Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 19 (5.3.1896)
- Date
- 1896-03-05
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXVII, Jahrgang. Zweite Beilage;u M 19 -es „Israelit". Literarische Umschau. 8. Ein theures und werthvolles Erbe Hai I. M. Jap h et ^*i uns in seinem Werke: „nuv — D i e Accente der heiligen Schrift (initAusschluß de, Bücher n"D8)", das im Verlage von I. Kauffmann, Frankfurt a. M., soeben erschienen ist, hrnterlassen. Wer den gelehrten anspruchslosen Verfasser gekannt, der als die personisizirte Gewissenhaftigkeit nie ein Wort geschrieben, das nicht nach allen Seiten wohl erwogen war, der in seinen Forschungen nie mit geistreichen Einfällen, und mochteil sie noch so glänzeild nach außen hin erscheinen, sich begnügt, sondern ehe er sie der Oeffentlichkeit übergeben, sie vorsichtig auf ihre Wahrheit geprüft hat, und über einen schönen und gefälligen Stil verfügend, stets bemüht war, die Erzeugnisse seines Geistes, die Frucht seiner Studien, in schön abgerundeter Forin seinen Lesern zu bieten, der ist schon im voraus überzeugt, daß das vorliegende posthnme Werk alle die Vorzüge: klare Übersichtlichkeit, gefällige Darstellung, gründliches Studium, in sich vereinigt, die wir stets in seinem Wirken und seinen Werken zu bewundern Gelegenheit hatten. Die Accente der heiligen Schrift, von sehr vielen gekannt, aber nur sehr wenigen bekannt, sind eines der wichtigsten Mittel, in vielen Fällen der eigentliche Schlüssel, für die richtige Erkenntniß des Textes unserer heiligen Schriften. Sie sind die Interpunktionen des Textes und geben das syntaktische Berliältniß der einzelnen Satzglieder zu einander an. Um die Erkenntniß derselben haben sich bereits in alter Zeit viele Grammatiker wesentliche Verdienste erworben; in neuerer Zeit war es R. Wolf Heidenheim, der Meisterhaftes hier geleistet hat, und christliche Grammatiker, wie Ewald, wandeln in seinen Spuren. So beansprucht auch vorliegendes Werk nicht, etwas Originelles gegeben zu haben, aber in der Darstellung, der systematischen Anordnung, dem Herbeischaffen reichen gelehrten Materials aus alten Grammatikern, aus der Massorah und erläuternden Beispiele, darin bietet der Verfasser, der zum ersten Male eine so umfassende und weit ausgreifende Behandlung dieses Gegenstandes in deutscher Sprache geliefert hat, etwas Neues, abgesehen davon, daß er Manches bisher falsch Aufgefaßte berichtigt. Auch in der Erklärung der Benennung der Accente werden uns neue Gesichtspunkte geboten, aber ganz neu ist die Fixirung der Melodie durch Noten, wie sie bei den Accenten im deutsch-polnischen Ritus üblich ist. Es bildet dies den letzten Abschnitt des Werkes, der die bloten oer einzelnen Accente und die Sätze der schwierigsten Verbindungen uns darstellt. So ist dieses Werk nicht nur für den gelehrten Forscher eine belehrende und zu weiteren Forschungen anregende Systematik der Accentlehre, jedem Thoravorleser. dem es darum zu thun ist, nicht nur mechanisch seines Amtes zu walten, sondern auch kennen will, was sein Amt zu thun ihn verpflichtet, wird in diesem Werke einen treuen Führer und Lehrer begrüßen. Die Ausgabe dieses schön ausgestalteten 184 S. starken Werkes hat Herr Dr. H Heinemann, Schwiegersohn des Verf., besorgt und mit einer Einleitung versehen. — Als Beilage zum Jahresbericht des „Rabbiner- Seminars" in Berlin ist eine auch im Separat-Abdruck erhältliche intereffante Studie aus der Feder des Docenten Dr. A. Berliner unter dem Titel „Ueber denEinfluß des ersten hebräischen Buchdrucks auf den Cultus und die Cultur der Juden" erschienen. Wie der Buchdruck eine gewaltige Umwandlung in der Erweiterung und Verallgemeinerung der Wissenschaften hervorgebracht und die Cultur des Volkes gehoben, ist bekannt. Eine verhältnißmäßrg größere Wirkung mußte die Ersindung Guttenbergs innerhalb der Judenheit üben, wo einmal das Studium der Religionsschriften — und diese bildeten den bei weitem größten Theil ihrer Literatur — nicht nur den engen Kreis der eigentlichen Gelehrten beschäftigte, sondern von allen gepflegt werden sollte, was bei dem Mangel an Büchern nur in sehr beengten Grenzen möglich war. Die große Menge war mehr auf das Anhören angewiesen, als daß die Selbstthätigkeit sich geltend machen konnte. Der Bücheroruck änderte dies mit einem Schlage, und daß gerade hier die neue Erfindung mit Jubel, die wenigen Tadler abgerechnet, die von dem Abschreiben der Literaturwerke lebten, begrüßt wurde, ist leicht erklärlich. Wurde nun so, abgesehen von der allgemeinen culturellen Wirkung, unter den Juden mit den nun verbreiteten Studien das religiöse Leben gefördert, so ist die Wirkung, die durch die erweiterte Herstellung der biblischen Schriften und Gebetbücher auf den Cultus geübt wurde, nicht zu übersehen, wie sich auch an diese neue Ersindung manche halachische Kontroversen knüpfen, wie man sich inbezug auf diese neue Druckschrift der bisherigen für Cultuszwecke und civilrechtliche Acten mit festumzogenen gesetzlichen Bestimmungen ausgestatteten Schreibweise gegenüber zu verhalten habe. Der Aufgabe die Seite zu betrachten, die bisher fast nicht in Betracht gezogen wurde, hat in anerkennenswerther Weise Herr Dr. Berliner sich unterzogen, und, da er auf dem ihm zugemessenen Raume dieses Thema nicht in der aus-