Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 17 (27.2.1896)
- Date
- 1896-02-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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342 lichen, im Geiste des wahren Judenthums unermüdlich wohlthätig wirkenden Vereine Heil und Segen und Gedeihen und rufen ihm mit dem Psalmiften zu: Amerika. New-Nork. (Die Orthodoxie und ihre Vertreter in New-Nork.) Das Reform-Judenthum in Amerika hat zum Rückzuge geblasen, die allgemeine Verlegung des Sabbat auf Sonntag ist nicht gelungen, wenn auch einige Gemeinden noch am Sonntage Gottesdienst abhalten. Hat doch selbst Dr. Großmann von Detrott (Mich.), den man gewiß nicht zum conservativen Element des Judenthums rechnen kann, erklärt, daß die Verlegung des Samstages auf Sonntag ein „Failure" sei. Und Gott sei Dank, das wahre, unverfälschte Judenthum macht große Fortschritte, besonders in der Metropole des Landes, in New Jork, in einer Stadt, die über 250,000 jüdische Seelen beherbergt. Gewiß wird es im alten Vaterlande Niemand glauben wollen, daß sich hier eine Gesellschaft unter dem Namen „Jewish Sabbats Observance Association" gebildet hat, die den Sabbat wieder in seine altm Rechte einzusetzen sich bemüht und die unter der Leitung wackerer Männer wie Rabbi Dr. P. H. Mendes, Seelsorger an der spanisch-portugisischen Gemeinde, Dr. Drachmann, Rabbiner an der deutschen Congregation Zichron-Ephraim, Dr. Klein, Rabbiner an der ungarischen „Norfolkstr.-Schule und noch vielen anderen, bedeutenden Privat - Männern steht. Ist es nicht ein Zeichen der Zeit, besonders für Amerika, daß erst am 30 v. M. Mrs. Daniela P. Haps eine Lanze für den alten Sabbat eingelegt hat in einer Lektüre, welche sie vor dem „National Council of Jewish Women" gehalten hat und wobei sie die Frauen Israels aufforderte und ermahnte, am Sabbat keine Einkäufe zu machen. Ja! Das conservative Judenthum ist im Wachsen und Blühen begriffen, das Judenthum in Amerika hat eingesehen, wohin die Radical-Reformen Israel führen wollen, nämlich zu einer Verschmelzung mit dem Christenthum ä la Dr. Krauskopf in Philadelphia. Die Orthodoxie in New 'Jork läßt sich in 2 große Gruppen classificieren, a) die Gruppe, welche an der Easkside vertreten ist und nur gebildet wird von unseren Glaubensgenossen, welche aus oem Osten Europa's kommen, also aus Rußland, Polen und den angrenzenden slavischen Ländern und h) aus der Gruppe, welche größtentheils Juden deutscher Abstammung bilden. Das russisch-polnische Element spielt überhaupt eine bedeutende Rolle in New-Jork. Ich darf es aber kühn aussprechen, daß der deutsche Jude zu dem Gottesdienste dieser Gemeinden sich nicht hingezogen fühlt; denn, abgesehen davon, daß die Aussprache des Hebräischen eine andere ist als bei den deutschen, herrscht bei dem Gottesdienste dieser Gemeinden keine Ordnung und kein Anstand. In Folge dieses, wird der Gottesdienst unserer polnischen Brüder wenig von den deutschen Inden besucht, da er solchen nicht gut versteht und den „Jargon" auch nicht sprechen kann; er geht nur hin, um einmal einen guten Chasan zu hören. Damit sei aber nicht gesagt, daß in New-'Iork zwischen den deutschen und polnischen Juden Feindschaft bestehe, keineswegs, der deutsche Jude steht seinen polnischen Glaubensgenoffen in der Noth thalkräftig bei, und deutsche Juden opfern jährlich Hunderttausende von Dollars für solche Zwecke, die nur ausschließlich dem russisch-polnischen Element zu Gute kommen. In dem jüdischen Ghetto New-'Iorks findet sich keine Straße, wo nicht eine Synagoge steht, ja fast in jedem Square sieht man Häuser, die mit einem jüdischen „Sign" prangen und anzeigen, daß hier eine Chevra, dort eine kleine Congregation ihre Andacht abhält. Eine bedeutende, tonangebende Gemeinde ist die in der Norfolkftraße gelegene ungar. Congregation Ohew-Zedek, die unier der Leitung des streng-orthodoxen Rabbiners Dr. Klein steht. Der Gottesdienst in dieser Gemeinde ist besonders am Freitag-Abend und Samstag-Morgen überfüllt; ein großer Anziehungspunkt derselben ihr Chasan Earmiol, der erst einige Jahre im Lande und als der beste Vorbeter in New- Iork anerkannt ist. Eine weitere an der East-side bedeutende Synagoge ist in der Hemystraße, welche unter der Leitung des Herrn Dr. Zinsler steht. Auch in dieser ist alles nach orthodoxem R'.tus und die Predigten werden in hochdeutscher Sprache gehalten. Außerdem bestehen noch weitere 10 — 15 Synagogen in dem jüdischen Ghetto von New - Jork. In meinem nächsten Briefe werde Ihren über die Orthodoxie unter den deutschen Juden berichten. Feuilleton. per Letzte seines Stammes Erzählung von Alphonfe de la Haye. 16) (Alle Rechte Vorbehalten.) Dr. Longini stand schon mehrere Minuten lang, starr vor sich hinblickend unbeweglich still da. Dann strich er mit der flachen Hand mehrmals langsani über die Stirn; gleichsam als wollte er die Gedanken, die sich hinter derselben in wilder Haft aufthürmten, glätten und ordnen, und richtete einen prüfenden Blick auf Elchonon, der voller Ungeduld