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Der Israelit · 1896-02-20 · Heft 15 (20.2.1896) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 15 (20.2.1896)
Date
1896-02-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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306 Da wir aus Mangel an Raum den Inhalt der zahlreichen Reden nur andeutungsweise wiedergeben, konnten so sei es uns gestattet, wenigstens eine Rede, und zwar diejenige des Herrn Rabb. Dr. Thieberger in G. Jenikau, im Wortlaute folgen zu lassen. Derselbe sprach: Andächtige Trauerversammlung! Ein Ausruf tiefster und aufrichtigster Wehmuth, des Schreckens und des Schmerzes entrang sich den Herzen aller, zu denen die Trauerbotschaft gelangt ist: ddiibd pnan irun pson am hm* *pv Dr. Josef Guggenheimer, der wie sein Urahn Josef, sein ganzes, ach, nicht allzulanges Leben, nicht allein seinen, ihm in Verehrung und Liebe zugethanen Gemeindemitgliedern, sondern allen seinen Brüdern, dem ganzen Zeitalter als Muster wahrhafter Tugend und Sittlichkeit, ungeheuchelter Frömmigkeit und Herzensgute war; dieses leuchtende Vorbild eines großen Lehrers in Israel ist nicht mehr 5*10 501* so urplötzlich ohne vorhergefolgte Krankheit ward er den Armen seiner heißgeliebten Gattin, seinen Kindern, seiner ihm theuern Gemeinde, seinem heiligen Berufe entrissen! M. G. Ich fühle mich nach solchen Meistern der Rede weder berufen, noch redegewandt genug, um Ihnen auch nur annähernd ein erschöpfendes klares Bild der Schaffenskraft und segensreichen Thätigkeit des Heimgegangenen zu entwerfen. Das kann und soll ja aber auch meine Auf;abe nicht sein in dieser schmerzlichen Stunde des Abschiede-. Hat er doch länger als drei Jahrzehnte in Ihrer Mitte gewirkt, Freud un Leid mit Ihnen getheilt ijnn ton Ihr wisset es ja am besten >X1L"3 D)M irm iw *a, daß ein Fürst des Geistes, eine Größe an Gelehrsamkeit nicht allein für Euch, sondern für die weitesten Kreise in Israel mit Dr. Josef Guggenheimer für immer dahin ist. p*oa msyi dai* *0 aber wer könnte sich, zumal an meiner Stelle angesichts dieses Trauerfalles der Worte enthalten! Seit acht Jahren habe ich als Rabbiner der Nachbargemeinde Jeuikau das Glück genossen in dem tbeuern Entschlafenen einen väterlichen Freund, einen allzeit bereiten Lehrer und Berather gefunden zu haben. Darum kann ich nicht umhin meinem Schmerzensgefühle durch einige Worte Ausdruck zu verleihen, 'v py xm nn m pyoff ia rnpx 'i *p-j id?ao nnaai "na moipo ppy mona naion p nny nxr .jenn prsi ”:m **m mm }an npax ton ino ^an npax (nnx HD 1"D). Unsere Weisen berichten : Als Rabbi Eliasar, Sohn Schimeons, hinübergeschlummert war in die Ewigkeit, da hielt ihm sein Zeitalter bewundernd folgenden Nachruf: Was entsteigt dort der Wüste, wie eine Rauchsäule, durchduftet von Myrrhe und Weihrauch voll köstlicher Gewürze. Denn, wie eine Palme ohne Krümmung zur Höhe strebt, also auch jener Gerechte im bildlichen Sinne, *) er war in der schriftlichen und mündlichen Lehre wohl unterrichtet, bekannt als Dichter und Prediger, also riefen ihm seine Zeitgenossen bewundernd nach. Meine Geehrten! Zu jener Zeit, da der Hintritt des Rabbi Eliasar b. Schimeon erfolgte, waren die Zustände und Lebensverhältnisse Israels tieftraurige; es war nämlich kurz vor der zweiten Z rstörung unseres Heiligthums in Jerusalem, während der Belagerung : einer öden Wüste konnte man wohl nicht allein die po itischen, sondern noch vielmehr die religiösen Zustände Israels vergleichen, die Lehrhäuser lagen schon eine Weile verwüstet, das Band der Zusammengehörigkeit war gelockert; es bildeten sich Parteien, die einander bekämpften und befehdeten; Rabbi Elas. b. Schimeon war an der Spitze einer Partei, die, wie er, bestrebt war den Frieden, die Einheit auf Grundlage der einigenden Gotteslehre wieder herzustellen; doch das Verhängniß konnte nicht mehr abgewendet •) Siehe Raschi z. Hohel. z. Verse nbiy