Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 15 (20.2.1896)
- Date
- 1896-02-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XXXm. Jahrgang. Erste Beilage M M 15 des „Israelit". Leitender Artikel. D«s KelitzkiilieWgulß Nüdbiml Dr. GWeuhelmr's >^7 Kolitt, 12. Februar. Die Beerdigung des Herrn Rabb. Dr. Guggeuheimer > '*] gestaltete sich zu einer Trauerkundgebung, wie sie unsere Stadt seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hat. Da war kein Unterschied zwischen den einzelnen Konfessionen zu merken, fast jeder hiesige Bürger, ob Jude oder Christ, betrachtete es als seine Pflicht, dem ebenso beliebten als bedeutenden Manne die letzte Ehre zu erweisen. Es erschienen als Deputation der Präses der isr. Cultusgemeinde Prags, Herr Dr. Arnold Rosenbacher in Vertretung derselben, der Obmann und Obmannstellvertreter der Prager israel. Beerdigungs-Brüderschaft, Herr David Lieben und Herr Hernlann Jnwald, in Vertretung der Altmänner, Herr Samuel Lieben, ferner die Herren Oberrabbiner Dr. N. Ehrenfeld und die Rabbiner Dr. A. Kaminka und Dr. Kisch, sowie auch viele Private, unter diesen Herr.jur. Dr. Markus Fischer und Herr.jur. Dr. I. Petschek. Am Bahnhofe hatten sich zum Empfange der Deputationen der Vorsteher der Koliner isr. Cultusgemeinde Herr .jur. Dr. Podwinee und Herr Director S. Kraus und Mitglieder des Vorstandes eingefunden. Um 2 Uhr Nachmittags fand die rituelle Leischenwaschung und um 3 Uhr das Leichenbegängniß vom Trauerhause aus statt. Nachdem aus demselben der Sarg, in welchem die irdische Hülle des Entseelten ruhte, auf die Straße, wo ihn eine nach vielen Hunderten zählende Menge erwartete, getragen wurde, setzte sich der imposante Zug, den die Koliner Schuljugend, der Frauenverein, der Veteranenverein, die Feuerwehr und zahlreiche andere Körperschaften eröffneten, durch die Straßen, in denen die Läden während der Dauer desselben geschlossen blieben, nach dem eine halbe Stunde von der Stadt entfernten israelitischen Friedhofe in Bewegung. Hinter dem Sarge, welcher abwechselnd von Gemeindemitgliedern bis an die Stätte, die sich „Haus des Friedens" nennt, getragen wurde, schritten die drei Söhne des Verblichenen, sowie die Schwäger desselben, die Herren Dr. Breuer, Rabbiner der isr. Religionsgesellschaft in Frankfurt a. M. und Rechtsanwalt Raphtali Hirsch, ebenfalls aus Frankfurt a. M. Diesen folgten der Vorstand der Koliner isr. Cultusgemeinde mit ihrem Obmann Herrn Dr. Podwinee an der Spitze, der Prager Oberrabbiner Herr Dr. Ehrenfeld, die Rabbiner Herren Dr. Kaminka, und Dr. Kisch, der Rabbiner der Wiener orthodoxen Gemeinde Herr Dr. Kohn, nebst deren Vorstand, dem Herrn k. u. k. Hoflieferanten, Herrn Marcus Bondi, und Rabbiner aus Nachod, Goltsch-Jenikau, Kuttenberg und noch anderen vielen Gemeinden. Der Stadtrath hatte sich in corpore eingefunden, auch der k. k. Bezirkshauptmann, der k. k. Bezirksrichter, sowie viele andere Beamte und angesehene Bürger gaben dem Verstorbenen das letzte Geleite. Mit einer überaus großen Zahl von Trauergästen schloß der imposante Zug. Als dieser beim Friedhofe angelangt war, wurde der Sarg abgesetzt. An demselben hielt zuerst der Sohn des Verblichenen Herr Rabbiner Dr. Raphael Guggenheimer, obgleich gefaßt, dennoch eine geradezu erschütternde Trauerrede, die erste, die er überhaupt gehalten, und die kein Auge thränenleer ließ. Hierauf ergriff der Prager Oberrabbiner Herr Dr. Ehrenfeld das Wort zu einer mächtig wirkenden und fascinierenden Rede, deren Inhalt mit seinem Schmerz nicht nur über das Erlöschen eines mit allen Tugenden geschmückten, von Glaubensfestigkeit und Gottesfurcht erfüllten Lebens, sondern auch über den Heimgang eines feiner Gesinnungsgenossen in vollster Uebereinstimmung zu sein schien. In dem nächstfolgenden Redner, dem Schwager des Verstorbenen, Herrn Rabbiner Dr. Breuer, lernte man einen eminenten Rhetoriker kennen, der mit der Schönheit der Sprache und dem Ausdrucke seelischer Empfindungen Gedankenreichthum verbindet. Es hielt sodann Herr Dr. Podwinec, der als Cultusvorsteher Gelegenheit hatte, mit dem Verstorbenen oft zu verkehren, demselben einen Nachruf in cechischer Sprache, in welcher er die Verdienste desselben um die Gemeinde, deren Stolz er gewesen, um die Erhaltung des Friedens in derselben, um die Jugend hervorhob und ihn als einen Seelenhirten schilderte auf den die Gemeinde jederzeit mit Verehrung blickte. Die Rede, schwungvoll gehalten, verfehlte nicht, auf die Anwesenden einen tiefen Eindruck zu machen. Die nächstfolgenden Redner waren Herr Rabbiner Dr. Kisch, Obmann der Prager isr. Beerdigungsbrüderschaft, Herr David Lieben, der zu sprechen im letzten Augenblicke erst aufgefordert wurde, ferner die Herren: Rabbiner Dr. Kohn, Rabbiner der orthodoxen Gemeinde in Wien, Rabbiner Dr. Goitein in Nachod und Dr. Thieberger, Rabbiner in Goltsch-Jenikau. Herr Rechtsanwalt Dr. Napthali Hirsch ans Frankfurt a. M., sowie noch einige auswärtige Herren, welche in der Rednerliste vorgemerkt waren, verzichteten mit Rücksicht auf die inzwischen hereinbrechende Nacht auf das Wort.