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Der Israelit · 1896-03-02 · Heft 18 (2.3.1896) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 18 (2.3.1896)
Date
1896-03-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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366 die das Wort unserer Weisen binderitet. 2'vp \D3 nmn (N *TH) nmn Nifn OnQL'. „Leid vorsichtig in der Pflege der Armen; aus ihren Reihen gehen die besten und bedeutendsten Männer der Thora hervor," (Ned. 1.) sind ganz auf unsere Verpflegung angewiesen Diesen Anforderungen auch fürderhin entsprechen zu können, dazu erbitten wir uns Ihre wohlgeneigte Unterstützung. Die Anstalt zählt 4* Zöglinge. Die Einnahmen betrugen 1889 fl., die bis auf 115 fl. verausgabt wurden. ** Vermischtes. < Berlin, 25) Febr. Die bedeutende Bibliothek des verstorbenen Rabb. Dr. Wiener in Oppeln, ca. 8000 Bände umfassend, ist in den Besitz von Nt. P o p p l a u e r's Buchbandlung, Berlin i bergcgangen. .stataloge sind in Vorbereitung. Trarrterrau, 16. Febr. Der Director idcr hiesigen k. k. Lehrerbildungsanstalt, Herr F. Wiede mann, hat die Obmannstelle des ersten und einzigen antisemitischen Vereines in Trautenau übernommen. Welcher Schaden aus dem Verhalten eines solchen Mannes der Sache des Bürgerfricdens zugefügt wird, der alljährlich Hunderte von Volkslehrern hinaussendet in deutsche Gaue, welchen Einfluß die Haltung eines Präparandie-Dircctors auf junge, ihm anver traute Männer üben kann, das zu beurtheilen vermag kaum ein Nichtlehrer. Feuilleton. Per Letzte seines Stammes Erzählung von Alp Hanfe de ln Haye. 17) (Alle Rechte Vorbehalten.) „Und die Motive zu dieser Flucht?" frag Elchonon gespannt. „Die sind mir erst seit einigen Jahren von meinem Oheim mitgetheilt worden," versetzte Dr. Longini, „doch weiß ich nicht, ob ich berechtigt tun, sie Dir preis zu geben. Ich werde jedoch sofort an meillen Oheim schreiben, dem die Zkunde von Deiner Eristenz große Freude verursachen wird; er mag weiter darüber bestimmen." „Es ist aber doch grausam von Dir, lieber Lueieu," sagte Elchonon erregt, „nlir zllerst den Beweis zu liefern, daß das, was ich Jahrelang für einen Traum hielt, Wirklichkeit sei, und mir dann den Zusammenhang vorzuenthalten." „Laß das, lieber Elchonon! Du nrußl Geduld haben. Wäre es meine Angelegenheit, gerne würde ich sie Dir rückhallslos erzählen, so aber bin ich 51t dieser blos mit Zustimmung meines Oheims befugt. Du mußt also schon einige Tage Geduld haben. Jetzt erzähle mir aber ausführlich wie es Dir in den vielen Jahren erging." Elchonons Lippen zuckten vor innerer Bewegung. „Nicht jetzt. Die Erinnerungen haben mich erregt und erschüttert; ich'"chin jetzt unfähig Deinent Wunsche zu entsprechen. Gestatte,-daß ich mich jetzt nach Hause begebe." „Wo wohnst Du 5" „In der .flrämergasse Nr. 14." „Nuu gut. In einigen Stunden werde ich bei Dir erscheilwn; ich hoffe Dich gefaßt und ruhig zll findeil. Bis dahill Gott befohlen!" „Auf Wiedersehen!" sagte Elchonon. Mil dem Händedruck ivahrer Freundschaft trennten sie sich von einander. 23. Capitel. R ä t b s e l n n b B e r w i r nt n g c n. Langsatn schritt Elchonon durch die Straßen, an dunkeln, bittern Gedanken zehrend, die, Nebelbildern gleich, vor seiner Seele vorüberzogen. Aehnliche Gedanken waren schon oft in ihm aufgestiegen, aber er hatte sie immer lliedergehalteu und zurückgewiesen. Er hatte sich gesagt, als ihm sein Oheim, die letzte Stütze seines einsamen Lebens, durch den Tod entrissen wurde nnt> er schütz- und mittellos in einer Welt, die ihnl vollställdig freiild tvar, zurückblieb, daß sein (''iottesvertrauen ihm gebiete, das, was ihil betroffen, nicht als ein großes Unglück zu betrachten. Wie die (Besinnung, so ist auch das Erdenloos der Menschen verschiederi von einander; bei eitlem spielt sich das Leben im Sonnenschein des Glückes ab, während bei dem anderen sich düstere Wolken um seinen Lebenshorizont zusamtttenziehen. Es giebt in dieser Welt Millionen von ärmeren und eCenberen Menschen als er, die ihr Dasein ruhig ohne 311 klagen ertragen, die es als selbstverständlich betrachten, daß sie es als eine schwere Last von der Wiege bis zum Grabe tragen müssen. Welches Recht hätte er, größere Ansprüche an das Leben zu stellen als diese? Weshalb sollte ihm das Dasein leichter und attgenehtner gemacht werden, als so vielen Andern? Er wollte nicht klagen, seine Glaubenstreue gebot ihm, alles ohne Murren zu ertragen, er durfte sich nicht eintual ttuglücklich fühlen; er hatte kein Recht daztl. Doch jetzt? - — — — er blieb nachdenklich stehen. Wäre es denn wirklich tnöglich, daß Alles, was seine getreue Susatltia ihm als das lachhafte Gebilde eines Traumes hingestellt hatte, die Wahrheit, die Wirklichkeit sei? Unb wie durste er an deren Wahrhaftigkeit zweifeln? Hat ihm Dr. Longini, mit dem er heute zum erstenmal zusammengetroffen, nicht alles so erzählt, so es in ihnt wachgerufen, wie es, so lange er zurückztldetlkeu vermag, in seiner Seele gelebt hatte. Doch warttm bezeichnete Susanna die Wahrheit, als Lügengewebe eitles Traumes? Welches Interesse verfolgte Susanna dabei, die Spuren seiner Uindheiterinnerung zu verwischen? Seine Rindbeit scheint ja, wenn Dr. Longini ihm die Wahrheit berichtet, nicht von den breiten Schatten der Armuth ttttb des Elends verdüstert gewesen ztl sein; im Gegentheil sie scheint sich in den ausge-

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