ns* *D. werden; aber bei seinem Hintritt, da sind alle seine Zeitgenossen von Bewunderung für dessen Größe, Muth, Unerschrockenheit, für dessen Gelehrsamkeit und Charakterfestigkeit hingerissen, in die Frage ausgebrochen: In einer so wüsten Zeit, solch' ein Mann! welch' ein Wunder doch! siehe, eine herrliche Palme inmitten einer großen Wüste! Das Bild, meine Geehrten, welches Israel in der Gegenwart, namentlich in unserem engeren Vaterlande dem Auge unseres vorurtheilslosen Beobachters darbictet, ist wahrlich kein erfreuliches; der Ansturm des Feindes von Außen, die Spaltungen und Zerklüftungen in eigenem Lager, Gleichgiltigkeit auch gegen die heiligsten Angelegenheiten unserer Religion drücken auch unserer Zeit wie jener des R. E. b. Sch. ihre Signatur auf. — Und an diesem Sarge, welcher die sterblichen Ueberreste des Rabbiners Dr. Joseph Gugenheinier birgt, müssen nicht auch alle Zeitgenossen bewundernd ausrufen IDlDn p D?iy nx? ID. Solch ein herrlicher Mann in einer in Glaubenssachen so wüsten Zeit! War er nicht einem Leuchkthurm vergleichbar in dunkler Nacht, der bei stürmisch erregter See weithin den verirrten Schiffern den rechten Weg zeigtet Ja, und war er nicht der feste Granit im Meere der Zeit, an welchem die Wellen einer ungesunden, verderbtichen Zeitströmung machtlos abprallten Y pmi ”Jm ”ip mm die mündliche, wie die schriftliche Lehre machte er zu seinein geistigen Eigenthume und diese erstaunlichen Kenntnissen erhielten bei ihm einen erhöhten Werth dadurch, daß er sie in so edler, ansprechender, begeisternder Form, seinen gespannt lauschenden Hörern darzulegcn verstand. Seine Vorträge ."mall DD niDipD seine Predigten bildeten an Feier- und Sabbattagen die Würze der Festesfreude, sie boten eine Erfrischung dein Geiste, eine Erquickung dem Gemüthe, da gab es keine leere Phrase, keinen inhaltslosen Wortschwall, das war ein gesunder, kräftiger Geist, geschöpft aus dem tiefen unerschöpflichen Borne der Gottes - lehre, die seinem erstaunlichen Gedächtnisse immer gegenwärtig war. Doch muß ich mich selber mit den Worten des XJ’jn'l unterbrechen *]1D1 xnatp nj*nD”D hast Du nun das Lob deines Herrn erschöpfend vcrkü idetY Bedarf es überhaupt bei einem Manne, dessen Losungswort vom ersten Tage seines erwachten Be oußtseins b s zu seinem letzten Athcmzuge wie bei Josef lautete: nt dx Q’Pxn nx ich ehrfürchte nur Gott und kenne keine andere Rücksicht als die Gotteslehre, bedarf cs bei einem solchen Manne des Hinweises auf einzelne Tugenden und N'12D ttf’X *m 501* nx '1 m Weil Gott mit Josef war, darum war sein ganzes Leben ein beglückendes, beglückend für seine Familie, beglückend für alle seine Freunde. Doch wir müssen tief erariffen ausrufen: Ach, nmna nzunon ns der Mund, von dem die Gotteslehre so lieblich hervorquoll, mußte schon geschlossen, werden! Das Herz, auf welchem die Gottesschrift, wie auf den Bundestafeln eingegraben war, mußte schon zu schlagen aufhören! Aber wie auch die todren Gebeine Josefs auf ihrem Zuge durch die Wüste den Israeliten als kräftiger Hinweis auf die Gotteslehre dienten, also wird auch die Erinnerung an den edlen Heimgegangenen segensreich fortwirken, namentlich in dieser ehrwürdigen Gemeinde. Das Wort Gottes, feine Verheißung an die Gerechten des jüngsten Wochenabschnittes X7DX ")'D* 1DDD nX. Ich werde die Zahl Deiner Jahre voll machen, wird nach einerweisen Erklärung dahin aufgcfaßt, daß dann die Jahre des Menschen voll genannt werden, wenn seine Kinder in fernem Geiste fortleben und das wird ja sicherlich hier der Fall sein. So möge der Tröster in den Höhen Linderung und Aufrichtung senden der schwergebeugten Familie, möge er Trost senden der hartbetroffenen Gemeinde und allen um den edlen Verblichenen Trauernden! Die Nacht sinkt hernieder und wir kehren heim in Dunkelheit, Du aber verklärter Geist ziehst ein in eine Welt voll Licht. HTO pns 13*

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