Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 22 (16.3.1896)
- Date
- 1896-03-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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'i ü >.- ’75TV“ 452 Wir sehen ein, daß dieses Theorem logischerweise so sprechen muß; denn wäre von einer Mission des Judenthums die Rede, so müßte man sich doch fragen, bevor man einen „Judenstaat" baut, ob die Zeit, von der der Prophet spricht, wirklich schon eingetroffen ist. Man nehme ein Zeitungsblatt zur Hand und beantworte sich die Frage, ob die Völker schon ihre Schwerter zu Pflugscharen, ihre Lanzen zu Sicheln umgeschmiedet haben; ob das Lamm schon neben dem Wolfe, ja ob nur der Mensch neben dem Menschen ohne die Polizei wohnen könne! Die Mission des Judenthums sei am Schluffe des Alterthums erledigt gewesen und hätte im Christenthum sein Ziel erreicht. Daß dies nun der Punkt ist, in welchem das Nationaljudenthum überhaupt nicht mehr als jüdische Frage angesehen werden kann, bedarf keiner weiteren Erläuterung. Werfen wir nun einen Blick auf die Früchte einer solchen Bewegung, so müssen wir zu unserem Schrecken erkennen, daß wir im Nationaljudenthum einer Gefahr gegenüberstehen, welcher entgegenzutreten unsere heilige Pflicht ist. Zunächst erstreckt sich dies.! Gefahr auf unsere Stellung zu den Völkern, unter denen wir wohnen. Darf es uns Wunder nehmen, wenn wir immer wieder ungeachtet allerWiderlegungen von unteren Feinden den Vorwurf hören müssen, daß wir keine Patrioten seien? Auf den deutsch-französischen Schlachtfeldern ist vergebens jüdisches Blut geflossen, wir arbeiten umsonst an der Aufgabe der Gesammtheit, wenn das Nationaljudenthum den Antisemiten, die ohnedies vor Verallgemeinerungen nicht zurückschrecken, Veranlassung geben, diese Vorwürfe stets zu erneuern. Der Jude ist Patriot. Im Talmud heißt es schon: nxs6 idn» obo nir» ">x«6 baav rW? idx 12 ^x*w pxo. Sowie es verpönt ist, von Palästina nach Babylon zu ziehen, so ist cs verpönt, von Babylon nach den andern Ländern zu ziehen. Schon damals nach kurzer Trennung vom ursprünglich heimathlichen Boden hatte die Liebe zur zweiten Heimath in den Herzen der Juden solche Wurzeln geschlagen, daß ein Verlaßen derselben als religiöse Übertretung galt. Wir können dem Nationaljudenthum mit unfern Vätern in Egypten zurufen: Dnte'xan -itrx, ödbw oa'by '*r so» um nx. Nur, daß unter unfern Zionisten weder ein Moses noch Aron ist. Das Nationaljudenthum ist aber auch nach innen für Israel von Nachtheil. Junge Leute ohne Urtheilsfäbigkeit werden z. B. in Wien schon auf dem Gymnasium für derartige Verbindungen angeworben. Da Religion als Nebensache gilt, so wird hierdurch mindestens dem Jndifferentismus eine gefällige Handhabe geboten. Wir können ruhig die Drohung des Nationaljudenthums, daß Israel vom Kosmopolitismus hinweggespült werden könnte, als Schreckschuß betrachten und uns ebensowenig daran kehren, als das Nationaljudenthum uns selbst aus der Bahn unserer geschichtlichen Mission zu rücken vermag. Die Grenzen des überlieferten Judenthums sind weit genug, daß darin neben Religion und Patriotismus auch die Liebe zur Heimath unserer Väter Platz finden, ohne daß man gefährlichen Phantastereien anheimzufallen braucht. M. R.d. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Karlsruhe i. Baden. (Unlieb verspätet.) nnDtco paiv ~nxa ojajra. „Mit dem Eintritt des Monats Avar häufe man Freuden." Wir, die hiesige Religionsgesellschaft, konnten diesmal dieser Aufforderung zur Freude keine Folge leisten. Der unerbittliche Tod entführte uns mit dem Aoareintritt Herrn Kaufmann S e e li gmann, einen begeisterten Mitbegiünder unserer Gesellschaft und vieljähriges, opferfreudiges Mitglied des Vorstandes derselben. Wiewohl hochbetagt, wird der Verblichene nicht nur von seiner ihn innig liebenden und hochverehrenden Gattin und seinen ihn nicht minder liebenden Kindern, mit denen seine höchst glückliche Ehe reichlich gesegnet war, schmerzlich vermißt werden, sondern auch in erster Reihe von unserer Gemeinde und von zahlreichen Wohlthätigkeits- und Lehranstalten, denen er von seinen reichlichen Glückgütern ansehnliche Unterstützungen wohlwollend und freudig zufließen ließ. Die überaus große Theilnahme am Leichenbegängniß seitens unserer und der Hauptgemeinde bezeugte die Liebe und Achtung, deren sich der Verewigte während seines Lebens erfreute. — Herr Dr. Schiff er verlieh diefin Gefühlen in formvollendeter, herzlicher Grabrede unter Zugrundelegung der Mischnaworte inai ruiro "ins ,mm ins on mna 'j Ausdruck, indem er nachwies, daß der Selige mit diesen drei Kronen geschmückt war. mm "ira schmückte ihn, indem er die ihm vom Geschäfte verbliebene Freizeit nach Art und Weise seines talmudisch gebildeten Vaters und nach dem Sinne seiner religiösen Mutter dem Thorastudium zuwendete, seine Kinder tüchtig im Hebräischen unterrichten und bilden ließ und Gesetzesbeflissene sowohl als Thora-Anstalten und besonders die des heiligen Landes, reichlich unterstützte. — ruin? ~n2 zierte ihn, indem er dem Rufe unserer Weisen pnx bw vtd^hs nn man nx arv.x oV?sp rpm n'bw an-x Folge leistete, denn er war sanften Charakters, vermied Zwist und Streit, indem er den Frieden mit seinen Mitmenschen über Alles stellte. Sein diesbezüglicher Grundsatz war: „auf besteht die Welt." In nicht geringerem Grade schmückte ihn auch