Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 18 (2.3.1896)
- Date
- 1896-03-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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371 Judenthum, die auch von den amerikanischen und deutschen Juden repräsentirt wird, den Lesern des Israelit vorführen. Unter den ausschließlich nur englisch sprechenden Juden bildet die spanisch-portugiesische Gemeinde- Congregation Schearith-Israel eine Hauptstütze der Orthodoxie und ein mächtiges Bollwerk gegen die Reform. Es ist ja eine historisch-bekannte Thatsache, daß zu der Zeit, als Columbus die neue Welt entdeckte, unsere Glaubensgenossen aus der pyrenäischen Halbinsel ausgewiesen wurden. Die Einwanderung der spanischen Juden nach Amerika datirt schon einige Jahrhunderte zurück, soll doch Columbus bei seiner Entdeckungsreise mehrere jüdisch-spanische Matrosen an Bord gehabt haben. So ist es auch unumstritten wahr, daß die spanisch-portugiesischen Juden in New- I)ork die ersten jüdischen Ansiedler waren, was ein Friedhof dieser Gemeinde zur Genüge durch seine alten Grabdenkmäler beweist. Daher sind auch diese unsere Glaubensgenossen noch den Satzungen des alten, unverfälschten Judenthums treu, pflegen noch ihre Gebräuche — Minhagim — genau so, wie ihre Vorfahren in Spanien, unb der alles vernichtende Geist der Reform konnte keinen Eingang bei ihnen finden. Diese Thatsache hatte sich erst vor kurzer Zeit auf das glänzendste bewiesen. Die Congregation Schearith-Israel, die ihr prächtiges Gotteshaus in der 19. Str., nahe der fünften Avenue hat und die, auch nebenbei gesagt, zu den reichsten Gemeinden der Stadt New-Aork gehört, hat den Beschluß gefaßt, einen neuen Tempel in einer der fashionabelsten Gegenden der Stadt, nämlich an der 72. Str. in der Nähe des Central-Parks zu bauen und soll der Grundstein noch in diesem Monate gelegt werden. Bei einem vorher stattgesundenen Meeting war es besonders die jüngere Generation, die darauf dringen wollte, daß bei dem neu zu errichtenden Gebäude eine Orgel mit gemischtem Chor und Fanliliensitze eingeführt werden sollte, d. h. Sitze, wo Männer und Frauen zusammen sitzen, jedoch dieser Antrag wurde mit einer glänzenden Mehrheit niedergestimmt. So wird abermals, dank dem kräftigen Einschreiten des Herrn Rabbiners Dr. H. Mendes, in der Weltstadt Rew- Pork ein Tempel erbaut werden, „ohne Orgelklang und ohne Weibergesang." Der Tempel soll, wie man hört, nrehrere hunderttausend Dollar kosten unb soll keine Hypothek ausgenommen werden, oder in anderen Worten: Die Gemeinde ist fähig, die Baukosten desselben direkt allein abzutragen. Einen größeren Erfolg als diesen, konnte das orthodoxe Judenthum in Amerika nicht erringen. Eine weitere orthodoxe Gemeinde ist die Congregation Sichron-Ephrazim in der 67. Str. zwischen der dritten lmd Lexington-Avenue. Dieselbe steht unter der Leitung des Rev. Dr. B. Drachmann, einem Zögling der Hildersheimer'schen Schule in Berli«. Der Präsident dieser Gemeinde ist ein aus dem badischen Oberlande stammender Glaubensgenosse Namens Jonas Weill. Herr Jonas Weill ist nicht nur Gründer und bedeutender Stützer dieser, zur Ehre seines seligen Vaters beliannten Synagoge; er ist auch der Stifter des Libonon-Hospitals in der 151. Str. near Westchester-Ave., sowie auch dessen Präsident. Durch seinen imensen Reichthum, beit Herr Weill ausschließlich zu humanen und wohlthätigen Zwecken verwendet, hat sich derselbe den Ruf eines Bal-Zedokots errungen, wie fast keill anderer Jude iu New-Pork. Derselbe ist geachtet und geschätzt bei Jude und Christ und zählt mit zu den „prominenten Gentlemens" in New-Pork. Dabei ist er auch Jude in dem nobelsten und schönsten Sinne des Wortes. Außer dieser Synagoge bestehen noch eine Anzahl größere unb kleinere Gotteshäuser orthodoxer Richtuug. So ist noch hervorzuheben die Congregation Adath-Jsrael in der 57. Str. zwischen der ersten und zweiten Avenue unter der Leitung des Herrn Dr. Maisner und die meistens aus bayerischen Juden bestehende Gemeinde Drach-Chajim, unter der Leitung des Herrn Dr. Neumark und des alten, ehrwürdigen Präsidenten, Herrn Tannenberg, der sich besonders für die Spenden für das heilige Land interessirt und ein streng orthodoxer Jude ist. Literarische Notiz, jvwfcnn pbn "s'v'^2 Bibelexegese von Herrn Wolf Sußm a n n, gew. Klausrabbiner zu Budapest 1896. Druck von M. Rosen bäum, Paks, Verlag vom Sohne des Verfassers Herrn Bez.-Rabbiner Victor S u ß m a n n, Csuz, Ungarn. Preis 3 Mark. Der Verfasser dieses „5 tp n" nryo, der rühmlichst bekannte der.-nun d"* der Gemeinde Budapest, dessen lebendiges Wort nicht durch glänzende Eleganz der Redefloskel, nicht durch blendende, metaphorische Redegewandtheit, nicht durch berauschende, künstlerische Eloquenz, sondern durch ungeschminkte, klare, volksthumliche und einfache Ausdrucksweise, durch herzersreuende, tiefsinnige und dennoch leichtverßändliche Auslegung vons^ivi »opD seine Zuhörer stets fesselte, reicht in diesem seinem werthvollen, gediegenen Werke, die Schätze seines Wissens und seiner Forschungen auf dem Gebiete der Agada einem erweiterten Kreise des wißbegierigen Judenthums, welcher aus demselben auch reichliche Ausbeute an religiöser Belehrung und L.ctüre in Erholungsstunden sicherlich gewinnen wird. — In leichtfaßlicher, hebräischer Sprache geschrieben,