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Der Israelit · 1896-03-12 · Heft 21 (12.3.1896) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 21 (12.3.1896)
Date
1896-03-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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429 befänden sich 2 Juden. Nach zuverlässigen Mittheilungen befinden sich zur Zeit am Oberlandesgerichte Nürnberg 21 Beamte, darunter 7 Katholiken, 13 Protestanten, 1 Israelit, am Landgericht 11 Katholiken, 20 Protestanten, 1 Israelit (öie)er Staatsanwalt), am Amtsgericht 11 Katholiken, 16 Protestanten, 3 Israeliten (2 Amtsrichter, 1 Sekretär). O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Pest. In der letzten Konferenz der liberalen Reichstagsparrei, in welcher der Voranschlag des Kultusministeriums verhandelt wurde, ersuchte der Abgeordnete Moriz Messt y den Minister, daß die für israelitische Kirchenzmecke bestimmte Subvention in billiger Weise erhöht werde. Der Minister, der diese Frage in Erwägung zu ziehen versprach, erklärte einige Tage später im Abgeordnetenhause, daß das Kabinet demnächst eine Vorlage unterbreiten werde, welche die stufenweise Befriedigung der Dotations- und Seelsorgeansprüche zu bieten berufen sein wird. R u ß l a n d. Petersburg. In diesen Tagen ist der Ukas erschienen, der die Modalitäten für die Krönung des Zaren in Moscau, die demnächst bevorsteht, in ihren Einzelheiten festgestellt. In diesem Ukas sind auch die religiösen Körperschaften und ihre Vertreter genannt, die zu der großen Feierlichkeit eingeladen werden. Es sind dies in der Reihenfolge, in der sie im Ukase aufgezählt sind, erstens die griechisch-orthodore Kirche, die römisch-katholische Kirche, die armenischgregorianische Kirche, dann die Geistlichkeit der Lutheraner, die Muftis der Muhanredaner, die transkaukasischen Scheichs, die Llamas aus Ost-Sibirien, endlich noch der Chacham von Eupator:a, mit zwei Begleitern als Vertreter der Karaiten. Es sind also thatsächlich alle Religionen von einiger Bedeutung vertreten, so gar die kaum 3000 Seelen zählenden Karaiten sind eingeladen, nur die fünf Millionen russischen Juden sind von der großen Festlichkeit ausgeschlossen. Diese Thatsache ist bezeichnend genug für die Politik der russischen Behörden gegenüber den Juden und läßt für die Zukunft wenig Günstiges erwarten. Vereinsnachrichten. Düsseldorf. Der hier bestehende Verein zur Verbreitung und Förderung der Handwerte unter der Juden versendet seinen 15. Jahresbericht. Im Berichtsjahre beendeten im Ganzen >2 Lehrlinge ihre Lehrzeit. Neu ausgenommen wurden 23 Lehrlinge. Im Ganzen waren von dem Verein in diesem Jahre 103 Handwerkslehrlinge untergebracht, wovon 2b in dem hiesigen Lehrlingsheim und 18 in den: Heim in Köln sich befanden. Im Ganzen hatte die Abtheilung Köln 37 Lehrlinge in ihrer Obhut. Die Lehrzeit beendeten in diesem Jahre 4, und zwar 1 Schlosser, 1 Sattler, 1 Maler, 1 Tapezierer, die alle sofort Stellung fanden, bcz. bei ihren M istern als Gesellen blieben. Die Hoffnungen, von denen im vorigen Jahre die Gründung des Lehrlingsheiins seitens des Vorstandes begleitet wurde, habe sich verwirklicht. Die Knaben, die aus kleinen Landorten kamen, wo weder passende Meister und, noch die Gewähr einer entsprechenden Erziehung und eines Fortbildungsunterrichts