Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 17 (27.2.1896)
- Date
- 1896-02-27
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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354 zu verrichten erlaubt sind. — Das Abnehmen der Haare und Nägel soll deshalb schon Vormittags erfolgen. § 3. Es ist den ganzen Tag verboten Mazzoh zu genießen. Selbst Kindern, wenn sie schon für die Bedeutung des Peßachfestes Verständniß haben, darf man kein Mazzoh geben. Aus Mazzo bereitete Speisen dürfen nach unserem Gebrauche nur in besonders dringenden Ausnahmefällen (z. B. große Schwäche und Krankheit) genossen werden. § 4. Die Erstgeborenen, sowohl väterlicherals mütterlicherseits fasten am Ereb Peßach. So lange der Erstgeborene noch nicht Bar Mizwah ist, fastet der Vater für ihn. § 5. Im Morgengebet fällt mirb 'vdid und ruusV aus.*) Zeitungsnachrichten und «Korrespondenzen. Deutschland. Mainz. Die „Päd. Ztg." schreibt: (Eine Aufg abe für die Antisemiten.) Ein bewährter Volksschulfreund, der nicht dem Lehrerstande angehört, schreibt: Die Quelle alles Wohlstandes ist der Geist, sowohl für das Gemeinwesen wie für den Einzelnen. Ihn nach Möglichkeit entwickeln, heißt daher im letzten Ende den Wohlstand vermehren. Deshalb bringt denn auch keine Anlage mehr Ertrag ein, als die in Schulen gesteckte; freilich nicht dem, der die Schulsteuer zahlt, sondern einer künftigen Generation. Gleichheit der geistigen Anlage, gleiche Einwirkung des Elternhauses, der Gemeinde, der weitern Welt vorausgesetzt, wird der am meisten Aussicht haben, wohlhabend zu werden, der die beste Schulbildung erhält. Von allen Schulen hat die Volksschule den weitesten Einfluß und die größte Bedeutung. Folgenve statistische Angaben sind entnommen dem Werke des Oberbürgermeisters Fürbringcr „Die Stadt Emden in Gegenwart und Vergangenheit", Seite 160/1, für 1892: Volksschulen Schüler Lehrer Ausgaben M. Reformirte Volksschule 663 9 u. I. Handarb.-L. 23.175 LutherischeKlassenschule 628 8 u. 2 Lehrerinnen 21,144 Städtische Volksschule 641 8 u. 2 „ 20,696 Kath. Gemeindeschule 150 1 u. 1 „ 3,753 Israel. Gemeindeschule 85 2 u. i Handarb.-L. 4,690 Wenn man eine Handarbeitslehrerin für 1I2 ordentliche Lehrkraft rechnet, ergiebt sich l as Folgende: auf eine Lehrkraft für 1 Schüler Schüler Ausgaben Reformirte Klassenschule 70 .34,95 „ Lutherische Klassenschule 63 32,67 Städtische Volksschule 64 32,29 „ Katholische Gemeindeschule 75 25,02 „ Israelitische Gemeindeschule 34 55,17 „ Demgemäß könnten die Herren Antisemiten ihre *) Die Vorschriften über Ereb Peßach am SchabboS gelangen in einer der nächsten Nummern zum Abdruck. Zwecke durch eine kräftige Agitation für eine Verbesserung des Volksschulwesens am besten fördern, wenn die Zustände auf diesem Gebiete im übrigen Deutschland ähnlich liegen sollten wie hier. Es ist klar, daß die Schüler, welche zu 70—63 — 64—75 auf eine Lehrkraft angewiesen sind, an geistiger Entwickelung Zurückbleiben müssen gegen die, welche zu 34 eine haben. Im benachbarten Holland ist gesetzlich bestimmt, daß auf eine Lehrkraft nicht mehr als 48 Schüler fallen dürfen. A. B. Berlin, 26. Februar. Die noch junge jüdische Lesehalle und Volksbibliothek erfreut sich solch eines raschen Wachsthums, daß die Nothwend gkeit herantrat, einen Verein zu bilden, an dessen Spitze Männer stehen, welche kräftig an die Erhaltung und Weitergestaltnng der Institution Hand anzulegen haben. Es hat sich deßhalb in voriger Woche der Vorstand genannten Vereins wie folgt, zusammengesetzl: Herr Julius Jsaae 1. Vorsitzender, Herr Oberlehrer Dr. Schäfer 2. Vors., Herr D r. Hirsch Hildesheimer, Stellvertreter der Herren Vorsitzenden, Herr Ma n kiew i cz, Schatzmeister und die Herren Bambus und Motzkin, Schriftführer. In derselben Sitzung wurde beschlossen, daß an jedem Tage ein Mitglied des Vorstandes als Repräsentant in der Lesehalle anwesend sein soll. Für Neuanschaffungen, besonders belletristischer Werke, ist ein größerer Betrag bewilligt worden. Die Ziele des Vereins sind es werth, daß ihm eine große Anzahl Mitglieder zu wünschen wäre, ohne diese werden die Aufgaben des Vereins wohl nicht annähernd erreicht werden können. Ueberall regt es sich Berlin unter den Juden sich fester und fester aneinander zu schließen, das beweist der Verein s e l b st st ä n d i g e r Handwerker jüdischen Glaubens, der in seiner jüngsten Generalversammlung beschloß, mehr in die Oeffentlichkeit zu treten, um allgemein bekannt zu werden. Man müsse mit allen Kräften dazu beitragen, daß die Mißstände, mit denen der jüdische Handwerker heute zu kämpfen habe, mehr und mehr beseitigt werden. Der „Berliner Vereinsbote", Central-Organ für die jüdischen Vereine Berlins, hat in seinem Annoncentheil eine E m p f e h lu n g s ta fe l jüdischer Handwerker eingerichtet, in welcher allwöchentlich aus allen Handwerksständen eine Reihe empfehlenswerther Handwerker genannt werden, um denselben in größerem Maße Arbeit zukominen zu lassen. Aus Baden. Die größte Stadt unseres Landes, Mannheim, zählt gegenwärtig über 90,000 Seelen. Die gemischte Schule dieser Stadt zählt über 11,000 Schüler mit 200 Lehrern, worunter 4 Israeliten. Für die Lehrer, die sämmtlich Staatsbeamten sind und für deren Pensionirung und