Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 14 (17.2.1896)
- Date
- 1896-02-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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283 Lockeren und Nachzügler erfaßt der Sturm, welcher den Ganzen, Festen, treu zum Stamm haltenden die Luft reinigt und sie von Gewürm und Schmarotzern befreit. Die Blüthen und Blätter, die dem Sturm Widerstand leisten, überdauern ihn, die sich ihm fügen und sich ihm anschließen, fallen ihm zum Opfer. Deßhalb verkennt Israel die Stürme nicht, die über es hingegangen, es denkt, was Amalek ihm gethan, denkt an die tavVMahuung s eines Kilajim-Verbots und ist dadurch gefeit gegen alle Unbilden amalekitischen Judenhasses. Friedlich zieht es seinen Weg durch die Zeiten und Völker, cs verkehrt ruhig und einträchtig mit seiner Umgebung, ohne sich mit derselben zu vermischen oder gar in sie aufzugehen. Es lebt der festet! Ueberz mgung, gerade durch diese Friedfertigkeit einerseits und durch selbstständige Bewahrung seiner Eigenart andererseits, daß seine Wahrheiten, seine Welt- und Lebensans auungen noch einnral Gemeingut der Menschheit und ihr so den ewigen Frühling sichern werden. Wer und was in der Gesellschaft wie in der Natur einen Einfluß auf andere ausüben soll, darf feine Eigenart nicht aufgeben. — Der Feuerbrand, der neben oder unter dem kalten Wasser liegt, wird ihm mit der Zeit einen Theil seiner Glurh übertragen. Wer aber nun glauben wollte, wenn das Feuer neben dem Wasser schon solchen Einfluß hat, wie müsse es das Wasser erst erwärmen, wenn man in dasselbe den Feuerbrand bringt, der würde sich gründlich irren. Deshalb gilt der zweite Mahnruf des Adar- Monatü der Eigenart der Pflanzen und sein Paraschath Sachor derjenigen der jüdischen Menschen, denen sie durch die Purinrfeier in diesem Monat noch besonders verbrieft und besiegelt ist. Diese treue Bewahrung der jüdischen Eigenart mag uns of: isolirt erscheinen lassen, aber daß es diese Aufrechterhaltung unserer jüdischen Eigenthümlichkeit allein ist, die uns zu allen Zeiten schwerer Bedrängniß rettend zur Seite steht, das verbürgt uns Purim, das belebt uns alljährlich die Purimrolle wieder. Sie läßt nicht das drückende Gefühl aufkcmmen, welches sonst das Bewußtsein vollendeter Schutz- und Wehrlosigkeit wohl zu erzeugen vermag. Gerade an d i e Kreise und Städte wendet sie sich in erster Reihe, die keinen äußeren Schutz, nicht Wall und Mauern besitzen und bringt ihnen den Geist freudigen Gottvertrauens, der jeder äußeren, von Menschenhänden geschaffener Schutzwehr entrathen kann. Vor dem Gesetz, das unsere Eigenart ausmacht, aus dessen treuer Erfüllung aber auch dieses heitere Gottvertrauen erblüht, vor diesem Gesetz fielen, als seine Bekenner den ersten Fuß auf den heimischen Boden setzen, die stolzen Mauern der stärksten Festungen. An die Städte, die von jener Wundernacht des Gottesgesetzes aus Josuas Tagen noch in unserer Zeit zeugen, wendet sich daher an einem besonderen Tage die Purim-Rolle und ruft sie als Zeugen auf für die Wahrhaftigkeit ihres Inhalts. rivin D'&piD Di'Np D’znui rn^i-ü niTjn nw'v noin Q'Bp*Dn ü'ztd, Y»a nmp p p yitnr,’ rnv'v .(/j pp raa jmp ft p y«nrn Dies ist der Sinn der Beifügung, welche unsere Mischnah, der Schekel- und Kilajim-Mahnung folgen läßt: p"Da r6*an nt ]ni; u ,wy nrons, daß man am fünfzehnten Adar in den Festungen (die aus Josuas Zeit stammen) die Purimrolle liest. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. Bei der jüngst stattgehabten Reichstagswahl in Mayen erhielt ein antisemitischer Candidat 561 Stimmen, eine ganz geringe Stimmenzahl im Verhältniß der gesaminten abgegebenen Wahlstimmen. Aber das Jntereffante davon ist der Name des antisemitischen Candidaten „Pater Cohns." Wie viele Generationen hindurch mag die Familie,C o h n s" wohl schon antisemitisch sein und was sagt der Rassenantisemitismus dazu? Berlin, 15. Februar. Herr v. Egidy hat sich vor Kurzem in einem Vortrag über seine Stellung zum Antisemitismus ausgesprochen. Herr v. Egidy stellt, wie die Tägl. Rundschau berichtet, außer dem „Geschäftsantisemitismus" drei Arten der Gegnerschaft gegen die Juden fest. Zuerst sei es der konfessionelle Standpunkt. Verschwände, wie er, Redner, es verlange, die Konfession überhaupt aus unserem öffentlichen Leben, um einer wahren Religiosität Platz zu machen, überlasse man es dem Einzelnen, wo er die Wurzeln seiner sittlichen Kraft fände, bei Buddha, bei Moses oder bei dem Stifter der christlichen Religon, urtheilte man allein nach dem Satze „An ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen", so gäbe es nach der Seite keinen Antisemitismus. Ernster sei die Frage vom Rassenstandpunkt aus. Da stände der Arier dein Semiten nicht gegenüber, sondern neben ihm. Als Deutsche haben wir allerdings das Recht, unsere Einrichtungen nach unserem eigenen Empfinden zu gestalten, aber kein Jude wird sich diesen! Wandel in Unseren Zuständen auf Grund seines Judenthums widersetzen. Haben wir Einrichtungen, wie er (o. E.) sie erstrebt, so geht die Jndenheit von selbst in der Kulturwelt auf. Gäbe es dann allerdings noch Juden, die Werth darauf legten, nur Juden und nicht Deutsche zu sein, dann müßten sie sich gefallen lassen, nicht unfreund-