Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 16 (24.2.1896)
- Date
- 1896-02-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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322 getreten, daß man die geläufigen Schlagworte des modernen Judenhasses nur neben die Beschuldigungen des alten Haman zu halten braucht, um ihre Identität sofort zu constatiren. Dem Vorwurf des alten Haman, daß die über alle Länder zerstreuten Juden ein einheitliches Ganzes bilden, liegt dieselbe verleumderische Insinuation zu Grunde, die man heutzutage an das Vorhandensein einer Alliance Jsraelite und in Rußland an den sogen. „Kahal" knüpft, um daraus eine politische Verdächtigung zu schmieden. Zunächst verdenkt also der alte Haman den Juden, daß sie Zusammenhängen, daß sie ein nnNcy sind. Dann nimmt er ihnen das Gegentheil übet, daß sie nämlich zerstreut inva d. h. überall zu finden sind, auch da wo man sie nicht gern hat. Dann hat er wiederum auszusetzen, daß sie nicht zu finden, daß sie gesondert mieo sind, wo ihr Gottesgesetz ihnen die sie isolirenden Schranken zieht. Mit dem Vorwurf iiDv, daß man die Juden überall trifft, soll der G e s ch ä f t s n e i d wach gerufen werden. Mit der Beschuldigung, daß man sie überall als die Jsolirten, Gesonderten itbo erkannt, soll der Racenhaß, und mit der Hervorhebung ihrer eigenthümlichen von allen Völkern verschiedenen Religionsgesetzen, Op bvv nw ormvr, der Glaubenshaß entfesselt werden. Dem König persönlich, der über diese niederen Eigenschaften erhaben ist, spiegelt der Verleumder die nihilistischen, antimonarchischen Tendenzen der jüdischen Unterthanen vor, welche vor allem dem König die Vernichtung der Juden als eine staatsrettende That erscheinen lassen sollen, orrani nw i»n o’tsny nytt *m nw .□“dn? ara» wO -|bon vy DN Unter diese vier Kapitalverbrechen läßt sich alles rubriciren, was die Judenfeinde aller Zeiten je den Juden anzuhäugen versuchten. Wer aber will den Antheil ermessen, den diese Verleumder und ihre Verleumdungen aller Zeit daran hatten, daß der Ueberreft Israels sich kein Unrecht zu schulden kommen ließ, daß die jüdischen Zerstreuten mit doppeltem und dreifachen Ernst darüber wachten, allen Versuchungen zu widerstehen, die man ihrer Rechtlichkeit, ihrer Reinheit und ihrer Anhänglichkeit an König und Vaterland in jeder Form stellte? Wer wollte die Vorsicht, die Besonnenheit, die Lebensklugheit und mittelbar die Bravheit und Biederkeit in Handel und Wandel unterschätzen, welche das Bewußtsein erzeugen muß, fortwährend von solchen Spähern umgeben zu sein, die auf jeden noch so leichten Fehltritt lauern, um daraus Capiel für ihre unlauteren Zwecke zu schlagen! Von dieser Lichtseite, die selbst dem fluchbeladenen Gedächniß eines Haman anhaftet, geht dem Juden eine Ahnung durch die Seele, wenn er sich am Purim den Segen vergegenwärtigt, den ihm selbst der Fluch eines Haman bringt. Wenn er über der Purimsreude, die kleinen und großen Miseren des Lebens vergessend, zu seinem eigenen, freudigen Erstaunen gewahrt, wie selbst die fluchwürdigen Hamansbeftrebungen der Förderung des Segens dienen, den Mordochai seinem Volke gebracht, so hat seine Freude den von unseren Weisen gezeigten, rechten Höhepunkt erreicht. yw ny wmsa bwn w'O Nm -idn (.'t n?UD) *3T)o "imt? pn ths p Noch ungernein belehrender erscheinen aber die Anklagen Hamans in der Ausführung, die rvir der Ueberlieserrrng rmserer Weisen verdanken, wie sich dieselbe im Talmud, Tractat Megilla, Fol. 131>. findet. „Raba sagte: Niemand hat sich so auf die Bösrede wie Haman verstanden. Haman forderte Achaschwerosch aus: Wohlan, wir wollen sic vernichten!" Achaschwerosch: „Ich fürchte mich, ihr Gott könnte mir thun, wie er den früheren (Judenfeinden) gethan." Haman: „Sie sind lässig (schläfrig) in der Erfüllung ihrer Pflichten. (Nach einer anderen Uebersetzung: sie haben ihre Gesetze geändert.)')" Achaschwerosch: „Aber sie haben Rabbiner." Haman: „Sie bilden e i n Volk. — Du wendest vielleicht ein, daß ihre Vernichtung eine Entvölkerung eines Theils deines Reiches zur Folge habe; dies ist nicht der Fall, sie leben unter allen Völkern zerstreut. Auch der Einwand, daß sie einen Nutzen gewähren, der durch ihre Vernichtung uns entginge, ist hinfällig, sie sind unproduktiv. Man kann sie auch nicht in eine Provinz verweisen, denn fie leben in allen Provinzen deines Reiches.?) — Ihre Gesetze scheiden sie von jedem Volke. Sie essen nicht mit uns und verheirathen sich nicht mit uns. Sie erfüllen die Gesetze des Königs nicht, indem sie das ganze Jahr die Worte im Munde führen: es ist heute Sabbat, es ist heute Peßach. Es ziemt dem König nicht, sie zu belassen, denn sie essen und trinken und verachten dabei den König. Wenn einem eine Fliege in den Wein fällt, so wirft er die Fliege fort und trinkt dann den Wein. Wenn aber mein Herr und König einem den Wein berührte, so wirft er ihn zu Boden und trinkt ihn nicht. Wenn es daher dem König gut dünkt, so schreibe er ihre Vernichtung aus." Dieser Dialog ist ungemein belehrend. Die Anschauung unserer Weisen scheidet scharf zwischen Bösrede und Verleumdung. Unter ersterem, wird das Erzählen wahrer, ungünstiger Thatsachen verstanden, 1) fWDIP llttOD :N"D3 N*BHnO 'S niSDPI p IW* nraon p D’ww rw j"n jnmo. 2) nach N"D N"t£nnO.