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Der Israelit · 1896-03-09 · Heft 20 (9.3.1896) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 20 (9.3.1896)
Date
1896-03-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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MWM^MW^M^^MM^'^HMffW«MWWWM»MWWW^M?WWWWWWWVWU^^WWWWWDWWWF^WWW^^WWM 412 dann noch mit seinen Plänen hervorzutreten, wenn dieselben vorher die Billigung des Vorstandes gefunden haben. Damit ist nun wohl dem eifrigen Streben des Dr. Singer das wohlverdiente Ziel gesetzt, denn der Vorstand wird wenig Luft verspüren, den Uebereifer des Rabbiners zu decken und der Letztere wird es wohl schwerlich auf einen Conflict mit dem Vorstände ankommen lassen wollen. München, 4. März Im bayerischen Landtag hat der Abgeordnete Dr. Ratzinger, der dort die Stelle des katholischen Antisemiten ausfüllt, eine Interpellation in Sachen der Würzburger Studentenverbindung, deren Mitglieder hauptsächlich Juden sind, eingebracht. Der Minister versprach, die Angelegenheit zu untersuchen und darüber zu berichten. Es handelt sich um den thörichten, bereits auch in diesen Blättern ausführlich behandelten Studentenstreich seitens einer Verbindung, die wohl meist aus Juden besteht, die aber darum doch keineswegs eine jüdische genannt werden darf. Dresden, 6. März. Der bekannte antisemitische Agitator, Buchhändler und Buchduckereibesitzer Glöß hier wurde vom Schöffengericht wegen Beleidigung des Kaufmanns Baruch Heller zu drei Monat Gefängniß, der Nedacteur Welcker von der „Deutschen Wacht" zu 200 M. Geldstrafe verurtheilt. Oe ft er r.- Ungar. Monarchie. Wien, 5. März. Bei den heutigen Wiener Gemeinderathswahlen aus dem ersten Wahlkörper haben die Liberalen vier Mandate verloren, ititb zwar in Margarethen und Fünfhaus je eines und in Währing zwei Mandate. Es wurden 18 Antisemiten und 28 Liberale gewählt. Im Ganzen haben die Antisemiteil 96 (um 4 mehr als im September), die Liberalen 42 Mandate. Sämmtliche Borortsbezirke, ausgenommen Döbling, wählten antisemitisch. Abgegeben wurden 270<> liberale und 1628 antisemitische Stimmen. Rumänien. Bukarest, 28. Febr. Zu den vielen Schwierigkeiten, mit denen das Ministeriunl D. Sturdzas dem Fraktions- und Grnppenwesen innerhalb der Parlamentsmajorität gegenüber zu kämpfen hat, ist eine neue hinzugekommen: der Widerstand vieler als regierungsfreundlich geltender Abgeordneter gegen das vom Unterrichtsminister Poni ausgearbeitete Volksschulgesetz. Dieser Widerstand richtet sich weniger gegen den allerdings auch sonst bemängelten Plan der Errichtung eines vom Staate zu dotirenden Schul- Bankinstituts behufs Beschaffung der für den Bau von Gemeindeschuleu benöthigten Kredite, als vielmehr gegen die im Projekte Ponis vorgesehene Beibehaltung der Schulgelder für die Kinder von Ausländern uift nichtnaturalisirten Einheimischen. Unter der früheren Regierung hatte Domänenminister P. Carp anläßlich der Berathung des Gewerbeschulgesetzes und Unterrichtsminister Jonesen in seinem Volksschulprojekte den Grundsatz der allgemeinen Unentgeltlichkeit des Unterrichts durchzusetzen versucht, leider vergeblich, auch die Regierung mußte sich damit begnügen, die Unentgeltlichkeit des Unterrichts bloß für die Kinder rumänischer Staatsangehöriger ausgesprochen zu sehen. Indem nun die jetzige sogenannte liberale Negierung die von ihren konservativen Amtsvorgängern angestrebte allgemeine Unentgeltlichkeit des Volksschulunterrichts unter keinen Umständen zugestehen will, ist sie in Gegensatz zu zahlreichen Abgeordneten gekommen, die den unentgeltlichen Unterricht auch für die Kinder nichtrumänischer Staatsbürger haben wollen. Die von der Regierung Sturdzas unbedingt aufrecht erhaltene Beschränkung des kostenfreien Bolksschnlunterrichts ans Kinder rumänischer Staatsbürger richtet sich, wenn nicht ausschließlich, so doch in erster Linie gegen die Kinder der nichtnaturalisirten rumänischen Israeliten. England. London. Am Sonntag den 16. Februar wurde die 1. Kompagnie der kürzlich gegründeten jüdischen Knabentruppe von Oberst Golosmid gemustert, dem bei dieser Gelegenheit der Major Lewis Barned und Lieutenant Sebag-Montesiore assistirten, außerdem war das Eomitee des Clubs der Makkabäer, welcher diese Knabentrnppe geschaffen hat, mit anwesend, sowie eine Menge von Zuschauern. Die jungen Rekruten marschirteu wie erwachsene tüchtige Soldaten und machten auch die andere Hebungen in vorzüglicher Haltung, so daß sie sich das Lob der anwesenden Offiziere im vollen Maße erwarben. Unverkennbar ist der günstige Einfluß, den diese militärischen Hebungen aus die ganze Haltung der Knaben ansüben. A m e r i k a. Nelv-Nork, 14. Febr. Nachdem ich in ineinen beiden Artikeln die Lage des orthodoxen Judenthums hier in kurzen Umrissen auseinandergesetzt habe, will mich heute zu der zweiten Partei, die hier herrscht und die — man kann und darf cs nicht leugnen — eine nicht unbedeutende Rolle einnimmt, wenden, — zu der Reform-Partei. Hier in Amerika, speziell in New-Pork, findet man diese Partei von der sehr gemäßigten Richtung an — diese nennt sich hier noch conservativ, da sie noch das alte Rödelheimer Gebetbuch bei ihren Andachten benutzt, ja noch die ganze Sidra oder 8 Parschios „ableient", nur daß Männer und Frauen bei einander sitzen und eine Orgel mit Chor benützen welche zur Verherrlichung (?) des Gottesdienstes beitragen soll — bis zur äußersten radicalen in sehr verschiedenen Formen und Phasen vertreten. Die letztere Richtung — die radicale Reform — finden wir hauptsächlich vertreten in dem an der

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