gegeben ist, bedürfen einer unausgesetzten Kontrole betreff des Verhaltens im Hause, in der Werkstatt, im Unterricht, in den freien Stunden. In den Familien, in denen die Knaben früher gemeinsam untergebracht waren, ko ntc dieser Einfluß nicht genügend geübt werden, und erst mit der Einrichtung des nach den vo i unserm seligen Dr. Wedell vertretenen Grundsätzen geleiteten Lehrlingsheims ist ein Wandel zum Besseren geschaffen. Durch Geschenke und die rege Theilnahme der Gemeinde Köln an einen: Wohlthätigkeitskonzert hat sich der Fonds des Kölner Lehrlingsheims auf 12,181 Mark erhöht. Am Ende des Berichtsjahres ist ein eigener Fortbildungsunterricht im Heim eingerichtet worden, für dessen Insassen sowie für die Zöglinge, die bei ihren Eltern wohnen. Herr Oberlehrer Hermanns ertheilt den Unterricht. Außerdem besuchen die Zöglinge die gewerbliche Fachschule. Die Ausgabe» betrugen für die in Düsseldorf uittergebrachten Lehrlinge l-i,N87 Mark, für die Abtheilung in Köln 86.83 Mark, für die Abthcilung in Aachen 536 Mk. Vermischtes Berlin, 10. März. Die antisemitische Verhetzung hat schon ivicder einmal eine nette Frucht gezeitigt. Die „Eberswaldcr Zeitung" berichtet: „Ein ruchloses Bubenstück ist aus dem hiesigen jüdischen Friedhofe verübt worden. Zwei Grabdenkmäler sind umgeworsen und theilwcise zertrümmert worden. Es wäre sehr bedauerlich, wenn cs nicht gelingen sollte, den Thätcr zu ermitteln: die jüdische Gemeinde hat eine Belohnung von 100 Mark für die Entdeckung desselben ausgcsetzt." Frankfurt a M., 0. März. (Ein O p t i m i st.) In: Verein sür jüdische Geschichte und Literatur sprach dieser Tage Rabbiner Dr. Werner München über Weltschmerz und Judenthum. Jeder Gedanke, so führte der Redner aus. kommt auf drei Gebieten zur Ausgestaltung, auf den Gcbictcu der Religion, der Kunst und der Wissenschaft. So haben auch alle drei zu der Frage des Weltschmerzes, des Pessimismus, Stellung genommen. Der fröhliche Göttcrglanbe der Griechen erbleichte vor der Philosophie, der Frohsinn der nordischen Götter ging in Walhall unter, selbst das Ehristeuthum ist im Mittelalter und bis zur Neuzeit nicht dazu gekommen, den Pessimismus ganz zu besiegen Die eigentliche Religion des Weltschmerzes, ein Protest gegen das Judenthum, ist aber der Buddhismus, der die Seligkeit in der Verneinung des Lebens sucht. Demgegenüber hat in der Bibel der Schmerz eine Aufgabe, einen Lohn, und dadurch ist ihm der Stachel genommen. Im Talmud offenbart sich der stärkste Optimismus. Wie das Gute als Gottes Werk betrachtet wird, so auch das Böse. Wo am meisten geduldet wird, da wird auch am meisten gehofft. Der Vortragende verfolgte weiter den indisch-optimistischen Zug auch in der Kunst und in der Wissenschaft, meiner „Weisheit letzter Schluß" lautet: Glück und Freude sind relative Begriffe, die man nicht mit Roth und Elend abwägen kann. Der Trieb zum Leben liegt im Menschen, der Trieb ist Naturwahrheit, und Naturwahrheit ist Gottes Stimme. Das Leid muß sein: denn ohne Winter auch kein Frühling, ohne Nacht auch keine Lonne. Der Instinkt ruft uns zu: Der Optimismus hat Recht! Es ist eine Lust, zu leben! Budapest. Die 20 Mittelschulprofefforen, welche sich unter Führung der Professoren Ignaz Goldziher, Zsolt Beöthy

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