Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1896-03-02 · Heft 18 (2.3.1896) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 18 (2.3.1896)
Date
1896-03-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448608-2448627--41380-2490335
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

362 entsagen. Bevor sie sich nach genossenem Mahle erhoben, um ins Leben hinaus zu treten, geloben sie sich seitdem, die neu gewonnene Kraft nicht fernerhin in dieser Weise zu gebrauchen. Du, und nur Dil, bist und bleibst unser Gott. Kein eigenes, mit bewaffneter Hand zu erkämpfendes Königthum ist seitdem das Ziel der jüdischen Zerstreuten. Du, der König der Welt, bist der Urquell alles Segens, bist unser Vater, unser König. Nicht Purpur und Hermelin du bist unsere Machtherrlichkeit uy-t*». Du bist unser Schöpfer utnn. Unter den verschiedenen Bezeichnungen schöpferischer Thätigkeit, ist xiI vorzugsweise ein Schaffen aus Nichts, dem alle Verbindungen fehlen. Auf diesem Niveau war der letzte Rest des jüdischen Volkes unter der hadrianischen Verfolgung angelangt, als die Erlaubniß, die den Heldentod Gestorbenen begraben zu dürfen, als höchste Wohlthat galt. Nach menschlicher Anschauung waren die Zurückgebliebenen zu einem bedeutungslosen Nichts hinabgesunken, aus dem sie nur ein neues Schöpfungswunder Gottes heben und für eine bessere Zukunft erhalten kann. Nicht wir sind unsere Erlöser, Er ist es. Und Er ist es nur, wenn wir von Ihm uns bilden und leiten lassen, wenn Er uns das Heiligkeits-Ideal ist, zu dem wir uns erheben. Darin liegt unsere ganze Kraft. Wenn wir trotz unserer hinfälligen Schwäche, wie sie der Name Jakob ausspricht, uns an Gottes Heiligkeit klammern, werden wir in Gott auch unseren Hirten finden, dessen Führung uns die Selbstständigkeit und die Ausdauer sichert, welche den Kampf mit göttlichen und menschlichen Schicksalsschlägen aufnimmt, wie dies der Name Israel zum Ausdruck bringt. lnSV WNU UNY3 UT1N UWD 'NH n"DN ,“I"N3 .biniP' nyn uyn npp wnp uttfnp An diese historischen Thatsachen, daß die Leichen von Bethar, obwohl sie Jahre lang unbegraben dalagen, dennoch unversehrt und unverwest dem Schooße der Erde übergeben werden konnten, knüpft unser Tischgebet die Ueberzeugung, daß Gott gut ist und allen Gutes thut. Welche Attribute irdischen Majestäten auch ihren Fürstenglar.z verleihen mögen, Gottes Signatur ist, wie dies ja auch die deutsche Bezeichnung Gott sagt: seine Güte. Wenn diese Güte sich im Tode selbst bewährt und sogar Leichen vor Moder und Verwesung schützt, was muß sie erst den Lebenden, was muß sie noch heute allen, was muß sie vor allen uns sein, die wir mit unserem ganzen Leben und Hoffen in dieser beglückenden Ueberzeugung wurzeln und gipfeln. «in ,3»on wn an nv diww yw yboiy men -pon W YD’ tWl ,3’Bö Dieses Bewußtsein versüßt selbst die bitteren Tropfen, welche ein widriges Geschick in unseren Lebenskelch mischt. Die Geschicke und Geschehnisse reifen alle einem einzigen Ziele, unserer eigenen Reife nämlich entgegen. Unter diesem Bilde des Reifens erscheinen der Regenschauer und der Sonnenbrand, die linde Frtthlingsluft wie das reinigende Sturmweiter alle an ihrem Platze. Je glühender die Sonnenstrahlen herniederstrahlen, je heftiger die Stürme toben, um so rascher und sicherer führen sie die Reife herbei. Von den Früchten, die diese Reife bei uns zeitigen möge, werden hier genannt,;n -idh u. a. Indem wir unser ganzes Lebensgeschick Gott und nur Gott anheimstellen, indem wir durch unser ganzes Thun und Lassen bekunden, mir erwarten nur von Gott alles Gute und alles was uns entgegen reift ubvi ydh ist die erste Frucht dieser Reife: p. Wir haben kein deutsches Wort für p. Wenn wir im Deutschen von einem Menschen sagen wollten, daß er p hat, so müßten mir seine Aninulh. seine Liebenswürdigkeit, seine Anspruchlosigkeit uns Bescheidenheit, seine Geschicklichkeit und den ganzen Ton seines Auftretens, seines Thuns und Lassens schildern und hätte dann immerhin noch erst Bruchstücke der Tugend und Vorzüge genannt, deren harmonisches Ensemble dem Menschen in verleiht. Selbst das französische Chic und xln ist nur eine Wortlarve, für die äußere Erscheinung dessen, der alle Tugenden und Vorzüge besitzt, welche der p verleiht. Uno doch ist es der p, den wir in den Augen Gottes und der Menschen finden, der über den Werth unseres Lebens und Wirkens entscheidet Es kann Jemand nun alle diese Tugenden des Geistes und Herzens besitzen, welche die erste unerläßliche Voraussetzung des p bilden, er kann sie aber so linkisch und unbeholfen anwenden, daß er damit seine Umgebung abstößt, statt sie für sich zu gewinnen. Deshalb erscheint der Besitz von p der jüdischen Anschauung als besonderes Gnadengeschenk Gottes, welches wiederholt Gegen stand unseres täglichen Gebets ist. Die Tugend und Vorzüge, die der p voraussetzt, sind dem Menschen etwa so unerläßlich wie der Pflanze Licht, Lust, Feuchtigkeit, Wärme und Erde. Ohne diese Faktoren ist das Wachsthum der Pflanze unmöglich. Aber wenn ste alle vereint vorhanden sind, bleiben Wachsen und Gedeihen dennoch ein göttliches Geheimniß, das uns ewig unergründlich bleibt. Wie die große Zahl der Menschen unserer Umgebung einmal geartet ist, sicheren wir uns ihren Beifall und ihre Gunst am sichersten und leichtesten, wenn wir nichts von ihnen zu verlangen, nichts von ihnen zu hoffen und nichts von ihnen zu fürchten haben. Ist der gütige Gott allein unser Schöpfer, Annehmer und Bildner, ist es ausschließlich Seine Güte die uns unser Lebensgeschick rufen läßt, so ist der fi, den wir finden die erste Frucht, die uns aus dieser Seelenstimmung reift. Wir pochen nicht auf unser R e cht, dessen Geltendmachnung in Gottes Hand

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.