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Der Israelit · 1896-03-05 · Heft 19 (5.3.1896) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 19 (5.3.1896)
Date
1896-03-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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381 und seinem heiligen Worte, wie wußte er selbst die kalten und gleichgiltigen Herzen zu gewinnen für jüdische Pflichterfüllung und gesetzestreues Leben. Der Verklärte hat sich niemals auf Moralpredigten und allgemein gehaltene Ermahnungen zur Frömmigkeit beschränkt, sondern hat stets mit Nachdruck zur Beobachtung der Gesetze und jüdischen Gebräuche ermuntert, welche in seiner Umgebung, wie dies ja gegenwärtig so häufig geschieht, lässig gehandhabt wurden. Er that dies jedoch stets in so gewinnender, väterlicher Weise, daß auch diejenigen ihm nicht zürnten, welche sich direkt getroffen fühlen mußten. Denselben rastlosen Fleiß und Eifer entwickelte der Verblichene beim Religionsunterricht. Er war bestrebt reiches hebräisches Wissen und genaue Kenntniß der religiösen Pflichten zu verbreiten. Durch seine Thätrgkeit ist die Relig onsschule der Gemeinde Strasburg zu einer Musteranstalt geworden. Auch seine zahlreichen Schüler am dortigen Gymnasium hingen mit schwärmerischer Liebe und Verehrung an dem Lehrer und Erzieher, welcher in so geistvoller Weise von den religiösen Wahrheiten und Pflichten zu überzeugen wßte. Besonders verdient noch hervorgehoben zu werden seine Uneigennützigkeil und Gleichgiltigkeit gegen irdische Vortheile. Wiederholt hatte er Gelegenheit bei größeren Gemeinden angestellt zu werden. Aber die Befürchtung in religiöse Kämpfe mit Neuerungssüchtigen verwickelt, oder durch freche Verhöhnung der Religion in seinen heiligsten Gefühlen verletzt zu werden, veranlaßten ihn derartige Anträge abzulehnen. Sich selbst getreu blieb er in seinen bescheidenen Verhältnissen in seiner gesetzestreuen Gemeinde. Sein Leichenbegängnis; am Mittwoch, den 12. Adar, gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung inniger Theilnahme und Verehrung. Der ganzen Gemeinde Strasburg und einem ansehnlichen Dheil der christlichen Bevölkerung hatten sich die Glaubensgenossen aus der ganzen Umgegend angeschlossen, um dem allgemein verehrten Rabbiner und Jugendlehrer die letzte Ehre zu erweisen. Von auswärtigen Rabbinen bemerkten wir die Herren Dr.Dr. Rosenstein- und Baer-Graudenz, Eppenstein-Briesen und Rosenberg- Thorn, sowie den Rabbiner der benachbarten polnischen Gemeinde Rypien. Durch letztwillige Verfügung hatte der Verewigte bestinrmt, daß seine Bestattung in der denkbar einfachsten Weise stattfinde und jede Leichenrede unterbleibe. Die anwesenden Rabbinen entschlossen sich in Uebereinstimmung mit dem Vorstande der Gemeinde den Willen des Verblichenen zu ehren und beauftragten nur, einen; inneren Herzensdrange folgend, Herrn Dr. Vaer, den langjährigen intimen Freund desselben, einige Worte des Abschiedes und der Anerkennung am Grabes zu sprechen. Doch beh'elt es sich der Gemeindevorstand vor, zu geeigneter Zeit eine des Verklärten würdige Gedächtnißseier in der dortigen Synagoge zu veranstalten. Möge der Vater der Wittwen und Waisen die blutende Herzenswunde seiner Wittwe, welche mehr als 28 Jahre in der glücklichsten Ehe mit ihm gelebt hat, heilen und seinen Kindern und Schülern, seiner Gemeinde und Allen, welche seinen Hintritt beklagen, den süßen Trost seines heiligen Wortes verleihen. Möge besonders sein qottesfürchtiges Leben, sein edles, uneigennütziges Wirken Nacheiferung finden, um nur einigermaßen den schmerzlichen Verlust zu mildern, welchen wir durch den Hintritt dieses pis erlitten haben.. .n"2y:n hoy nn istcrnN NsrnrnsnsTU’ pmn Nakel, I. März. Von Herrn Rabbiner Dr. G. P e r i n z erhalten wir folgende Zuschrift: „Da die falschen Berichte, welche einige politische Tagesblätter über meine an der Bahre des Assessors Wöllstein gehaltene Rede brachten, auch in jüdischen Zeitungen Ausnahme gefunden haben, so bitte ich um Aufnahme folgender Erklärung: 1. Ich habe den Verstorbenen nicht als Märtyrer seines Berufes bezeichnet;;2. Ich habe nicht gesagt, das; er für die Ehre seines Stammes in beit Kampf gezogen ist. :>. Ich verwahre mich nachdrücklich gegen den Vorwurf, daß ich das Duell verherrlicht habe. Hiernach sind die an falsche Voraussetzungen geknüpften, theils wohlgemeinten, theils hämischen Bemerkungen der Blätter über meine Rede gegenstandslos. Hachenburg, 29. Februar. In unserer Stadt leben Christen und Juden in völliger Eintracht zusammen, und der gegenseitige Verkehr ist so innig, daß der alles zersetzende Antisemitismus hier keinen Eingang findet. Diese echt menschliche Gesinnung bethätigt sich auch durch d e konfessionelle Zusammensetzung des hiesigen Stadtraths, in welchen neben Protestanten und Katholiken grundsätzlich stets ein Jude gewählt wird. Jenes Ehrenpostens erfreut sich schon seit vier Jahren das bei den Bürgern Hachenburgs außerordentlich beliebte und geachtete erste israelitische Kultusvorstandsmitglied Herr Bernstein. Im vorigen Dezeinber schied derselbe durch das Loos aus, wurde aber mit einer erfreulich großen Stimmenmehrheit wieder gewählt. Mögen diese hier waltenden Zustände der allgemeinen Menschenliebe dauernd gegründet sein!! Gailingen, 26. Febr. Ein seltenes Fest war es, das unsere Gemeinde am vergangenen ywr 'E mr feierte. Unser allverehrtes Geineindemitglied, Herr Emil Moos, stiftete nämlich anläßlich der Bar- Mizwa-Feier seines einzigen Sohnes eine prachtvolle mm -iBD, die an diesem nur eingeweiht wurde. Bei

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