Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 20 (9.3.1896)
- Date
- 1896-03-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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410 Erklärung entnehmen, deren es viele Hunderte auf die Peßach-Hagada gibt. Da liegt uns der Hagada- Commentar ontrv nryo von Rabbi Elieser Aschkenasi vor. Derselbe ist über dreihundert Jahre alt, ist in hebräischer Sprache geschrieben und einem groben 4 Theile umfastenden Werke 'n ntrya einverleibt. Es ist also keineswegs für nichtjüdische Leser berechnet, und lautet in wörtlicher Uebersetzung folgendermaßen: „Man hat es auffallend gefunden, welche Beziehung diese Sätze: Schütte deinen Grimm aus u. s. w. mitten in den Psalmen (114 st.) haben, welche die Erlösung aus Egypten feiern. Der Zusammenhang scheint jedoch folgender zu sein: „Nachdem der Verfasser der Hagada den Auszug aus Mizrajim erzählt hat, wie die Niederlassung in Egypten und der Auszug von dort den unverkennbaren Zweck hatte, das Walten Gottes kund zu thun, und alle Wunder und Zeichen aufgezählt sind, die Gott vollzogen, wollen diese Sätze aus Psalm 79 sagen: Wenn nach all dieser offenkundigen Manifestirung durch solche Wunder-Zeichen, es dennoch nichtjüdrsche Völker und Königreiche geben sollte, welche diese Gottesoffenbarung nicht ergriffen hat, so daß der ganze Lebenszweck eines Abraham: das Bewußtsein von Gott der gesammten Menschheit zu bringen nicht einmal durch den Auszug aus Egypten endlich erreicht morden wäre, indem es immer noch dem Fluche verfallene, nichtjüdische Kreise gäbe, die den Namen Gottes nicht kennen, diese müßten durch den Grimm Gottes belehrt werden, der sich dann über sie ergösse." „Wenn nun Einzelne von den Nichtjuden unter deren Schutz wir im Erile leben, geglaubt haben, daß nur sie mit diesen Worten lästern, so steht dem unsere klar ausgesprochene Pflicht entgegen, die uns vorschreibt, für ihr Wohl zu beten. Wie könnten wir nun zwei sich so widersprechende Gebete, au Gott, gepriesen sei sein Name, richten?! Da sei Gott vor, daß wir selbst im geheimen Schlafgcmache den König lästern sollten, unter dessen Schutz wir leben! Das bezeugen ja gerade diese Sätze, mit welchen wir sagen, daß Gott seinen Grimm ausschütteu nröge, über die Völker, die ihn nicht kennen, die z. B. die Thatsache des Auszugs aus Egypten mit allen daran sich knüpfenden Zeichen und Wundern in Abrede stellen. Nun ist es doch durchaus ausgemacht", daß alle hier in Betracht kommenden Nichtjuden, unter welchen sich die Erulanten zerstreut finden, von dem Auszug aus Egypten wohl Kunde haben, davon überzeugt sind unb seine Bedeutung kennen. Sagen wir somit doch ausdrücklich, daß Gott über diejenigen, die seinen Namen wohl kennen, seinen Grimm nicht ergießen möge. Weil aber die Zerstörer des Tempelheiligthums diese Religion nicht hatten, die heute bei den Christen und Muhamedanern^vertreten"ist — denn sie existirten damals noch nicht — sie waren vielmehr Götzendiener, deßhalb folgt hier zur Klarstellung der Satz, daß jene Nichtjuden, die das Tempelheiligthum zerstörten, Gott aber nicht kannten, deshalb Jakob verzehrten und seine Tempelstätte verwüsteten. Aber unsere Christen und ebenso die Bekenner des Islams, kennen Gott und erkennen die Thatsache des Auszugs aus Egypten an. Es wäre daher eine Selbstentwürdigung, sie auf Grund unseres Gesetzes lästern zu wollen!" „Selbst wenn wir uns sonst Hinreißen lassen, diejenigen zu verwünschen, die uns Böses thun und widerrechtlich kränken, so geschieht dies, Gott behüte, Glicht mit Billigung unseres Religionsgesetzes. Es ist dies eben menschlich, daß Jemand denjenigen verwünscht, der ihm gehässig entgegentritt. Verwünscht doch Jemand den eigenen Sohn oder Bruder, wenn er feindlich gegen ihn handelt, oder ungerecht gegen ihn verfährt. So könnte eS schon auch bei uns vorkonuuen, daß wir in bestimmten, eiuzelneu Fällen eine Verwünschung altssprechen. Aber ferne sei es uns, eine Nation in ihrer Gesammtheit zu verwünschen, selbst wenn sich einzelne unter ihnen finden, die uns wehe thun! Das entspricht nicht dem Willen Gottes. Rief es doch schon der erste aller Gläubigen aus, daß das nicht dem Willen Gottes entsprechen kann, indem er sprach: Willst Dil ben Unschuldigen mit dem Schuldigen hinraffen?" So sprach der Meister aller Propheten: „Ein einziger Manu hat gefehlt, und über die ganze Gemeinde wolltest Du zürnen?" „Aus diesen Stellen geht aber hervor, daß wir auf Grund unseres Religionsgesetzes nicht berechtigt sind, eirce Verwünschung gegen solche Völker auszusprechen, die Gott anerkennen ilnd ben Auszug aus Egypten, weml sie auch sonst nicht die Thora angenommen haben. War uns doch selbst die Eroberung .Kanaans erst nach dem Allszug aus Egypten gestattet, wo Gottes Wollen so offen zu Tage trat und von jenen Völkern dennoch nicht anerkannt wurde. Deshalb folgen auf diese Sätze die Psalmworte: „Nicht uns, nicht uns, sondern deinem Namen gewähre die Ehre." Das will sagen: Gott niöge selbst über die Götzendiener seinen Zorn ilicht ausschütteu, weil sie Jakob verzehrt und seine Stätte verwüstet haben, sondern weil sie seinen N'amen nicht anerkennen." Wir haben dieses Moment in ben Vordergrund gestellt, weil diese Verdächtigung allch in unserer Zeit voll unseren Feinden ansgestrent wird. Eill Blick auf die feinen Tert-Nüancirungen der vorliegenden Sätze zeigt aber, wie selbst unter denjenigen Kreisen, gegen welche sich diese Worte in Wirklichkeit richten, der Antheit an ihrem flllchbeladenen Geschick ein verschiedeller ist. Es werden hier Völker und Königreiche rvD^öö genannt. An die Völker, welche das