Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 22 (16.3.1896)
- Date
- 1896-03-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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'. -f 453 rvo^ö nPD „die Herrscherkrone" int Sinne der Selbstbeherrschung. Wie oft begegnet es uns nicht im Leben, daß, wo Reichthümer und Glück sich häufen, Bescheidenheit und Demuth sich merklich vermindern, so daß man wohlberechtigt sagen kann: „wo Glück aufgeßt, geht Demuth unter." Der Verewigte blieb sich während seines ganzen Lebens gleich und ließ sich durch den Besitz von irdischen Glücksgütern nie um die Himmelskrone .-1:7 bringen, denn er besaß nr&o ins .die Krone der Selbstbeherrschung." Im Besitz der drei erwähnten Kronen kann es uns nicht wundern, wenn sich gleichsam von selbst, eine 4. Krone bildet, nämlich 2'v tu? “iro „*»** des guten Namens," wie das unsere Weisen so sinnkg und kurz andeuten, indem sie von dieser 4. Krone geistreich bemerken: n^y 212 dip inst „die Krone des guten Namens erhebt sich auf dem Rücken der 3 genannten," d. h. auf der Basis von diesen dreien erhebt sich der Prachtbau des guten Namens. So war denn, genau betrachtet, der am Ruhetage zur ewigen, glückseligen Ruhe Heimgegangene eigentlich mit vier Kronen geschmückt. — Möge sein Erdenmallen Viele zue Nachahmung anfeuern und begeistern. M. Aus Süddeutschlaud. (Ein Wort zur jüdisch-sozialen Frage.) Appell an unsere Brüder und Schwestern! Einer unserer jüngsten Wochenabschnitte lehrt uns, daß, wer sein Bürgerrecht im Judenthum erwerben, wer die „Sühne seiner Seele" erringen möchte, zu spenden habe, seine volle Einzelkraft einsetzen müsse für die Erhaltung und Förderung des Ganzen. Diese bedeutsame Lehre von der Schekelspende gibt uns erwünschte Gelegenheit einen wunden Punkt in unserm jüdisch-sozialen Leben zu berühren, in der Hoffnung, daß das Aufdecken dieses Schadens den Anfang seiner Heilung bedeute. Niemand wird leugnen, daß es eine Lebensfrage für den Fortbestand der am Sabbat und den jüd. Feiertagen geschlossenen Geschäfte, resp. für die Existenz der an diesem Tage feiernden Handwerker ist, daß unsere ganze Sorgfalt der speziellen Berücksichtigung dieser Berufsarten zugewandt werde. Ja, wir wagen zu behaupten, daß unser theuerstes Gut, das Judenthum selbst, einer großen Gefahr entgegen geht, wenn nicht endl'ch begonnen wird das Opfer, das die am Sabbat ruhenden Ladengeschäfte, Werkstätten und sonstigen Betriebe bringen, zu begreifen, und vorzubeugen, daß dieser, für die Forttragung unserer jüd. Bestimmung sehr in Betracht kommende Theil des jüd. Mittelstandes dem Abfall in die Arme getrieben werde. Bei Besprechung dieses Mißstandes sieht man wieder einmal, wie weit oft praktische Frömmigkeit und Gesetzestreue, ja selbst Wohlthtätigkeit und Hilfsbereitschaft, von der Verwirklichuna der Ideale entfernt sind, die das sinaitische Gesetz von seinen Bekennern fordert. Allerdings^ bedarf Gemiluth Chesed, dieses allumfaffende, herrliche Wort nicht der Uebersetzung in unserer Landessprache, um jedem jüdischen Ohr und Herz verständlich zu sein. Wir haben den Sinn für die werkthätige Bruderliebe, für die uneigennützige Opferfreudigkeit von den Eltern überkommen und bewahren ihn nach Kräften und Vermögen — nur eine Seite und zwar die wichtigste in diesem großen Kapitel der Lehre von der Förderung ttnd Unterstützung uttserer Mitbrüder, haben Viele von uns noch nicht seinem ganzen Umfange nach begriffen. Man giebt und giebt immer wieder mit vollen Händen, man sorgt für Zurückgekommene und geschäftlich Nothleidende, aber man vergißt, daß der Wohlthat größte die Vorbeugung der Schutz vor dem liebet ist, man wartet bis es zil spät 31t wahrhaftem Fördern und Erhalten ist tutb vermeint genug gethan zu haben, wenn man dem Armgewordenen von seinem Ueberflusse Pfennige oder Thaler reicht zur Fristung seines Lebens. Wenn auch in anerkennenswerther Weise oftmals geschäftlicheNothlage ditrch Darlehen ltub Creditgewährung gebessert werden, wirksam zu helfen giebt es hier nur ein Mittel und zwar, daß wir als Besteller und Kunde des betr. Kaufmanns, Gewerbetreibenden rc. auftreten, welcher mit dem Schließen des Geschäfts an Sabbaten und Feiertagen geradezu darauf angewiesen, daß seine Genossen ihn unterstützen — 0, nein, daß sie seinen b e r e ch t i g t e n A n s p r ü ch e n als jüdischer Mitbrnder, der in dieser Zeit des Abfalls gleich ihnen die Standarte des Gesetzes hochhält, gerecht werden! Alle für Einen, Einen für Alle, so lautete zu allen Zeiten der Wahlspruch des jüdischen Volkes; um wieviel mehr muß in dieser trostlosen Zeit, wo die erhabene Lehre der Thora sich nur noch in eine kleine Zahl treuer Herzen geflüchtet, dieses Gefühl der Brüderlichkeit, dieses Einstehen und Bü ge sein für einander, unsere Entschlüsse und Handlungen leiten. Wenn diese Anschauung sich in unseren Kreisen Bahn brechen würde, dann wären erfreulichere Aussichten für die Zukunft unserer Brüder, dann wäre eine Grundlage zur Sicherung einer ehrenhaften Existenz so vieler Familien geschaffen, welche jetzt mit Bangen in die Zukunft sehen, aber doch den Muth besitzen, mitten im rastlosen Verkehr den Laden und die Werkstätte zu schließen, wenn der Sabbat seinen Einzug hält. Wir sind uns wohl bewußt, daß die geschäftliche Leistungsfähigkeit der Betreffenden nicht immer auf der Höhe der Zeit steht, aber gerade darum ergeht der Mahnruf an die Brüder und vor Allem an die Schwestern: Thut Alles, was in Euren Kräften steht, um diese Geschäfte zu heben, stellt an sie gesteigerte Anforderungen, um ihren Eifer und ihre Thatkraft zu vergrößern, aber lasset die nöthige Geduld und Nachsicht nicht fehlen, und die Früchte