Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 20 (9.3.1896)
- Date
- 1896-03-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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418 seiner Kundschaft Schopping *) kämen. Wenn ich recht berichtet bin, circulirt unter den hiesigen jüdischen Damen ein Schriftstück, in dem sich die Unterzeichnerinnen verpflichten, sich vom liao-Schopping zurückzuhallen und, falls dies durchgeführt wird, würde dies einen großen Schritt vorwärts auf der Bahn des Sabbat-Haltens bedeuten. — An Reden zum Preise des Sabbats hat es im Laufe des Abends nicht gemangelt; die Palme gebührt dem Rev. Dr. Lewis aus Plainsield, N. I., der. ein Geistlicher einer christlichen, nap haltenden Gemeinde, in feurigen begeisterten und begeisternden Worten die Anwesenden, bei den: Andenken aller den Juden heiligen Personen und Geschehniffe, beschwor, den bereits in Mara Gottgebotenen Sabbat nicht fallen zu lasien. (In Parenthese sei mir die Bemerkung gestattet, daß mir der Standpunkt dieser Secte nicht klar ist. Betrachten sie sich als Juden, dann müßten sie alle anderen Ge- und Verbote der Thora ebenso gewissenhaft halten, wie den Sabbat, thun sie das nicht, so haben sie auch keine Verpflichtung dem nar gegenüber, — d irr di ^a «vi rv« 'a). Von den nachfolgenden Reden sei die des Herrn Dr. Drachman hervorgehoben, der einige praktische Andeutungen gab, wie bei den verschiedenen Handwerken und Beschäftigungen der raw mit Leichtigkeit beobachtet werden könnte, resp. wie dies nur ein sehr geringes Opfer involviren würde. So hätten die Rechtsanwälte nicht nöthig nar hbno zu sein, da am nar kein Termin festgesetzt wird, jüdische Fabriken, die nar halten, dürften am Sonntag arbeiten, Engros- Geschäfte schließen auch jetzt bereits Samstag Mittag und da die Chefs gewöhnlich erst gegen 10 Uhr hinkommen, wäre es für diese nur ein Opfer von 2 Stunden; in Detailgcschäften concentril te sich das Hauptgeschäft auch meist am Samstag Abend .w. — Es ist nur Schade, daß diejenigen, für die diese und die anderen Reden gehalten wurden, nicht anwesend waren, und anzunehmen, daß die Zuhörer die gesammelten Eindrücke so in sich ausgenommen, um ihnen bei ihren Freunden und Bekannten Ausdruck zu geben, wäre ein Bischen gewagt, wenn man bedenkt, daß die Majorität der Vereinsmitglieder außer der Mühe des Einschreibens in die Mitgliederliste, sich dann kaum noch erinnert, daß sie dem Verein angehören, daß sie sogar vergessen, daß jeder Verein aus die Pekuniäre Unterstützung seiner Mitglieder angewiesen ist. Und dies ist eine Krankheit, an der die I. S. O. A. am Bedenklichsten leidet. Ob es den verschiedenen Ansprachen gelungen sein wird, den Zuhörern wenigstens diese erste Pflicht gehörig an's Herz zu legen, muß die Zukunft lehren. Vom verflossenen Vereinsjahre konnten aus diesem Grunde auch wenig praktische Resultate berichtet werden; nur *) Maaren ansehen. das Comitä für Presse und Publikation hatte die Genugthuung, auf eine Serie von Artikeln über den nar in der hiesigen englisch-jüdischen Wochenliteratur Hinweisen zu können, die durch dessen Einfluß erschienen sind. Nun, der Reden sind genug gewechselt, hoffentlich sehen wir auch bald Thaten. lieber andere jüdische Angelegenheiten zu berichten, behalte ich mir für nächstes Mal vor. H. H. M a r o c c o. Bs. Maroceo. Nach Nachrichten aus Tanger ist die verhältnißmäßige Ruhe, deren sich die Juden dieses Reiches in der letzten Zeit erfreuten, in den letzten Wochen arg gestört worden. Allerlei rohe Ausschreitungen sind wieder gegen die Juden im Zuge und besonders die Jaden in Aznnour haben schwer darunter zu leiden, dieselben, gegen die erst vor wenigen Jahren die schlimmsten Grausamkeiten ausgeübt worden sind. Die Mauren sind in das Judenquartier von Azimour eingedrungen und haben dort auf das ärgste gehaust. Sie schlugen und verwundeten die Männer, begingen die ärgsten Frevelthaten gegen Frauen und Kinder und verließen das Quartier erst, als es nichts mehr zu rauben gab. Ern lljähriges Mädchen haben sie mitgeschleppt und auch die Intervention der Mächte, die die unglücklichen Juden von Azimour durch Vermittlung des Rabbinats in Tanger angerusen haben, wird kaum im Stande sein, das unglückliche Mädchen zu retten. Transvaal. Johannesburg, im Febr. Hochgeehrter Herr! Es nurd Ihnen gewiß nicht unbekannt sein, daß der hiesige Krieg sein Ende noch nicht erreicht hat, da man fürchtet, daß die Engländer im Geheimen Maßregeln treffen, weil sie von den Buren geschlagen worden sind. Es ist nicht mein Zweck politische Betrachtungen anzustellen, doch will ich es nicht unterlassen, von einigen Thaten zu berichten, da doch die Juden immer für feige gehalten werden. Ich fühle mich deßhalb verpflichtet, als Jehudi Folgendes mitzutheilen: Das Gouvernement nimmt nur solche Beamte in seinen Dienst, welche der resormirten Kirche angehören, doch machen einzelne eine Ausnahme. Es sind hier unter mehreren zwei Jehudim, welche sich besonders verdient gemacht naben, Herr M. I ü d e l l, Adjutant und Otto E l k a n, beide Hamburger Juden, letzterer „Craim Inspektor" in Krügersdorf. Herr Jüdell begann seine Laufbahn als gewöhnlicher Polizeiagent, er nimmt jetzt einen großen Vertrauensposten ein, und zeichnet sich besonders durch eifriges Auftreten bezüglich Anwerbung von Freiwilligen aus. woran sich viele Glaubensgenossen angeschloss'N haben. Herr Elkan war Volontär und focht gegen Jamesons Truppen. Diese waren die