Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 22 (16.3.1896)
- Date
- 1896-03-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2448608-2448631--41476-2490435- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
454 werden nicht ausbleiben. Die Leistungen der bisher naturgemäß Zurückgebliebenen werden sich durch die brüderliche Förderung verdoppeln, die ihnen durch größeren Umsatz zufließenden Geldmittel sie concurrenzfähiger machen und so wird das überzeugungstreue Einstehen für den Glauben der Väter die Ursache der lebensfrohen Existenz für die Einen, ein Quell fortgesetzten Wohlthuns und segensreicher Pflichterfüllung für die Andern werden. Auch unsere, auf anderem Standpunkt stehenden Glaubensgenossen werden gewiß diese Darlegungen nicht mißverstehen, und wenn sie auch selbst sich auf den Wogen der Zeit in das schrankenlose Verkehrsleben der Gegenwart forttragen laßen, werden sie doch im Herzen das Verständniß sich bewahrt haben für die Aufopferung, mit dem ein kleiner Rest sich für Erhaltung des väterlichen Erbtheils bemüht, und werden uns gewiß einst noch Dank wissen, daß wir dem Ende des neunzehnten Jahrhunderts nicht die Genugthuung überließen, dieses heilige jüdische Erbtheil preisgegeben und zerstört zu sehen. Literarische Notiz. Berlin, 4. März. Soeben ist das erste Heft der im Verlage von S. Calvary u. Co. hier erscheinenden neuen „Zeitschrift für hebräische Bibliographie", welche von Dr. H. Brody unter Mitwirkung von W. Bacher, A. Berliner, S. I. Halberstamm. D. Kaufmann, A. Neubauer, M. Schreiner, M. Steinschneider und anderen Fachgelehrten herausgegeben wird, zur Ausgabe gelangt. Die Zeitschrift soll, als Fortsetzung der s. Zt. von Steinschneider redigirten „Hebräischen Bibliographie" (Hamaskir), wie diese, ein Repertorium über die das Judenthum und seine Quellen betreffende Literatur für die Wissenschaft und für den Buchhandel werden und verspricht einem in der Thal tiefgefühlten Bedürfniffe abzuhelfen. Dieselbe soll jährlich 6 Hefte zum Preise von 6 Mk. bringen. 'Personalien. Bchweinfurt. Heute haben wir ein ehrbares Mitglied unserer Gemeinde zu Grabe getragen, eine Frau, bic zu den ersten israelitischen Familien gehörte, die seit ca. 30 Jahren sich wieder in hiesiger Stadt niedergelaffen. Es ist dies Frau Fanny Frank geb. Heinemann, welche nach ebenvollendetem 68. Lebensjahr das Zeitliche segnete. Von einem echt religiösen Sinn beseelt, selbstlos in jebfr Weise, hat sie von den ihr in reichem Maße verliehenen Erdengütern einen richtigen Gebrauch zu machen verstanden, so daß sie sich den Namen einer Wohlthäterin in unserer Gemeinde und unter den Armen für alle Dauer zu sichern gewußt. Erst vergangenen royiav stiftete sie im Vereine mit ihrem Bruder eine neue min *»bd mit allem Zubehör, und noch manche schöne Gabe hat unser Gotteshaus von der Verewigten aufzuweisen. Möge ihr der himmlische Lohn für ihr Thun zu Theil werden. Feuilleton. per Lehte seines Klammes Erzählung von Alphonse de la Harze. 21) (Alle Rechte Vorbehalten.) „Sag, lieber Vater", frug Recha. „Ist Herr Dr. Blum nicht der Vormund jenes frühverwaistell Knaben, den eine überspannte Gräfin als den letzten ihres Stammes bezeichnete und welcher spurlos verschollen war, als die Gräfin sich als unbeschränkte Herrin seines Geschickes glaubtet Wenn ich mich dessen recht erinnere, so trug die Mutter des Knaben nicht wenig zu der Umwandlung in der religiösen Gesinnung des Herrn Dr. Blum bei. Auch soll der Knabe auf Geheiß der Mutter aus der gefährlichen Nähe der Gräfin entfernt worden sein. War übrigens nicht der Name der Gräfin Pelouse?" „Ja, meine liebe Tochter, der "Name der gräflichen Familie ist eigenthümlicher Weise ebenfalls Pelouse wie der Familienname unseres Elchonotls. De la Pelouse; doch was hast Du?" Eine nachdenkliche Falte legte sich ans die klare, reine Stirn Recha's. „Und hast Du daran nicht gedacht, lieber Papa, daß wir in Elchonon jenen verschollenen Knaben vor uns haben könnten? Zwar ist er im Norden erzogen worden; aber was thut's!" „Daran habe ich zuweilen wohl gedacht, mein liebes Töchterchen, aber daran mahnte mich mehr eine Aehnlichkeit, die ich in seinem Gesichte zu entdecken glaubte, mit jenem wahrhaft frommen und Gott begeisterten Weibe, welche die Mutter jenes Knaben war, als der Familiennamen. Was haben 'Namen für eine Bedeutung; denn zur Zeit als Familiennamen eingeführt wurden, war es jedem überlassen, diese nach Belieben zu wählen. Doch was veranlaßte Dich zu dieser Vermuthung? Doch nicht blos der Name Pelouse?" „Nicht blos der "Name" sagte Recha „sondern noch mehr diese Notiz aus der „Post." Darf ich sie Dir vorlesen?" „Ich bitte darum," sagte Dr. Marpua nicht, ohne Jntereffe. Recha entfaltete das Blatt und las: „Unsere Stadt hat abermals einen Zuwachs der hohen französischen Aristokratie zu verzeichnen. Seit das Banner des deutschen Reiches von den Thürmen