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Der Israelit · 1896-03-05 · Heft 19 (5.3.1896) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 19 (5.3.1896)
Date
1896-03-05
Page
– (sequence 18)
Language
German
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894 führlichen Weise, wie es ihm möglich gewesen wäre, hat behandeln können, dankenswerthe Anregungen gegeben. — Wir erfahren von den ersten Drucken, der Aufnahme, welche die neue Erfindung in den jüdischen Kreisen gefunden, den Discussionen, die sich über die Verwendung des ^Druckes für cultuelle Zwecke entspannen, dem Einfluß, den er auf die Kapiteleintheilung der biblischen Schriften geübt, seinem Einfluß auf das Talmudstudium, dem verändernden Einfluß auf die Art und Weise des Gottesdienstes. Im Anschluß an diese Betrachtungen werden noch aufklärende Mittheilnngen über manches Wissenswerthe, z. B. über die nmo gegeben. Wir sehen, es ist viel reichhaltiges Material auf den kleinen Raum von 49 Seiten zusammengedrängt, und es ist lobend hervorzuheben, daß wir bei der Lektüre nicht das Gefühl skizzenhafter Mittheilungen empfinden; jeder Abschnitt bildet vielnrehr ein wohl abgerundetes Ganze, und die Untersuchung schreitet lückenlos weiter. — Eine Bemerkung möge hier noch Platz finden. S. 7 bemerkt der Vers., man habe bei Einführung des Drucks Vorschriften über die Thoraschreibung auch auf die Herstellung der Bibelvrucke übertragen, und führt die Sitte, daß man in den ältesten jüdischen Druckwerken die letzte nicht volle Seite in schräg abnehmenden Zeilen bis zum Schluffe führte, auf folgende Vorschrift zurück : „H ü man nämlich die Thora soweit zu Ende geschrieben, daß nur noch ein solcher Rest zu schreiben ist, der keine Columne ausfüllt, so sollte man diese in immer abnehmenden, verkürzten Zeilen, die in eine Spitze auslaufen, schreiben." Der Vers, weift hier aus Tract. Soferim, cd. Müller S. 20 der deutschen Abtheilung hin. Ich besitze Müllers Ausgabe des Tract. Soferim nicht, kenne also nicht die Gründe, die er für seine Erklärung einer anscheinend ähnlichen Stelle im Jad hachaskah, die aber von sämmtlichen Decfforen und Eommentatoren anders aufgefccht wird, geltend macht. Die Stelle bei Maim. Hil. Seser Thora VI l, 7 lautet: re-pn ^vipdi rain yo’E'fpn p ->mw dni '2'pd 'vw "iy paroi rD’tfn n« -nvd' r<di rpn rpO3v ppn na'1*' yso«3 dd. Diese Stelle ist so, wie sie hier gegeben ist, in den Schulchan Aruch, Joreh Deah §. 272,4 übergegangen mit der eingeschalteten, dem Tur entnommenen Erklärung, daß die noch wenigen Verse auf den übrigen Raum durch groß geschriebene Buchstaben zu verlheilen seien, daß die letzte Zeile die letzten drei Worte der Thora enthalte. Treffend weisen hier die Scholien des Gaon R. Elia auf Menachoth 30 a, Tosaphot Schlgw. ,k piDD hin. Nun gebe ich zu, daß dre Worte Maimonides auch eine andere Erklärung zulassen, und Müller sich hier von sämmtlichen Erklärern frei gemacht hat, das aber geht auch aus MaimonideS Worten hervor, daß der Schluß nicht in eine Spitze oder Abschrägung endet, denn wenn er sagt n b n n o VrnBi rtrrn, fo stellt er jedenfalls fest, daß die letzte Zeile die drei letzten Worte enthalten müsse, die am Anfang der Zeile zu beginnen und in der Mitte derselben zu enden hätten. Um die von Müller gegebene Erklärung, vorausgesetzt, daß er fte gegeben hat, allen anderen Erklärungen gegenüber für richtig zu halte«, müßte erst nachgewiesen werden, daß es m*n ,_ied gegeben hat, deren Schreiber in die Verlegenheit gekommen, angczogcne Bestimmung anwenden zu müsse«, wenn aber nickff, wo sollen die Drucker das Vorbild für die Eintheiluug ihres Satzes hergenommen haben? Ich glaube, daß die von Berliner aufgestellte Muthmaßnng vollständig hinfällig ist wenn wir bedenken, daß die Art des genannten Abschlusses in Druckwerken nicht nur in jüdischen, sondern in allen bis in das 17. Jahrhundert hinein üblich gewesen ist. — Zum Schluß sei noch auf eine kleine Schrift von Rabbiner Dr. Sinai Schiffer „Die Pirke Abo 1 h und ihre Verwerthung für den Religionsunterricht" (Franks. a. M. 1895) F. Kauffmaun) aufmerksam gemacht. Nichts eignet sich besser für den ethischen Theil des Religionsunterrichts als die herrlichen Sprüche der Väter. Der Vers, hat die in den Sprüchen zerstreut sich findenden Fundarueutalsätze der jüdischen Pflichtenlehre systematisch geordnet, und so eine kleine Religionslehre hergestellt, die wir nur empfehlen können. Der Verf. hätte aber gut daran gethan, sich der üblichen Schul- Orthograghie und nicht der alten Rechtschreibung zu bedienen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 29. Februar. Ein neuer Lehrerinnenverein ist dieser Tage hier durch die treibende Kraft der Nothwendigkeit ins Leben gerufen worden. Er ist aus einer Spaltung des seit sieben Jahren bestehenden „Vereins Berliner Volksschullehrerinnen" hervorgegangen und durch plötzliche, dem bisherigen Geiste des Vereins widerstrebende Umtriebe verursacht worden. Es darf wohl als bekannt vorausgesetzt werden, daß die Ungiltigkeitserklärnng eines Vereinsbeschluffes, die Resolution für die jüdischen Kolleginnen betreffend, seitens der überstimmten und der nicht anwesenden Vereinsmitglieder zu der Amtsniederlegung des Gesammtvorstandes führte. Aus dem Wahlkampfe ging in der Neuwahl ein Vorstand hervor, der insgesammt der Partei der Protestlerinnen angehört. Einestheils um derartigen Umtrieben für die Zukunft vorzubeugen, anderntheils aber auch um den konfessionellen Standpunkt des Vereins nochmals klarzustellen, brachte die Minorität folgenoen Antrag ein.

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