Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 18 (2.3.1896)
- Date
- 1896-03-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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367 wählten Kreisen der Reichen und Vornehmen 51t bewegen. Warum entriß man ihn jenen Kreisen? Warum floh Susanna mit ihm in jenes düstere, entlegene Krähwinkel N . . . statt ihm aus jener sonnenglänzenden Höhe des Schlosses St. Aitdrö, wo er seine Kinddeit zubrachte, 511 lassen? Ober soll es gar in dem Plane der alten Susanna gelegen sein, ihll seinen Angehörigen zu entführen, damit er dem Elende, der Arnruth preisgegeben sei? Aber welche Motive veranlaßteit sie dazu? Warum? Wollte sie aits irgend einen: (Grunde seine Erniedrigung, sein Verderben? Weshalb hat sie das geraubte Kind nicht aitsgesetzt? Warum entführte sie es eitlen: Verwandten, un: es den: andern zu brir:ge::? — — — In seiner Brust pochte und hämmerte es; in wilder Hast, einen: Wirbel sturme gleich, jagten die düster» (Gebauten durch fein Gehirn. Die Annahme, das; Susanna gegen iht: gesrevelt habeil sollte, schieil ihn: inivereiilbar mit ihren: gauzeil Betragei: zu sein. Hatte sie nicht über ihn gewacht mit der -Wirtlichkeit einer Mutter? Konnte eilte Mutter ihrem Kinde mehr Hingebung und Liebe entgegenbringen, als feine Susanne ihn: stets geivährt hatte? Wie piele schlasloseit '.Mächte brachte sie an seinen: Lager zu, als er krank war? ilttb hat sie einen Augenblick gezögert, ihre ganzen Ersparnisse ihm hinzngeben, bantit er die llniversität beziehen könne, obgleich sie dadurch, trotz ihres hohe:: Alters, ihr kärgliches Lebe;: durch Handarbeit erwerben mußte? llnd diese Snsaiina, deren Glück, dereil Alles er war, sollte ihn betrogen haben? „Rein, tailsend mal nein!" schrie er wild ai:s, das; die Leute anf der Straße, durch welche er schritt, ihn perwimdert ansahen. „A!ag kommen, was da wolle, an der Dreile nnb dei;: guten Wille:: u:einer Silsanna will ich nie zweifeln!" Doch ist ihr ganzes Verhalten nicht räthselhast? Warun: permied sie in:n:er, mit ihn: non seiner Kindheit zu redeil? — Weshalb wurde sie immer erregt, wenn er von der Erinnerung seiner Kindheit sprach? Weshalb blieb sie hartnäckig dabei, das; er müften Dränmen zum Opfer gefallen sei? Warum wollte sie die Wahrheit nicht bekennen? —-Doch halt! Sagen ihm jene Eriilnernngen nicht, daß feine Mutter bei Susanna, un: die Erreltitilg ihres Killdes flehte? Glaubte er iücht noch jetzt deutlich die Worte zr: vernehmenrette meinen Elchonon, Susanna; er ist in größter Gefahr? Kann diese Flucht nicht anf Wunsch der sterbenden Mutter gescheben sein? Doch warum? — Er sann und sanil,' er kam ans diesen: Chaos von Räthseln und Verwirrnissen nicht heraus nnb je länger er darüber nacbdachte, desto höher stieg seine Erregung. Ermüdet nnb abgespannt gelangte er in der Krämergasse an, stieg die drei dunklen Treppen, die zu seinem bescheidenen, ärmlich ausgestatteten Zimn:er führten, hinan, zog den Schlüssel aus seiner Tasche ::nd wollte die Zimmerthüre aufschließen. Da öffnete sich eine andere Zimmerthüre aus dem weiten Eorrrdor und eine ältliche Frau erschien in dem Rahmen derselben. „Guten Tag, Herr Pelonse!" sagte sie freundlich. „Eii: Herr, er schien mir Diener in einem vornehnlen Hause z:: sei;:, frug einige Male nach Jhner: nnb lies; schließlich dieses Billet für Sie zurück." „Ich danke recht sehr, Fra:: Reusch," sagte Elchonon, ivährend er dei: Brief entgegennahm, „und sagte er i:icht, was er von mir wünsche?" „Rein, er bat mich blos, es Ihnen gleich bei Ihrer Rückkunft zu übergebei:." „Nochmals meinen Dank, Frau Reusch," sagte Elchorwu, während er in sein Zimmer trat und die Thüre hinter sich schloß. Mit Staunen betrachtete er das rosige Brieschen in feiner Hand, das, einer: angenehmen Duft ausströmeitd, mit einen: Monogramm, Wappen und Krone geziert, feine Adresse in zierlicher Frauenschrift trug. Sollte er hertte gar nicht aus Räthseln kommen? Welche Dame der Aristokratie mag an den armen Stildentei: schreiben? Wer weiß in jenen Kreisen von vor: seiner Eristenz? Soll er beit Brief, der ihm das Räthsel zu lösen vermag, öffnen lassen? „'.Hem-, ich will warte;:, bis der Sabbat zu Ende ist," murmelte er vor sieb) hin unb warf das Billet anf den Tisch, entnahm den: Büchergestell einen der Talinudsolianten und vertiefte sich in das Studium desselben. 23. Kapitel. D e r I c s r: i t c n pate r P ierr e. „Pater Pierre wünscht der gnädigen Eomtesse seine Aufwartung zu machen," meldete ein Diener der Eomtesse, die bereits von den: Hotel, in die mit allen: Eomfort eingerichtete Villa, d'esperance, welche einer ihrer ltrahnen zum zeitweiligeil Aufenthalt erbaut hatte, übergesiedelt war. Die Eomtesse saß, in Gedanken gar:z verloren, an: offenen Feiister, das den Einblick in einen herrlichen Park gewährte. An diesem begann der verjüngende Frühling schon sein Meisterwerk. Sie fuhr a::s ihren: Hinbrüten aus. „Endlich, endlich," murmelte sie mit einem Seufzer der Erleichterung. „Ist mir sehr willkommen," wandte sie sich an dei: Diener. „Sorge er dafür, daß wir nicht gestört werden." „Wie Eure Gnaden befehlen," erwiederte der Diener mit tiefer Verbeugung und schickte sich an das Gemach zu verlassen. „Iranoois!" „Euere Gnaden befehlen?"