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Der Israelit · 1896-03-12 · Heft 21 (12.3.1896) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 21 (12.3.1896)
Date
1896-03-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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436 mit Verehrung zu Göttergestalten aufzublicken, deren Eigenart und Göttlichkeit darin besteht, einen Mund zu haben und nicht zu reden, Augen und Ohren zu haben ohne zu sehen und zr: hören, Hände und Füße zu besitzen ohne sie zit rühren, was könnert die Anbeter dieser Gottheiten gottgefälligeres unternehmen, als es ihren göttlichen Vorbildern uachzuthur:/ Ist es vielleicht ein Ausläufer dieser Verirrung, die es so viele ganz in der Ordnung finden läßt, einen Mund zit besitzet: und für kein freies, männliches Wort denselben zu gebrauchend Ja bei uns ist diese Verirrung soweit fortgeschritten, daß sie den Gebranch des Mundes für ein gerades entschiedenes Wort als eine llnthat verfehmt und zum Attentate auf Frieden und Toleranz stempelt! Haben deshalb so viele ihre Augen :n:d Ohren in: Kopse und sehen und hörei: nichts, weil ihnen dieses Nichtsprechen, Nichtsehen und Nichthören als gar nicht hoch genug zu feiernde, sociale Tugend gilt / Wenn der Gott, der's Eisen wachsen ließ, wenn dieser keine Knechte wollte, so sollte man doch glauben, daß der Gott, der jedes Menschenwesen mit der Gabe zu Sprechen, zu Sehen und zu Hören ausgestattet hat, auch keine Tugend- und Lasterblinden, Taubstummen wollte, welche nur die Phrase vom „Ausschluß alles Religiöseil" zu erfinden brauchtet:, um sich gründlich über alles auszuschweigen, worüber tlicht viel und nicht la::t genug gesprochen werden sollte! Zu den Worten: v'vvrr ü’d^nd um« nm (i. B. M. C. 37, V. 7) bemerkt der Midrasch Tanchumi: UB? D’D^N NtLkp> QHTIj; "ICN 't> '") Tpbx IQtPt DV3T?tt' „R. Levi sagte, Joseph habe mit seinem Traume bcu Brüderr: prophezeit, sie würden einst st u m n: e Götter verehren vor den Kälbern Jerobeams ur:d sprechen: das sind Deine Götter Israel!" Ir: seinem Werke D'»n '->M ’-oi giebt Rabbi Ehajim Sofer folgende treffliche Erklärung dieses Midrasch. Nicht erst seit heute uub gestern macht sich in Zeiten praktischen Abfalls von Thora und Mizwoth das Bestreben geltend, durch sociale Tugenden der Toleranz, der Friedensunb Nächstenliebe die Mängel eines in allen Punkten gotttreuen jüdischer: Lebe::s zu ersetzen. Es wird dies :u:s besonders von der: Zeiten Jerobeams berichtet, in welcher: der Götzendienst ungeheuere Dimensionen angenommen hatte und die jüdischen Stämme dennoch siegreich in ihren kriegerischen Unternehmen waren, rveil sie in Frieder: mit einander verkehrten. Dieser Friede, so hoch sein Werth auch an und für sich fein mochte, er war nr:r auf Kosten der mit Füßen getretener: Wahrheit möglich, rveil jeder den anderen gewähren ließ, sein gotterttfremdetes Leben zu leben und Niemand der: Frevel arn Gesetze durch ein mahnendes Wort zu rügen wagte. Sie waren stumm wie die Kälber, die sie anbeteten und erhoben dieses Stummsein zu ihrer Religion, inderr: sie im Hinblick auf die stummen Kälber-Jdole riefen: Das sind deine Götter Israel! Angesichts dieses kläglichen Jammers erscheint die Prätension, welche im Besitz solchen Götzencultes unser Bewußtsein vor: Gott discreditiren möchte, in ihrer gar:zer: Armseligkeit. Der scheinbare, ephemere Erfolg dieses Götterunweser:s, selbst sein mehr als tausendjähriger Bestar:d vermag uns nicht zu beirren, x llnr-r c"i:y Unser Gott ist es, dem dieser Götterrvahr: seinen Bestand und seinen Schutz verdankt. Dieser Gott, der: sie verkennen und verachten, hält die Stunde noch nicht für gekommer:, in welcher die bethörter: Götzenanbeter ihre Idole zertrümmern, und deshalb bestehen sie noch. Auf diesen Gott zu vertrauen, mahnt daher unser Lied, nicht nur Israel, dieser Priester der Menschheit, sondern alle Gottessürchtigen, weit über der: jüdischen Kreis hinaus, fordert es zum Vertraue:: auf Gott aus. Wenn dem Vertraue:: ar:f stumme Götzen die urcheilvolle Macht innewohnt, ihre Verehrer dem leb- und gefühllosen Verstummen jeder edlen Regung zu überantworten, was muß erst das Vertrauen aus Gott, die an Ihm Här:gender: mit neuern Leben, mit neuer Energie und Reinheit des Denkens und Fühlens, des Lebens und Strebens ausstatten! NI iriEu pn» m ,Nin djjdi ctitj? neu .Nin dubi mry NI lnoa n w nti djjdi cniy „Israel! Vertraue auf Gott, ihr Beistand und Schutz ist Er. Haus Aharons! Vertraut aus Gott, ihr Beistand und Schutz ist Er. Ihr, die ihr Gott fürchtet! Vertraut auf Gott, ihr Beistand und Schutz ist Er." (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. Deutschland. Altona, im Adar. Vergangenen Dienstag fand bei der hiesigen .iiIn ein cn'O aus muö statt. Der Nestor deutscher Talrnudgelehrten »*j p 3pp' Tvno QD-nBon ynn, ein Schüler des am y'sr "BiD, war 48 Jahre '31 dieser in welcher an rav vor nmon n^sn ein Vortrag aus ff j n und tndh mud gehalten wird. Seit Jahresfrist ist dieses Amt den: Klausrabbiner Herrn E. D u ck e s übertragen, welcher diese Vorträge zur vollsten Zufriedenheit der Zuhörer fortsetzt. Vor 19 Jahren hat 'u p apy G das Werk -nxan mud zuletzt vorzutragen begonnen, welches nun verflossenen Dienstag Herr E. Duckes mit einem entsprechenden Schlußworte beendete. Hierauf ergriff Herr Oberrabbiner Dr. L e r n e r das Wort, um in meisterhafter Aus-

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