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Der Israelit · 1896-03-12 · Heft 21 (12.3.1896) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 21 (12.3.1896)
Date
1896-03-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXVII. Jahrgang. M 81. Der Israelit. Ein Aentrat-Hrgan für das orLHodore ZudentHum. Begründet d»n Dr. Lehman« in Mainz. Donner st ag, den 12. März 5656 (1896). Leitender Artikel. Rlibdi IWllK EllhMlUl Kpetltor Oberrabbiner zu Clowns. Mainz, den 10. März. Schon wieder müssen wir zu unserem tiefsten Schmerze von denr Ableben eines der Großen in Israel und zwar dieses Mal vielleicht des unumftritten Größten berichten. Obgleich der in der Ueber Ichrift Genannte bereits ein sehr hohes Alter erreicht hatte (nähere Daten darüber fehlen uns noch, da die russische Post wahrscheinlich infolge von Schneeverwehungen bis heute noch nicht hier eingetroffen ist) rrnd seine Schwäche in den jüngsten Jahren, wie auch aus seiner Handschrift bemerkbar war, immer mehr zunahm, so hoffte dennoch das gesammte Judenthum, daß dieses so kostbare Leben uns noch länger erhalten bleiben würde. Allein Gott hat cs anders beschlossen. Sein heiliger Wille sei gepriesen! Was Rabbi Jizchak Elchanan uns gewesen, das auch nur annähernd zu beschreiben, würde viel mehr Waum in Anspruch nehmen als uns hier jur Verfügung steht. Wir begnügen uns damit, zu saget!, daß der Entschlafene ebenso groß als Gelehrter wie als Wohlthäter seines Volkes gewesen, daß er ebenso sehr aus dem Gebiete der jüdischen Gesetzeserklärung wie in Vertretung seines Volkes nach Außen hin Hervorragendes geleistet bat. Mit Hochachtung sprach das nichtjüdische russische Volk von diesein Rabbi, mit Ebrfnrcht wurde sein Rame auf dem gesummten Erdeurnude, ivo nur Juden wohnen, genannt, aber nur mit einer gewissen Scheu wagte es der russische Jude, den Namen des heiligen Mannes auszusprechen. Ein großes Stück jüdischer Geschichte knüpft sich an den Nanren des Tiefbeklagten. In der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts waren es vorwiegend deutsche und österreichische Männer, welche als die größten Lehrer Israels die Welt mit ihrem Ruhme erfüllten, nur nennen nur Rabbi Akiba Eger, Oberrabbiner zu Posen, Rabbi Moses und Rabbi Wolf! Schreiber, Oberrabbiner zu Preßburg u. A. m.; in der zweiten Hälfte unseres Säculums war es Rußland Vorbehalten, den Gaon hervorzubringen, zu dem die gesammte jüdische Welt bewundernd emporblickte. Welches hohe Ansehen dieser Mann selbst außerhalb des weiten Zarenreiches überall genoß, mag daraus hervorgehen, daß man bei allen schwierigen Streitfällen, bei welchen man sich innerhalb des betreffenden Kreises nicht einigen konnte, sein Gutachten einforderte, und seiner Entscheidung unterwarf man sich stets willenlos. Eine überaus segensreiche Thätigkeit entwickelte der Dahingeschiedene als Mitglied jener Commission, welche Gras Pahlen zur Regelung der Gesetze über die russischen Juden einsetzte. Was er da im Stillen wirkte, das entzieht sich naturgemäß der öffentlichen Besprechung, aber daß er manches Berhängniß von unseren Glaubensgenossen in Rußland abwendete, kann mit Bestimmtheit mitgetheilt werden. Einen nicht weniger großen Eifer legte der Kownoer Raw überall da an den Tag, wo es galt, bei Unglücksfällen, von denen unsere russischen Brüder ja leider so häufig verfolgt werden, helfend und mit ganzer Energie einzugreifeu. Da war kein Dors- oder Stadtbrand, keine Verfolgung oder Ausweisung, bei welchen nicht der greise Rabbi seine Boten und Rundschreiben in alle jene Gegenden entsandte, von bcucn er glaubte, daß Hilfe zu erwarten wäre. Und stets hatten seine Sammlungen, er mag noch so oft an die Thüren gepocht haben, den größten Erfolg. Auch durch die Vermittlung des Begründers dieser Blätter, sowie durch unsere Vermittlung gingen ostntals ansehnliche Beträge, die wir dem edlen Herzen der Leser dieser Zeitung verdankten, an seine Adresse. Viele Hunderttansende von Rubeln mögen durch seine Hände gegangen sein, wie viel Jammer. Elena uns Hunger mag er damit gestillt haben! Das größte Werk seines Lebens war aber die von ihm gegründete Talmud-Hochschule (Jeschiba), bei welcher er es sich zur Ausgabe machte, nur solche Rabbinen zu erziehen, die den ganzen hohen Ernst ihres namentlich in Rußland so schwierigen Beiufes voll aus ihre Schultern zu nehmen bereit waren. Wie gewissenhaft er es mit dieser

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