Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 15 (20.2.1896)
- Date
- 1896-02-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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299 trübt und beeinträchtigt werden, aber mit dem Adar- Monat werden die Wege und Straßen wieder in den Stand gesetzt, die zum Gottesheiligthum führen uno die Quellen der Reinigung werden neu eröffnet, welche jedem, der sie aufsucht, die verlorene Reinheit wiederbringen. Sind die Gedanken, welche Paraschat Para wecken wollen, erst bei uns lebendig geworden, so trennt uns nichts mehr von unserem Frühling. Wie der dem Heilgthum zugewandte Blutstropfen nicht dem Staub und der Asche verfällt, so ist auch der zum Licht sich empor ringende Saatkeim nicht dem Winter unterlegen und hat die auf ihur lastende Erdmasse siegreich überwunden. Mit dem Gedanken der Reinheit und Unvergänglichkeit ist der Frühling bereits in jede Menschenbrust eingezogen, und der Frühling draußen in der Ratur erscheint nur als äußere Bestätigung dessen, was sich tief im Menschenherzen in stiller Seligkeit vollzogen hat. ]'2 ','P’DBD i*N nun -O NDH ÜV2 'b '2"> .aninrfc me „Rabbi Lewi lehrte im Namen des Rabbi Chama bar Charina zwischen Para und Hachodesch findet keine Unterbrechung statt." (Talmud, Jeruschalmi, Perek III.) Höher und herrlicher aber ist dieser aus dem Worte Gottes erblühende Menschen- und Völkerfrühling als der erwachende Lenz in Flur und Wald, den der belebende Strahl der Sonne hingezaubert hat. «Rabvi Jakob lehrt: Wer Thora lernend seines Weges dahin geht und unterbricht sein Lernen mit den Worten: „Wie schön ist dieser Baum, wie schön ist diese Flur", der hat sich an seiner Seele verschuldet." (Sprüche der Väter III. 7.) Die Lieder, welche die Dichter sonst überall dem Lenz singen, feiern allerdings die vollendete Harmonie, welche die Fcühlingsso.nne beleuchtet, zu der jeder Grashalm am Wege sein Amen nickt und jeder Vogel in der Luft seine Zustimmung zwitschert. Aber diese Frühlingshuldigung fließt aus dem Schmerz darüber, daß im Kreise der Menschen dieser Einklang fehlt, daß in dieser eigenen Brust die Zerriffenheit und der Zwiespalt nisten, während draußen alles Friede und Verb.üderung athmet. Dieser Einklang fehlt, weil im Kreise der Menschen Tod und Leben, Reinheit und Unreinheit, Gesetz und Willkür nicht so scharf und kenntlich geschieden sind, wie im Kreise der Natur. Tod und Leben liegen unter der Erve. Dieselbe Scholle begräbt die Abgestorbenen und gibt der Saugwurzel der Pflanze neues Leben. Die Pflanzenwurzelfaser sucht und findet das ihr entsprechende, Gedeihen und Leben Fördernde unten in der lichtlosen Tiefe und weist alles von sich, was ihrem Wachsthum und ihrer Entwickelung nicht förderlich ist. Sie scheidet scharf und sicher das ihr Zusagende von dem ihr Schädlichen. Nicht so der Mensch. Seinem Auge und seinem Herzen nachgehend, weiß er aus sich nicht, was ihm zusagend und was ihm unheilvoll ist. Dazu ward ihm Gottes Gesetz. Es hat im tiefem Grunde nur die Bestimmung rrropn pn das Todte, Unreine und Unfreie von dem Lebendigen Reinen und Freien scharf zu sondern. Dieses scharfe und entschieden Abgrenzende zwischen Reinem und Unreinem war daher die letzte aller Maßnahmen, welche die höchste Gesetzesbehörde im Monat Adar traf. Auch diese Veranstaltung haben wir eingebüßt mit dem heiligen Boden, auf welchem sie zum Ausdruck kam. Weil uns dieser Boden fehlt und diese Anforderung somit nicht mehr stellen kann, laffen die großen Regler unseres Lebens diese Mahnung die Himmel über uns verkünden, von welchen ungetrübt von irdischen Einflüssen die Reinheit des Aethers herniederstrahlt. Hoch am Himmel ziehen die Träger des Lichtes ihre ewigen, von Gott ihnen gewiesenen Bahnen. Hoch über den Häuptern der Sterblichen leuchtet die Sonne, glänzt der Mond, strahlen die Sterne und bilden durch ihr Steigen und Sinken, ihr Kommen und Gehen die unwandelbaren Maßstäbe der Zeit und ihrer Geschehnisse. Seitdem Menschen zu diesen mächtigen Himmelskörpern enrporblicken, waren die Gesetze ihres Laufs, war der Einfluß, den sie auf Tag und Nacht, auf Blühen und Gedeihen ausüben, Gegenstand sorgfältiger Beobachtung und Forschung. Aber der Einfluß, der ein Aufblick zur Sonne, zum Mond und den Sternen auf den inneren Menschen zu üben vermag, die lichten Gedanken der Erhebung und Weihe, der zuversichtlichen Hoffnung auf die nie zu verlierende, weil jederzeit wieder neu zu gewinnende Sühne und Reinheit, die Pflege dieser von den Himmelsgestirnen in die Menschenherzen leuchtenden Wahrheiten war dem Volke überantwortet, dessen Ahn aus der Sternenschrift am Himmelsgewölbe hoffen gelernt, dessen königlicher Sänger die Sprache in Worte gefaßt, in welcher die Himmel die Ehre Gottes erzählen, dessen Führer von Gott selber auf das immer wieder und wieder die Finsterniß überwindende Neulicht des Monds mit den Worten gewiesen wurden: «npi run r n , u&v nein . O27 n;n «nnn „Diese Verjüngung sei euer eigenes Vorbild, ihr bloßer Anblick werde eine Mahnung zur Selbstheiligung." Im talmudischen Schriftthum wird wiederholt eine Pflanze erwähnt, die den Namen *hn, Adar führte, ganz wie unser Monat. Ueber dieselbe findet sich folgender Ausspruch: pa pv' lD'-prvir r.xnn “nw „Wer will, daß seine Güter erhalten bleiben, der pflanze Adar darin. (Talmud Beza. fol. 15.) Welches der Sinn dieses Ausspruches auch sein