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Der Israelit · 1896-03-05 · Heft 19 (5.3.1896) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 19 (5.3.1896)
Date
1896-03-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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383 alle andere Interessen nnd Ziele willig untcrzuordnen. „Im Namen aller Heiligen, sei gesegnet meine Tochter!" sagte Pater Pierre, indem er sich ein wenig von seinem Sitze erhob. „Habe Dank für diesen Segen, hochwürdiger Vater! entgegnete die Gräfin, während sie sich auf einen Sessel ihm gegenüber niederließ. „Dein Kommen liefert mir den Beweis, daß Du mir hilfreich zur Seite stehen unb Dich nicht mehr negativ linb ablehnend meinen Wünschen und Plänen entgestellen lvillst." „Du weißt nicht, liebe Tochter, wie die deutsche Regierung die früheren Anhänger des Jesuitenordens mit Argusaugen überwacht Nur der ausdrückliche Wunsch des hochwürdigsten Generals vermöchte mich zu bestimmen, die klösterliche Einsamkeit meiner Zelle ,iU verlassen nnd in des Lebens Bewegung zu greifen. Die Erreichung Deines Zieles würde mir Nebensache sein, wenn ich die Ueberzeugung nicht gewänne, daß dadurch der heiligen Kirche ein großer Dienst geleistet werde." „Die Weisung Deinem Generals hast Du ja erhalten, hochwürdiger Vater!" „Ja, aber in sehr unbestimmter Form, d. h. er überläßt es ganz meinem Ermessen, das Werk in einer mir beliebigen Art zu vollbringen!" „Und wie lautet Dein weiser Plan, bochwürdiger Vater?" „Davon später. Ehe wir etwas Gewaltsames zur Ehre der Kirche unternehmen, mußt Dil, liebe Tochter, bedacht sein, Nichts unversucht zu lassen, auf glitlichem Wege daS Herz Deines Großneffen umzustimmen. Ich kann mir nicht denken, daß ein Ideal der Jugend so stark sei, solchen verlockenden Aussichten, wie Dein Reichthum und der glorreiche Namen Deiner Familie, zu widerstehen." Die Comtesse schüttelte zweifelnd ihr noch immer schönes Haupt. „Du weißt nicht, hochwürdiger Vater, wie hartnäckig dieser verjudete Zweig der Pelousen ist. ES scheint, daß der Charakterzug unserer Familie, der sich stets stark in guten und edlen Zielen erwies, bei diesem Zweige zu einer besonderen Macht auschwoll, die sich in seinem hartnäckigen Verbleiben in dem angenommenen Glauben äußert. Beiden Eltern des Jünglings erwiesen sich alle Versuche und Bestrebungen ganz erfolglos. Mußte ich es ja erleben, daß seine Mutter mir den Knaben ans den Händen wand, als sie in den letzten Zügen lag; sie verstieß ihn lieber in Armuth und in die kalte Fremde, als ihm den Glanz des Reichthums und der Ehre zu lassen, weil sie seinem Glauben Gefahr drohen sah. Auch bei dem Jüngling, der in dieser Religion ausgewachsen ist und der er schwämerisch ergeben sein soll, scheint mir ohne List und Gewalt jegliche Aussicht auf Erfolg ausgeschlossen zu sein." „Der Versuch muß aber dennoch gemacht werden. Unsere spätere Handlung hängt von dem Erfolg oder Mißerfolg desselben ab." Er lachte leise. „Schließe doch das Fenster, meine Tochter. Bist Du auch sicher, daß keine Lauscher in der Nähe sind?" Die Gräfin erhob sich, trat an den Glockenzug, befahl dem eintretenden Diener die Feilster zu schließen und das Licht anzuzünden, da unterdeß die Nacht Heranbrack) und im Zimmer vollständige Dunkelheit herrschte. „Sorge auch für einige Erfrischungen!" Lautlos entfernte sich der Diener und erschien gleich darauf wieder, mit einigen Flaschen ausgesuchten Weines und kalter Speisen. „Du sprachst, meine Tochter, vorhin von List, welche den Sinn Deines 'Neffen umwandcln könnte," — Hub Pierre an, nachdem der Diener sich entfernt hatte, — „möchtest Du mir nicht sagen, was Du Dir darunter dachtest?" „Woran gewöhnlich Frauen am nächsten denken," lächelte die Gräfin, während sie zwei Pokale mit dem perlenben Wein füllte und mit dem Pater anstieß. „All unsere Macht und Zauberkraft. Du hast ja die Barollesse l'Endome gesehen und kennen gelernt, hochwürdiger Vater. Ich denke durch den Liebreiz ihrer wundervollen Schönheit das Herz meines Groß nerfen für die heilige Kirche zu gewinnen." „Vortrefflich, vortrefflich!" sagte Pierre, indem er einen kräftigen Zug aus dem Pokale that und mit der Zunge schnalzte. „Wen hast Du mit Deinem Lobe bedacht, den Wein oder meine Frauenlist?" „Beide zugleich. Höre, liebe Tochter. Ich glaube, daß mein Eingreifen in diese Angelegenheit kaum voll 'Nöthen sein werde. Schönheit, Reichthum, Ehre. Wer vermag diesen drei kostbaren Gütern der Menschheit zu widerstehen." „Mein hochwürdiger Vater, so siegesgewiß bin ick) leider nicht. Aber wie sollte ich es auch fein? Solche bittere Erfahrungell, wie ich, hast Du nicht gemacht; Du hast es stets verstanden Deinen Willen auf dem einen oder dem anderen Wege zum Durebbruch zu bringen. Es ist daher weniger als weibliche 'Neugierde, wenn ich Dich bitte, mir zu offenbaren, was Du zu unternehmen gedenkest, wenn meine Versuche llicht zum gewüuschten Ziele führen?" „Eh bien, Du wünschest es!" — erwiederte der Pater mit bedächtigem Kopfschütteln. — „Ich meinerseits bezweifle es sehr, daß mein Entnmrf jemals zur Ausführung gelangen werde; denn ich hege diesen Pessimismus nicht, der Deine Seele beherrscht. Ich sehe zuversichtlich Deine Waffe von Erfolg gekrönt;

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