Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 18 (2.3.1896)
- Date
- 1896-03-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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365 daß er sich daher der Meinung des Advocaten anschließe. Nach kurzer Berathnng erklärten die Richter, der Angeklagte sei ohne irgend welche gesetzlichen Grund zur Verantwortung gezogen worden und das Bezirksgericht verfüge daher, das Gerichtsverfahren gegen Fainberg sofort auszuheben und für immer einzustellen. Minsk, im Februar. Die russische Judenheit, namentlich aber unsere Gemeinde, bat einen großen unersetzlichen Verlust erlitten. R. I o s u a L ö b Perlmann, der hiesige Rabbiner, ist nicht mehr. Erst sechzig Jahre alt, wurde er plötzlich dahingerafft. Seine Größe läßt sich ermessen, wenn man weiß, daß er in ganz Rußland nicht anders, als der von Minsk genannt wurde. Er beherrschte das ganze Gebiet der Halacha vom Talmud und Seitenschriften an bis herab zu den neuesten Teschuboth, ebenso aber auch sämmtliche Midraschim und agadische Schriften. Sein ganzes Leben galt Tag und Nacht diesem Studium. Nachts 3 Uhr starb er, und bis 2 Uyr hatte er noch über den Folianten geforscht. Ein großes Licht ist mit ihm erloschen. Als er beerdigt wurde, waren 60,000 Menschen ans den Straßen, die ihm die letzte Ehre erweisen wollten. Sein Name, der im Leben der „Große" war, sei über's Grab hinaus gesegnet rraiun. — Ein bekanntes, in Rußland sehr verbreitcs Witzwort des Minsker dna möge hier eine Stelle finden. Als er eines Tages eine Trauung vollzogen hatte, berichtete man ihm voller Entrüstung, daß die Neuvermählten sofort nach der nein sich in der Synagoge öffentlich umarmt und geküßt hätten. „Nun" meinte Rabbi Josua, „was ist da weiter bi 'vpb ist die Thora schon zu Ende." P a l ä st i n a. O"') Zefath im Februar. Ein soeben von der hohen Pforte erlassenes Gesetz wird gewiß nicht verfehlen, unter den jüdisch-arabischen Gemeinden (ni^np) des türkischen Reiches große Mißstimmung hervorzurufen. Das Gesetz verordnet nämlich, daß in allen Schulen, sowohl in den öffentlichen als in den privaten, die türkische Sprache obligat gelehrt werden müffe. Abgesehen nun davon, daß jede Gemeinde, auch wenn ihre materiellen Mittel es nicht gestatten, einen eigenen Lehrer für das Türkische wird anstellen müssen, wird auch der Zeitverlust, den das Erlernen der genannten Sprache verursachen wird, ein beträchtlicher sein. So werden von nun an, auch die Israeliten in Palästina, Syrien, Mesopotamien und Arabien, für die das Türkische weder nöthig noch nützlich ist, dasselbe doch erlernen müssen, um es dann, wenn sie die Schule verlassen haben werden, wieder zu vergeffen; auch die jüdischen Coloniften in Palästina werden nun das Türkische erlernen müssen. Uersonatien. Dchubin, tut Februar. Das seltene Fest einer Diamanthochzcit begingen dieser Tage die emcrit. Lehrer B r a u nhar d t'schen Eheleute. Am Abend zuvor wurde dem Jubelpaare von sämmtlichcn Lehrern hiesiger Stadt und nächster Umgegend ein Ständchen gebracht, und das Hochzcitsfest verlief so glänzend, wie ein derartiges wohl noch nie in tut« fever Stadt gefeiert wurde. Vormittags erschienen die Vertreter der jüdischen Gemeinde, die Vorstände verschiedener Vereine, im Namen der Stadt der Bürgermeister Seiler, der Herr Rentmeister Hausmamt mtd zahlreiche ehemalige Schüler und Frettnde zur Beglückwünschung unter Überreichung werthvoller, angemessener Geschenke, welche auch von auswärts reichlich einliesen. Nachmittags fand ein Festgottesdienst im festlich geschmückten, mit unzähligen Kerzen erleuchteten Tentpel, wo auch Herr Landrath Gras v Rittbcrg anwesend war, durch Rabbiner Herrn Dr. Walther aus Brombcrg, statt. Der Gesang wurde von Schülern unter Leitung des Herrn Lehrer Wolfram ausgeführt. Von Sr. Majestät erhielt das Jubelpaar ein Geldgeschenk, und ein solches auch auf telegraphischem Wege von Herrn Kultusminister Bosse, in der Höhe von 200 Mark. Außer vielen telegraphischen Beglückwünschungen von Freunden, Gönnern und ehemaligen Schülern gingen solche auch von Herrn Kultusntinister Bosse, von Herrn Gehcinten Ober-Regierungsrath im Kultusministerium v. Ehappius aus Berlin, aus Amerika mtd aus Dänemark ein. Des Abends fand zu Ehren des Jubelpaares ein Fest, verbunden mit Eonccrt veranstaltet voit ehemaligen hiesigen Schülern nnd Frcttnden, im Ristau'schen Lokale stark. Das Jubelpaar verblieb bei diesen! Schlußakte bis zu später Abendstunde, und Herr Braunbardt, welcher geistig sehr erhalten, brachte unter mehreren andern auch noch humoristische Toaste recht sinnreich zutu Vortrage. Zum OOjährigcn Amtsjubiläum erhielt Herr Braruthardt seiner Zeit den Adler des Hohenzollern- .Hausordens verliehen. Wereirtsnachrichlen. Mattersdorf. Dem Jahres - Bericht des Vereins „Jcsodc-Thoras-Emes" ncN min HiD’ man zu Mattcrsdors über das Verwaltungs-Jahr 5655 rmn entnehmen wir: Den Freunden nnd Gönnern unseres diesbezüglichen Strebens können wir bei Uebermittlung dieses Jahresberichtes mit freudiger Genngthuung die Botschaft bringen, daß auch im ttcrfloffenen Jahre unsere gut freguentirtc Anstalt den ihr attvertrantcn Zöglingen eine sorgfältige, zielbewußte jüdische Erziehung und Bildung angedeihen ließ und daß der Erfolg, Dank der pflichttreuen, eifervollen Hingabe der Lehrkräfte, sehr befriedig nd ist. Wir entsprechen einem aufrichtigen Herzensbedürfnisse, indem wir allen edlen Gönnern und Freunden unserer Institution den wärmsten Dank aussprechen und wir erlattben uns, an Sie wieder die inständige Bitte zu richten, in dem Wohlwollen gegen unsere Schule auszuharren und den Kreis unserer Gönner uns ertvcitern zu Helsen. Rühmlichst hervorzuhcben. nehmen wir mit Vergnügen Anlaß die schöne nachahmungswürd'ge Leistung des Herrn Wolfgang Trebitsch aus Wien, der schon einigcmale die Semesterial-Prüsungen unserer Schule mit seiner Gegenwart beehrte und dabei an heivorragend fleißige Zöglinge Stipendien bis zu 20 fl. Ocst. W. vcrtheilte und dies auch in Zukunft zu thnn versprach, ohnedies aber auch dem Vereine jährlich 25 sl. zur Bestreitung seiner Darlehens-Zinsen zukomtnen läßt. Die Lasten unserer Anstalt erfahren mit zunehmender Entwicklung eine Steigerung, viele unserer Zöglinge, auf