Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 19 (5.3.1896)
- Date
- 1896-03-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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379 stimmig nn* ufc« ihn durch unser Amen besiegeln. Eine des Anmerkens werthe Eigenthümlichkeit bietet auch die Verschiedenheit des Ausdrucks Wir wollen Amen sprechen! und fL» Sprechet Amen! womit wenige Sätze weiterhin das Tischgebet schließt. Dieser Schluß klingt, wie die meisten unserer Gebete in die Bitte um Frieden aus. Jeder Friede fordert einen Verzicht und Aachgeben von beiden Seiten. Zu dem Frieden, den Gott stiften möge, bedarf es unserer Mitwirkung, wenn er sich verwirklichen soll. Weil für diese Mitwirkung die streitenden Parteien oft nur schwer zu gewinnen sind, bedarf es der mahnenden Befehlsform: Sprechet Amen! Dagegen den Segen Gottes entgegenzunehmen, dazu versteht man sich leichter und hierfür genügt nur die Erwähnung des Segens, um die auf ihn Angewiesenen aus freien Stücken ihn durch ihr Amen zu erflehen; deshalb ibn ictw. So lange diese einmüthige Friedensstimmung selbst unter den Tischgenossen vermißt wird, kehrt auch der Segen nicht ein in den Kreis, aus dem der Friede geflohen ist. Deshalb müßte die Rücksicht auf diesen Gottessegen schon für Aufrechterhaltung des Friedens plaidiren. Hier auf Erden, wo wir auf Schritt und Tritt auf den Segen Gottes angewiesen sind, läßt sich für die Verscheuchung des Friedens kaum ein milderndes Motiv ausfindig machen. Aber mszob \in» ns* vnHp Dnoa '’bv. „In der Höhe möge man für sie (die Tischg enossen) und uns ein Verdienst geltend machen, das der Bewahrung des Friedens dient; damit wir den Segen von Gott hinnehmen und Wohlthat von Gott unsere Hilfe und Gewährung und die rechte Einsicht erlangen in den Augen Gottes und der Menschen." Zu den Worten (Hiob Cap. 25. V. 2.) nmy "to. „Herrschaft und Schrecken sind bei Ihm, Er stiftet Frieden in seinen Höhen" bemerkt Rabbi Jochanan im Talmud (Rosch Haschana fol. 23 Ir.), daß Gott den Frieden unter den kreisenden Himmelskörpern dadurch erhalte, daß keiner die Schattenseiten des anderen sieht. Sie verkehren in Frieden, weil sich jedes in seiner vorgezeichneten Bahn bewegt, die keiner verläßt. Würden sie Zusammenkommen, so würden sie aneinanderstoßen und das ganze Universum gefährden. Sie leben friedlich nebeneinander, aber nicht miteinander. Dieses aus der Höhe niederstrahlende Beispiel mag diejenigen rechtfertigen, die auf Grund ihrer inneren gegensätzlichen Lebensanschauung nicht miteinander harmoniren können, aber doch in Frieden nebeneinander hergehen. Dieses Verfahren dient der Bewahrung des Friedens, d. h. es läßt die Hoffnung zu, daß auf das friedliche Nebeneinander auch noch ein einheitliches Miteinander folgen könne, das aber ausgeschlossen wäre, wenn man disparate Gegensätze in einen gemeinsamen Wirkungskreis zwängte. Auf diese Weise ist den innerlich Entzweiten ein friedliches, äußeres Auftreten möglich, auf Grund dessen sie den Anspruch auf den Gottessegen nicht einbüßen und auf Anerkennung bei Gott und den Menschen rechnen dürfen. Jeder durch Gottes Gesetz über das gewöhnliche Niveau gehobene Zeitmoment, weckt in der jüdischen Brust den Gedanken an die Zeit, die einmal ganz gut sein wird, und läßt uns den Allbarmherzigen bitten, uns diese Zeit erleben zu lasten. Aber nicht nur sie zu erleben, sondern unser Erbgut werden zu lassen, lautet die Bitte: 210 liov an? kh jtmn. Der Ausdruck rj^vir scheint sagen zu wollen, daß uns diese Zeit so sicher ist, wie dem Snu sein rfrru, wie dem Erben sein Erbe. An dem Sederabende wird diese Bitte noch dahin spezialisirt: der Allbarmherzige möge uns die Zeit als unser Erbe antreten lasten, in welcher die Gerechten dasitzen mit ihren Kronen auf ihren Häuptern, genießend den Abglanz der Gottesherrlichkeit und daß auch unser Theil mit ihnen sein möge." an wo annnDj/i aotsn* D’pnya/ dv ,-jriN to» dv . onay up^n >.ti rown nv o»rui Wenn es eine Stunde giebt, welche uns eine Ahnung von der Verwirklichung dieses Zukunftsideals oufgehen läßt, so ist es das Stiftungsfest unseres Volkes, welches unsere Sederabende feiern. a*?2 ivyi O'p'-iL das ganze GotteSvolk erscheint in allen seinen Gliedern als ein Volk von Gerechten. Das Fest, das sie vereint, wandelt jede Hütte in einen Pallast um, alle Väter und Mütter, Knaben und Mädchen fühlen sich als Fürsten an diesem Feste der Freiheit, die ihnen Gottes mächtrge Liebe als Angebinde gegeben, und das ihnen daher keine Menschenmacht rauben kann. Sie dürfen kühn das Haupt erheben, sie tragen ihre Kronen auf ihren Häuptern und letzen sich an dem Abglanz der Schechina, die jedes Haus verklärt und aus alle Festgenossen einen Strahl ihres himmlischen Glanzes fallen läßt. An diese Thalsache, die wir alljährlich erleben, deren Zeugen und Bürgen wir selber find, reiht daher unser Tischgebet die Bitte wn Hin;cmn, daß uns der Allvarmherzige die Verwirklichung der messianischen Zeit und das mit ihr beginnende einstige, ewige Leben erlangen lassen möge. Jeder Tag der Woche nähert uns diesem Hochziel aller Menschenzukunft — rnw —; dessen Höhe mit jedem Sabbat und Feiertag uns bereits erreicht dünkt ^izv. Denn diese von Gott aus der Flucht der Zeiten herausgegriffenen Tage der Weihe sind ton obiy pyv, sind bereits ein Wiederschein der einstigen, ewigen Znkunft.