empfangen zu können, dagegen gewährte ihnen der Vortragende Rath im Kultusministerium und Dezernent für das Volksschulwesen, Dr. Krügler, eine einstündige Unterredung. Diese fanv im Abgeordnetenhause statt und drehte sich im Wesentlichen um die Frage, ob jüdische Volksschullehrerinnen auch fernerhin den deutschen Unterricht ertheilen könnten. Herr Dr. Krügler erkärte, dies sei nach wie vor nicht ausgeschlossen. Als ihm aber daraufhin mitgetheilt wurde, daß die Ertheilung des deutschen Unterrichts von dem Ordinariat abhänge und dieses doch nicht mehr jüdischen Lehrerinnen übertragen werden solle, verhielt sich, wie ein hiesiges Blatt berichtet, Herr Dr. Krügler hinsichtlich des Ordinariats durchaus ablehnend und meinte, die Verbindung des Ordinariats mit dem deutschen Unterricht sei in Berlin eine spezifische Anordnung der städtischen Schuldeputation und gehe somit das Unterrichtsministerium nichts an. Die Audienz verlief somit ohne Ergebniß. Mühlhausen i. E. Die israelitische Gewerbeschule des Ober-Elsaß in Mühlhausen hatte im Jahre 1895 eine Einnahme von 19.892 M>, denen Ausgaben im Betrage von 16,180 M. gegenüberftehen. Die Schule wurde von 42 Schülern besucht. Mattersdorf (Ungarn). Die Prüfung in der hiesigen niox min 'TD' joan (Verein zur Erhaltung armer Jessade Thora-Zöglinge ist auch dieses Jahr überaus glänzend ausgefallen und waren die anwesenden Talmudgelehrten über die bedeutenden Fortschritte, welche die Schüler in *jrn und Talmud gemacht, freudig überrascht. Feuilleton. |>et Letzte seines Stammes Erzählung von Alphonfe de la Haye. 22) (Alle Rechte Vorbehalten.) Er wurde unterbrochen .... ein Stimmengewirr auf dem Gang .... dann lautes Pochen an seiner Thüre. Ehe er zum Eintritt aufgefordert hatte, wurde die Thüre aufgerissen und die Comtesse und Martha traten in das Zimmer, während der sie begleitende Diener an der Thüre stehen blieb. „Non Dien, c’est bien possible! mon eher (laston dans cette pauvrete?“ rief die Comtesse, die Hände bestürzt zusammenschlagend, aus. In einer solchen Mörderhöhle wohnt der letzte Graf de la Pelouse. Himmel! daß ich so was sehen muß!" Ein Zug des Unwillens legte sich um die Mundwinkel Elchonons; von einer Erwiederung jedoch wurde er durch das Zwischentreten Marthas für diesmal überhoben. „Guten Morgen, lieber Cousin," sagte sie mit schalkhaftem Lächeln und ^reichte ihm die Hand. „Nicht wahr? Wenn Mohammed nicht zum Berg kommt, dann kommt der Berg zu Mohammed. Wir haben Sie, lieber Cousin, vergeblich erwartet. Wir dachten, daß die Eröffnung, die Ihnen die übergebenen Aeten machten. Sie nicht ruhen und rasten lassen werden, weitere Aufschlüsse von uns zu verlangen. Als aber die Uhr die neunte Stunde verkündete und Sie siä) noch immer nicht blicken ließen, da fand die Taute keine Ruhe mehr und entschloß sich, Sie in Ihrer hohen Warte aufzusuchen. Nun, da sind wir, mit schwerer Mühe haben wir die vielen Stufen erklommen; wir hoffen, daß Sie das Opfer zu schätzen wissen werden und uns freundlich empfangen, lieber Cousin! — Aber nicht so sinster dreinschauen . . . . einen freundlicheren Blick bitte ich mir aus! Wer wird gegen Damen so unliebenswürdig sein?" Ihm einen leichten Schlag auf die Schulter versetzend, ließ ne sich auf einen Stuhl nieder und forderte ihre Tante aus, aus dem zweiten, der sich noch im Zinlmer befand, Platz zu nehmen. „So," fuhr Martha mit komischem Ernste fort, „jetzt sitzen wir zu Gericht über Sie, also Respect, wenn ich bitten darf! Sie sind angeklagt, sehr ungalant gegen Damen zu sein. Vertheidigen Sie sich .... überzeugen Sie uns eines Beffern, wenn Sie straflos ausgchen wollen!" Elchonon mußte unwillkürlich lächeln. „Aber chöre Martha!" rief die Comtesse ärgerlich aus. „Die Angelegenheit, meine ich, ist viel zu ernst, um Possen damit zu treiben. Bewahre Deine Scherze für die Fastnachtzeit auf; hier aber . ." „Nicht hier, liebe Tante," unterbrach sie Martha. „In diesem düftern Raume eine Tragödie aufzuführen — brrr! mich schaudert! — Laß uns in die milde Frühlingsluft hinausfahren, der Wagen hält ja vor dem Hause. In Gottes freier Natur, da finden die Gefühle in Worten den richtigen Ausdruck; da werden süße Töne in unserer Seele wach, da schwindet das Leid, vor dem Wonneklang unserer Brust; da zerschmelzen alle Unbilden des Lebens vor Gottes herrlicher Schöpfung! Nicht wahr, theurer Cousin. Sie begleiten uns?" „Unmöglich, gnädiges Fräulein," erwicderte Elchonon kurz entschlossen. „Beim besten Willen unmöglich! Meine Zeit ist für den heutigen Tag knapp bemessen. Dazu bin ich thatsächlich in Verlegenheit, welche Aufschlüsse ich noch von Ihnen, meine Herrschaften, zu erbitten hätte? Unsere Lebenswege gehen weit auseinander, es scheint sich auch kein Berührungspunkt für dieselben jemals finden zu lassen. Denn was hätte der Jude in dem hochwohlgeborenen Kreis de la Pelouse zu suchen? Also wozu Verbindungen anknüpfen, die sich von selber lösen?"