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Der Israelit · 1896-03-05 · Heft 19 (5.3.1896) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 19 (5.3.1896)
Date
1896-03-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Bf WW XXXVII. Jahrgang. Erste Beilage;» M 19 des „Israelit". Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. (Zwei b e r ü h m t e I u d e n g e - st alten ans der B ü h n e). Dies war das Thema eines Vortrages, den vor einem überaus zahlreichen Auditorium im Saale der Gesellschaft der Freunde, Kammergerichtsrath Wichert im Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens gehalten hat. Che der Vortragende verrieth, wer diese Gestalten wären, schickte er voraus, weshalb er gerade ein solches Thema vor diesem Kreise sich erwählt. Einmal sei er als dramatischer Schriftsteller zu seinem Vorwurf gelangt und sodann durch seine Beziehungen zu den Bestrebungen des Vereins, die, den Gedanken der Toleranz hochhaltend, nicht separatistischer Tendenz wären. Man habe sich hier vereinigt eben, um die Angriffe derer abzuwehren, welche die Juden wieder in einen nationalen Verband treiben nwllen. Als er in Königsberg Schule und Universität besuchte, war es dort etwas Unerhörtes, einen Unterschied zwischen Juden und Christen zu machen. In der „Stadt der reinen Vernunft" habe man die humanistischen Bestrebungen und die Toleranz immerdar hochgehalten, und so knüpfte er mit seinem Thema nur an jene vom Vereine und von ihm verfolgten Bestrebungen der Toleranz und der Humanität. In Nathan und Shvlock erblickt nun Wichert die dramatische Verkörperung der Toleranzideen. Eine unüberbrückbare Kluft scheine zwischen den beiden Charakteren zu liegen, und dennoch fei es möglich, eine Parallele zwischen beiden Gestalten zu ziehen. Hier 'Nathan, die dichterische Verklärung eines edlen Menschen, dort Shylock, die tiefste Schmachgestatt des Juden. Redner beleuchtet literarhistorisch die Entstehung des Nathan, die Tendenz des Stückes, und charakterisirt die einzelnen Personen. Von der Gestalt des 'Nathan sagt 'Wichert, daß Lessing nicht den Juden verherrlichen, sondern nur zeigen wollte, daß auch der Jude ein sittlich vollkommener Mensch zu sein vermag. Der Dichter wollte überhaupt keine der drei Religionen bevorzugen, das zeige ja die Fabel von den drei Ringen. Lessing erstrebte im Nathan eine Verkörperung der Toleranz, um zu verkünden, daß den Werth des Menschen fein sittliches Verbalten bemesse. Wichert wendet sich nunmehr dem Shvlock zu. Es sei die „tiefste Schmachgestalt", doch habe der Dichter sie trotzdem unserem menschlichen Empfinden nahe zu bringen gesucht. Redner führt den Beweis aus den Worten Shvlock's heraus. In seinem Nationalitätsgefühl, in seinem Gefühl als Mensch und in seiner Familienehre ist der Jude auf's Härteste getroffen. Shylock kann also gar kein anderer sein, als wie er uns entgegentritt, und so leuchtet aus dieser Gestalt, gerade weil sie auf der anderen Seite mit so viel des Häßlichen behaftet ist, noch stärker als im Nathan die .Humanitätsidee siegreich hervor. Wichert schließt, nachdem er so die beiden Gestalten in Parallele gestellt, mit den bemerkenswerthen Worten: „Möge dies göttliche Schonungs- und Duldnngsgefühl der Nation erhalten bleiben!" Dem geistvollen Vortrage folgte der lebhafteste Beifall. Memel, 29. Febr. Der jüdische Händler und Bäckereibesitzer G. hat einen Ausweisungsbefehl erhalten, wonach ihm aufgegeben wird, binnen drei Monaten Memel resp. Preußen zu verlaffen. G. war früher russischer Unterthan und ist dann naturalisierter Engländer geworden. Die Naturalisation bietet jedoch keinen Schutz gegen eine Ausweisung. Da G. schon seit etwa acht Jahren hier wohnhaft und Hausbesitzer geworden, so trifft ihn die Ausweisungsordre recht schwer. Im Herbst vorigen Jahres hatte schon ein jüdischer Zigarettenarbeiter, der gleichfalls naturalisierter Engländer ist, eine Ausweisungsordre erhalten; doch ist demselben, wie wir hören, der Aufenthalt nach Ablauf der dreimonatlichen Frist noch verlängert worden. Ob dies nur Vorboten von weiteren Ausweisungen sind? — In Berlin hat die Zahl der neuerdings ausgewiesenen Juden eine beträchtliche Höhe erreicht. Höheren Orts wird versichert, daß die Maßregel sich nicht gegen Juden allein richtet, denn neulich sei sogar auch ein Katholik ausgewiesen worden! .... München, im Adar. Der neugegründete „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" begann seine Thütigkeit Mittwoch den 6. Febr. Die Mitglieder des Vereines waren überaus zahlreich erschienen, so daß der große Saal des Museums überfüllt war. Herr Justizrath Gotthelf, stellvertretendes Vorsitzender, eröffnete die Versammlung und begrüßte die Anwesenden mit einer herzlichen Ansprache, in welcher er auch die Aufgaben und Ziele des Vereines kurz und treffend auseinandersetzte. Sodann betrat Herr Rabbiner Dr. Werner das Podium und hielt einen Vortrag über „Die Sittenlehre des Talmuds". Einleitend bemerkte der Redner, daß es nothweudig sei, über 'Wesen und Entstehung des Talmud einiges vorauszuschicken, da in den weitesten Kreisen, und nicht nur in nichtjüdischen, die verkehrtesten und absurdesten Anschauungen über diesen Gegenstand herrschen. Der Talmud ist ja ein Werk sui generis, das man mit keinem anderen Literaturerzeugnis ver

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