Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 14 (17.2.1896)
- Date
- 1896-02-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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282 lasten kann. Dieses iyvb-Gesetz wird besonders bei der Schöpfung der Pflanzenwelt in einer Weise betont, welche die Beziehungen zwischen dem Menschen- und dem Pflanzenleben dem aufmerksamem Beobachter nahe legen. In der Schöpfungsgeschichte wird berichtet, daß Gottes Wort für die Bäume angeordnet habe, sie sollen ihrer Art — — treu bleiben und sich nur innerhalb der von ihr gezogenen Schranken entwickeln. Bei den Gräsern und Kräutern finden wir diese Anordnung merkwürdigerweise nicht. A'ichtsdestoweniger wird auch von ihnen berichtet: wnro nyob jni ymo ivy Nicn pinn ohne besonderes göttliches Geheiß brachte die Erde Gräser, Kräuter hervor, die ihren Samen nach ihrer Art erzeugen. Raschi bernerkt zur Stelle: ncto 'S by ■p by ni&wn rDXJP lyo» , ■prrvisa d'nkh3 -nyo1? V^in ntDTwa mj*o 'ed^d joxya “idtti bp imim) „Obwohl die Forderung, der Art treu zu bleiben, bei den Gräsern nicht ausgesprochen wurde, so hörten sie es aber, als es für die Bäume angeordnet wurde, und zogen daraus den Schluß, daß sie in noch viel höherem Grade an diese Weisung gebunden seien, wie dies in der Agende des Traktates Chullin erklärt wird/' An dieser Stelle, fol. $0 a., wird diese Folgerung nach verschiedenen Seiten eingehend erörtert. — Aus den dort gegebenen Erörterungen dürfte sich die Annahme rechtfertigen lassen, daß unsere Weisen hier auf eine Thatsache aufmerksam machen, deren Bedeutsamkeit weit über das Gebiet der Bäume und Kräuter hinaus, in das Gebiet menschengesellschaftlicher Zustände reicht. Wenn die großen, selbstständigen, fest im Boden wurzelnden Baumriesen zur Sicherung ihrer Dauer in der Zukunft auf das treue Festhalten an ihrer ursprünglichen Art und Gattung gewiesen sind, so müffen sich die schwachen, niederen Gräser selber sagen, daß sie verloren sind, sobald sie ihrer von Gott ausgeprägten Eigenart untreu werden. Uns lehrt daher ein Blick auf die sich unter dem Diktat des Kilajim-Verbots entfaltende Pflanzenwelt: Je kleiner, unscheinbarer und winziger wir scheinen und es vielleicht auch wirklich sind, um so hingebender müßten wir üher unsere Eigenart wachen, daß wir sie nicht einbüßen und mit ihr uns nicht selber verlieren. Sollten wir aber dennoch je diese Eigenart abstreifen und des Kampfes müde in unsere Umgebung aufgehen wollen, so schickt Gott seine Stürme, die uns mit Gewalt zu unserer Bestimmung zurückführen. Das ist der Zusammenhang zwischen dem Schekel- und Kilajimrufe; es ist derselbe Gedanke, der alljährlich auf -rai 'b 'ei folgen läßt. Es gibt leider viele in unserem eigenen Kreise, die für den Schckelruf, für die Mahnung zusammen zu halten, gemeinsam zu spenden und zu steuern für unsere großen, heiligen Anliegen, vollständig taub sind. Sie finden die Verwirklichung des Völker- und Menschenfiühlings nicht in diesem Anschluß. Sie glauben vielmehr mit diesem Durchdrungensein von unserer jüdischen Lebensaufgabe und dem rückhaltlosen Ausdruck derselben nicht den Lenz, sondein die winterliche Abgestorbenheit zu fördern, zu welchen uns die große Maste seit Jahrtausenden verurtheill glaubt. Sie meinen vielmehr durch Lossagen von der jüdie schen Eigenthümlichkeit und durch Anschluß an die sie umfluthende nichtjüdische Welt ihrem Volk die Verjüngung des Frühlings zu bringen. Da erleben sie nun die schmerzliche Enttäuschung, überall zurückgewiesen zu werden. Ihren Anschluß verlästert man als Aufdringlichkeit, ihre Zurückhaltung als Theilnahmslosigkeit, ihre Thätigkeit als Ausbeutung, ihre Unthätigkeit als Bequemlichkeit. Sie glaubten, der Frühling sei längst gekommen und sind daher von der Kälte ihrer Umgebung und dein frostigen Benehmen, dem sie überall begegnen, bitter enttäuscht. Deßhalb legt uns die Kilajim-Mahnung die Bedeutsamkeit nahe, die selbst für die Pflanzenwelt in der Wahrung der Eigenthümlichkeit eines jeden Gräschens liegt, tdi 'b aber vergegenwärtigt uns an dem ersten Vegegniß mit Amalek die Gefahren, die für uns darin liegen, wenn wir diese Kilajim Mahnung in unfern menschengesellschaftlichen Beziehungen außer Acht lassen. Diejenigen, die treu der Mahnung von Paraschath Sachor nicht vergessen, was Amalek uns gethan, sind auf alles dieses vorbereitet und werden deßhalb nicht schmerzlich davon überrascht. Gewiß bedauern auch sie die Entfremdung und Gehässigkeit, unter welcher alle leiden. Aber in dem innigen Anschluß an d.n heimischen Kreis finden sie reichen Ersatz für die Annäherung, welche ihnen die Außenwelt versagt. Wohl schauen auch sie sehnsüchtig der Verwirklichung des Menschenfrühlings entgegen, in welchem alle friedlich und glücklich neben einanderleben, ein harmonisches, von keinem Mißion getrübtes Ganzes ausmachen werden. Aber sie sehen diese Hoffnung nicht in dem Aufgeben, sondern in dein treuen Festhalten jeder berechtigten Eigenthümlichkeit verwirklicht. So wie jedes Hälmchen und jedes Pflänzchen in dem großen Blumenflor des Frühlings, seine Form und Gestalt, seine Farbe und Bedeutung nicht aufgibt, so soll es auch im Kreise der Menschen werden, wenn ihr Frühling zur Wahrheit geworden ist. Auch die Wetter und Stürme des Frühlings gehören zum Frühling. Mögen sie auch zahllose Blüthen zu Boden werfen, sie treffen wie Amalek nur D^nzMn diejenigen, die ohnedies nicht fest mit dem Mark des Baumes verwachsen waren. Die Halben,