Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 20 (9.3.1896)
- Date
- 1896-03-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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WWMWW WWWWWMMMW,?:- i-as*?! 415 Wände bekleidet waren und welchen die spärliche Beleuchtung des Saal's einen gespenfterhaften Anblick verlieh. Es waren Portraits von den ältesten Rittern in voller Rüstung, deren Frauen und Ritterfräulein in ihrer Zeit entsprechenden Tracht, bis zur vollendeten Eleganz vornehmer Herren und Damen der Renzert. Seine besondere Aufmerksamkeit erregte ein Bild, das einen Jüngling im schlichtem Gewand eines Gelehrten darstellte. Die hohe Stirne schien gefurcht von Denken und Forschen, unter bcn buschigen Wimpern blickten zwei kluge, in edler Begeisterung leuchtende Augen, die, wie es schien, jetzt in besonderer Güte und Milde aus ihn gerichtet waren. Doch war es ein Gaukelspiel seiner Sinne, oder war die schlechte Beleuchtrnrg des Raumes schuld an der Veränderung in den Gesichtszügen des Bildest Die Augen, die ihn noch vor wenigen Secunden durch ihre Sanstmuth bezauberten, blickten jetzt voller Wehmuth aus ihn herab und in den Zügen des Jünglings prägte es sich wie Angst und Verzweiflung aits. Er trat näher, um das Bild in nächster Rahe ju betrachten. Da legte sich eine Hand aus seine Schulter und eine melodische Stimme flüsterte hart an sein Ohr: „Der arme Graf Edmond!" Hastig wandte er sich nur, vor ihm stand eine junge Dame von vornehmer, berückender Schönheit und betrachtete sein Gesicht mit hohem Interesse. „Sie gleichen ihm Zug für Zug . . . Sie sind seines Blutes . . . Das läßt sich nicht bezweifeln .doch verzeihen Sie meine Störung, Herr Pelonse! Sie waren im Anblick des Bildes so versunken, daß Sie mein Kommen ganz überhört haben . . . . Finden Sie Glicht, daß Sie ihm gleichen? Daß es sich nicht leugnen läßt, weß Stammes Sie sind?" Mit wem habe ich das Vergnügen," stanunelte Elchonon voller Bestürzung. „Von wem reden Sie? Wem soll ich gleichen und wessen Stammes soll ich sein? .... Ich wurde hierher von der Comtesse de la Pelonse in einem allerdings sehr räthselhasten Schreiben beschieden und erwartete eine ....!" „Eine alte Dame zu sehen," unterbrach ihn die junge Dame mit silberhellem Auflachen. „Run Tante Delphine wird ebenfalls bald erscheinen. Vorläufig müssen Sie sich fd^ou mit der Gesellschaft der Baronesse l'Endome zufrieden geben." „Sie verzeihen, gnädiges Fräulein," stammelte Elchonon beklommenen Herzens, „aber von dem Morgen des verflossenen Tages bis zu dieser Stunde bewegte sich mein sonst bescheidenes Dasein unter einer solchen Menge von Räthseln, daß meinem Denken aus lauter Verwirrung und Verknotung jegliche klare Einsicht vollständig abgeht. Ich glaube ein Spielball von heimlichen Blendwerken geworden zu sein! Sie verzeihen daher, wenn ich Sie höflich bitte, deutlicher zu sein. Wem soll ich ähnlich sein? Was meinen Sie mit dem Ausrufe, daß ich seines Blutes sei? Wessett Stammes soll ich sein?" „Ganz Recht," versetzte Fräulein l'Endome mit tiefem Ernst. „Ich vergaß, daß Sie gar keine Kenntnisse von Ihrer Abstanunung und der Geschichte Ihrer Familie haben, daß Ihnen daher die plötzlich austretende Wendung in Ihrem Geschicke räthselhast und unfaßbar erscheinen muß .... Sie sind eben schon als zartes Kind dem Kreise entrückt, dein sie von Rechtswegen durch Bande des Blutes angehören. . . . also in kurzen Worten: Das Bild, welches Ihr Interesse so sehr erregt hatte, stellt das Portrait des Grasen Edmond de la Pelouse dar, der Ihr Urahn war und dem Sie fast aus dem Gesichte geschnitten sind." Eilt prüfender Blick glitt ans Elchonons Augen über die Gestalt der Baronesse, als wolle er sich vergewissern, daß er keine Wahnwitzige vor sich habe. Ein bezweifelndes, unglätrbiges lächeln umkräuselten seine Lippen als er versetzte: „Sie sind im Jrrthum, gnädiges Fräulein. Mein Stamm ist wohl sehr alt, wohl der älteste aus dieser Erde; denn ich bin Jude. Diese eine Erklärung genügt indes;, den Unsinn zu beweisen, daß meine Abstammung nicht von einer alten christlicharistokratischen Familie hergeleitet werden könne. Meine Eltern waren Juden und ich bin als Jude erzogen worden ltnb als solcher herangewachsen." „Und Ihre jüdische Abstammung und Glauben soll mir Beweis sein, daß ich mich irre? Mit Nichten, Herr Pelonse; auch Ihr Großahn war Jude, wenn auch nicht als solcher geboren. Er hat einem klangvollen Ramen, Reichthum, Ehren ltnb Rechten entsagt, nur Mitglied jenes Volkes zu werden, aus dessen Abstanunung Sie sehr stolz zu sein scheinen. Sie beenden sich im Hause Ihrer Väter!" „Dein Einzug in das Haus Deiner Ahnen soll Dir und Deiner Familie Segen bringen, mein theuerer Gaston. Heil dem Letzten Sproß meines Stammes!" Hochaufgerichtet stand die Comtesse an einen Pfeiler des Saales gelehnt und hielt in fast theatralischer Verzückung die Augen gegen den Himmel gerichtet. Aus den Träumen und verlockenden Zukunftsbildern erwacht, erinnerte sie sich ihres noch erwarteten Gastes; mit unhörbarem Schritte betrat sie den Bibliotheksaal und vernahm die letzten Worte der Baronesse. „Heil mir", fuhr sie fort, „daß ich diese Stunde meiner heißesten Sehnsucht erleben durfte, den Letzten meines Stammes im Hause meiner Väter willkommen zu heißen! Doch, warum sprichst Du nicht, lieber Gaston? Hast Du kein Wort des Grußes für