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Der Israelit · 1896-03-09 · Heft 20 (9.3.1896) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 20 (9.3.1896)
Date
1896-03-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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WWWWWWWWW 413 fünften Avenue zwischen der 43. und 44. Straße gelegenen Temp l „genannt Tempels vvz? oder Emanu- El". Dieser Tempel hat über 500 Mitglieder, darunter sind Vertreter der hohen, jüdischen Geldaristokratie, sowie auch bedeutende Geschäftsleute und Fabrikanten, die auch in politischen Kreisen eine Rolle spielen, und viele andere prominente Juden. Dieses Gotteshaus — gelegen in einen: der fashionablesten Theile der Stadt — gilt für das reichste, nicht allein in^Amerika, sondern in der ganzen Welt, soll ja doch die Aufrechterhaltung desselben wöchentlich über 1000 Dollar kosten. Der Chief-Rabbi dieser Congregation ist Dr. Gottheit, ein Glogauer, (Schlesien) — dessen Bruder bekanntlich vor einiaen Jahren in Stuttgart als Judenmissionär starb — und als „Assistent-Rabbi" fungirt Dr. Silbermann, ein Zögling des unter der Leitung des Herrn Dr. W i s e in Cincinatti stehenden Union-Hebrew-College. Ein neu in diesen: Lande angekommener Glaubensgenosse würde beim ersten Besuche dieses Tempels kaum glauben, in einen: jüfchen Gotteshause sich zulbefinden; denn mit Ausnahme des Schema-Israel, sowie auch des Laienens und einiger kurzen Gebete, findet er da die hebräisäe Sprache — Loschaun Hakaudesch — aus den: Gotteshause ganz verbannt und nur die Landessprache wird benützt — ja das KaddischgebettZür die Trauernden, das auch die Frauen sagen — wird in englischer Sprache recitirt, und all dies unbedeckten Hauptes. So all dies sehend, würde ein „Greenhorn" — Bezeichnung für einen erst kurz Gelandeten — glauben, er befinde sich in einer Kirche oder in einem feinen Theater. Gerade bei diesen: „Tempel", der eine Anziehungskraft für alle Neuangekommenen bildet, wollen mir noch ein wenig langer verweilen; denn man findet hier die Sucht nach den: Sensationellen und den amerikanischen Humbug stark vertreten. Die Terte, die sich Gottheil und Silverinann für ihre Predigten Samstags und Sonntags wählen — es wird hier in den Wintermonaten von 'November bis Mai Sonntag morgens um IOV2 Uhr Gottesdienst abgehalten — sind weder aus der Bibel, noch aus -. enr Talmud oder aus einem Midrasch.■ entlehnt. Ich übertreibe nicht, wenn ich behaupte, daß ein Junge von 15 oder 16 Jahren der die Präparandenschule zu Burgpreppach oder Höchberg absolvirt, mehr jüdisches Wissen hat und weit n:ehr Kenntnisse von Talmud und Mischna besitzt, als der Assistent-Rabbi vom Teinpel Emanu-El, der vielleicht nicht einmal fähig ist, Raschi zu lesen — von Uebersetzen gar keine Rede. Daher hört man in diesen: Tempel von allem Möglichen predigen, nur nicht vom Worte Gottes. Themata, wie die „Monro-Doctrine", „Trilbp" oder über „Heinrich Heine", oder ,.11orv emi .Tew und (lentile unite1-, oder „Moses und der Stifter der christlichen Religion" sind dort an der Tagesordnung. Daß besonders Herr Dr. Silvermann von der jüdischen Presse stark angegriffen wird, bedarf keiner weiteren Erwähnung und hier ist es der in englischer Sprache erscheinende und von Herrn Dr. Salomon redigirte „Hebrew Standard", welcher dieselbe Richtung wie der „Israelit" vertritt, indem er jede Woche die „Herren Radicalen" gehörig „abkanzelt". Viele Mitglieder der Gemeinde lieben möglicherweise derartige „Vorträge" auch nicht auf der Kanzel, andere schweigen ganz, besuchen ja viele nur zweimal im Jahre das Gotteshaus, am ersten Rosch-Haschono- Tage und am Jom-Kippur. Die zweiten Tage der Feste sind in allen Reform-Tempeln abgeschafft. Daß die Herren Prediger fürstliche Salaire beziehen, 8000 resp. 10,000 Dollar, ist selbstverständlich, dieser „Tempel" kann sich schon so etwas leisten. Cantor der Geineinde ist Herr Sparger, ein Ungar, der sich auch nicht scheut, am Sabbat öffentlich eine Cigarre zu rauchen. Präsident dieser Gemeinde ist Herr Map, schon ein Greis, von Worms (Rheinhessen) stammend. Der zweite Reform-Tempel ist der Tenrpel Beth-El. Derselbe liegt ebenfalls in der fünften Avenue, an dem Corner der 76. Straße vis-A-vis dem Central-Park. Auch hier herrscht die radikale Reform-Richtung, jedoch hat Herr Dr. Köhler, ein Fürther Jude, seine Ansichten über das Judenthun: in letzteren Jahren geändert und ist n:ehr in das Lager der gemäßigten Reform eingeschwenkt. Herr Dr. Köhler gilt als der beste Kanzelredner in Rew-Pork in der deutschen Sprache und ist ein Mann von hoher Wissenschaft und Bildung, der auch die jüdische Literatur, den Talmud vollkoinmen beherrscht. Wer ihn nicht kennt und nur seine Predigten hört, könnte glauben, daß sie alle von echt jüdischen: Geiste getragen seien. Dieser Herr sagte von sich selber an: Mittwoch Abend, den 22. Januar, bei einen: Bankett, das der Orden des BRei-Brith zur Ehren des Herrn Dr. Hirsch von Chicago gab. Folgendes: Auch ich hatte meine Tage des I'Itrn-ttndi, nlimnu^, des ungestümmen und heftigen Fortschrittes, jedoch, als ich die Gefahr wie einen drohenden Sturm bemerkte, strich ich die Segel und ich lenkte ein (in gemäßigtere Bahnen.) Der Tempel Beth-El gilt als das prächtigste, jüdische Gotteshaus der Welt — ein Meisterwerk der Baukunst — und kostet über 800,000 Dollar über 3,200,000 Mark. Als dritte, aber weniger bedeutende Ultra-Resorm-Congregation führen wir die des Herrn Dr. Radin an, welche aber vorläufig noch in einer Halle ihre Andacht verrichtet. Algier. Tunis. Au: 24. Januar hat ein Eingeborner, Ohmed Ben Flah, eine junge Jüvin im Alter von 14 Jahren, Namens Mezianv entführt und sie veranlaßt den mohamedanischen Glauben anzunehmen.

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