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Der Israelit · 1896-03-09 · Heft 20 (9.3.1896) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 20 (9.3.1896)
Date
1896-03-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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, - ,w j.'-k» H 414 Auf Beschwerde der jüdischen Eltern ist die Ortsbehörde eingeschritten und hat das junge Mädchen einstweilen in Gewahrsam genommen, um festzustellen, ob dasselbe dem Entführer freiwillig gefolgt ist; leider hat sich an diese Affaire eine lebhafte Agitation zwischen Juden und Mohamedanern geknüpft, die zu Streitigkeiten geführt und das Einschreiten des Gouverneurs von Gabes, General Alegro nöthig gemacht hat. ___ _ Vermischtes. < Petersburg (Titel- und Ordensverleihung) Die jüdischen Aerzte Dr. Posniak, Mankowski, Wigodski, Abramson haben den Titel „Kollegien-Affeffor" erhaltene DerArzr M. Jsraelowitschhatden Stanistausorden II. Klaff, erhalten. Ein förmlicher Ordensregen hat sich auf Rabbiner und Lehrer in Rußland ergoffen. Die Rabbiner Schocher in Jekatarinvslaw, A. Fridmann in Lochwitz, TawrowSki in Novomaskowsk sind zu Ehrenbürgern ernannt worden Die goldene Anna-Medaille, am Bande zu tragen, hat Rabbiner Halpern in Kertsch erhalten, die Stanislaus-M'daille Rabbiner Bernstein in Zitomir, Rabb ner Goldfarb in Kanotoff, Rabbiner Margolis in Dupno, Rabbiner Garschak in Riesyn, Lehrer Lewin in Tomsk, die silKrne Anna-Medaille Rabb. Seligmann in Suwalki London Um den 5000 jüdischen Kindern, die die hiesigen Grafschaftsschulen besuchen, Religionsunterricht ertheilen zu lassen, hat der Board for Jewish ßeligious Educatiou eine große Anzahl von Klassen eingerichtet, an der ca. 100 Lehrer unterrichten. Die dazu nörhigen Mittel werden von einer Subvention der United Lvnagogues und privaten Beiträgen gedeckt. Da aber die letzteren nicht ausreichen, vielmehr noch ein Defizit von 28000 Mark bleibt, so hat der Board einen Aufruf um Beiträge erlassen, aber die Sanunlung hat nur ein Fiasko ergebeil. Denn es flössen im Ganzen nur 18 Beiträge mit insgesammt (5000 Mart ein. Dies klägliche Resultat erregt doch allgemeine Aufmerksamkeit. Peoria (Jll.), im Febr. Die Synagoge der hiesigen jüdischen Gemeinde Anshai Emeth rvurde durch Feuer total zerstört. Trotz angestrengter Nettungsarbeiten gelang es nicht, das Feuer zu lokalisiren und der Schaden beträgt 15,000 Doll., wovon blos 8000 Doll, durch Versicherung gedeckt sind. Der Brand brach während Abhaltung der Sabbatschule aus, jedoch wurde kein Leben gefährdet. Während die Synagoge noch brannte, trafen bei dem Präsidenten der Gemeinde von vier protestantischen Gemeinden Abgesandte ein, die ihre Kirche temporär zur Verfügung der jüdischen Andächtigen stellen wollten. Schon seit längerer Zeit wird beabsichtigt, einen neuen Tempel Anshai Emeth zu errichten. Das Unglück wird nun wohl die Ausführung des Projectes beschleunigen. Feuilleton. Der Letzte seines Stammes Erzählung von Alphonsr de In Haye. 19) (Alle Rechte Vorbehalten.) Elchonon griff mit beiden Händen nach seinem Kopfe. Wie ein Feuerstrom rollten die Erlebnisse des verflossenen Tages durch sein Denken. Haben sich heute Himmel und Erde wieder ihn und beit Frieden seiner Seele verschworen? Mußte er zuerst mit Dr. Longini Zusammentreffen, der ihnr fast den Glauben an seine treue Susanna raubte, indem er ihm das, was seine Susanna ihm für die Altsgeburt wahnsinniger Träume erklärte, als unumstößliche Wahrbeit darstellte; um gleich daraus weitere Klänge seiner Kindheit zlt vernehmen, die in seiner Seele fort und fort tönten und zuweilen im rauschenden Aeeorde ballten? Wohl glaubte er sich dunkel der Gestalt des noblen Fräuleins, die er Tante Comtesse nannte, zu erinnern; doch welches Interesse konnte die Aristokratin noch jetzt an bcm jüdischen Studenten haben? Er hielt sie, als er heramvuchs und ihre Gestalt zuweilen in seinem Denken austauchte, für eine oberflächliche Bekannte seiner verstorbenen Mutter. Wie erklärte sich nun ihre plötzliche Sehnsucht nach ihm? Freilich erinnert er sich, daß sie für ihn eine besondere Zuneigung an den Tag legte, wenigstens hob sich in diesem Sinne ihre Gestalt aus dem Chaos seiner Vorstellungen. Doch könnte diese die fieberhafte Ungeduld, die sich in ihrem Briefe kundgiebt, erklären? Hut* welche sollen die Pforten sein, die man ihm eröffnen wolle, die zu Reichthum und Ehre führen? Seine geistige Kraft drohte zu erlahmen. Einen Augenblick flog es ihm durch den Sinn: ob nicht alles, was ihn umgiebt, lauter Einbildung und Wahnwitz sei; ob er überhaupt im Besitze seiner geistigen Kräfte sich befinde. Verzweislungsvoll mußte er den Kops schütteln; er fand die Scheidewand nicht mehr zwischen Wahrheit und Einbildung, Traum und Wirklichkeit. Wohlan denn, den Beweis, das; er nicht das Opfer eines verhängnißvollen Traumes geworden sei, muß er sich um jeden Preis verschaffen. Er zog seine llbr, sie zeigte die neunte Stunde der Rächt. „Es ist schon zn spät, um noch Besuche machen zu können," murmelte er, „doch was thut's?" Sie hat mich zu sich beschieden, wünscht mein Erscheinen heute noch, selbst in der vorgerückten Stunde der Rächt . . . . sie wird die jüdischen Gebräuche kennen." Er glättete sein Haar, setzte seinen Hut ans und begab sich eiligst in die Villa cko Hpoinnoo. Ein Diener eilte ihm entgegen und frug nach seinem Begehren. Elchonon nannte seinen Flamen und bat, ihn der Comtesse, die ibn bierber beschieden habe, zu melden. Der Diener lud ihn ein, ibm in den Bibtivtheksaal zu folgen. „Bitte nehmen Sie Platz, mein Herr . . . Ich will dem gnädigen Fräulein Ihre Anwesenheit melden." Der Diener entfernte sich und er blieb alleine in dem weiten Raume zurück. Mit eigentümlichem Gefühle hielt Elchonon Umschau in dem Saal, längs dessen Wände Bücherschränke mit herrlichen, alterthümlichen Schnitzwerken ausgestellt waren. Ein besonderes Interesse erregten bei ihm die prächtigen Oelgemälde, mit welchen die

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