Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 14 (17.2.1896)
- Date
- 1896-02-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit M 14. Eiu Genlrat-Hrgan für das orthodore AudenIHurn. Begründet do« Dr. Lehman» in Mainz. Montag, den 17. Februar 5656 (1896). «ür Eine Mnekr abonnirt man bei allen Postanstalten für den Monat ä, r z auf den „Israelit". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-Zeitungsschalter deS Wohnortes des Bestellers oder bei dem betreffenden Landbriefträger aufgegeben werden. Die Expedition des „Israelit". Leitender Artikel. Der Adar-Wonat. ii. Mainz, 16. Februar. Die zweite Aufforderung, die mit dem ersten Adar alljährlich durch die israelitischen Lande ging, mar die gerichtliche Mahnung an jeden Feldbesitzer seine Felder, jetzt wo die Saaten bereits überall aufgegangen waren, von Kilajim zu reinigen, d. h. das ungeschiedene Zusammensäen und Zusammenwachsen zweier verschiedener Saalarten zu verhindern. Gerichtsboten zogen dann 14 Tage später durch's Land, um die Ausführung dieses Gesetzes zu überwachen und seiner Uebertretung durch Beseitigung der verbotenen Saaten entgegenzutreten. Das ist der Sinn der Worte by vnxvi, mit welchen die Mischna schließt, welche wir an die Spitze dieser Betrachtung stellten. Es bedarf der Erwägung, was die höchste Gerichtsbehörde wohl bestimmte, gerade das Kilajim- Verbot zum Gegenstand einer besonderen Mahnung zu machen und für seine gewissenhafte Beobachtung, mehr wie für jedes andere Verbot der Thora, Boten auszusenden. Wenn es nicht bloße poetische Schwärmerei ist, die uns schon bei dem Scheckelruf auf die Beziehungen zwischen dein erwachenden Frühling in der Natur und dein zu weckenden Lenz in den Menschenherzen hinmies, dann ist diese ganz besondere Rücksichtnahme auf das Kilajim-Berbot einleuchtend. Wird doch in der Geschichte unserer Befreiung aus Egppten wiederholt mit Nachdruck auf den Frühling als auf die Zeit verwiesen, in dem sich diese Befreiung vollzog. „Heute zieht ihr aus im Frühlingsmonat." (II. B. M. S. 13, V. 4.) „Achte auf den Frühlingsmonat und mache Pesach, dem Ewigen, deinem Gotte, denn im Frühlingsmonat hat dich der Ewige, dein Gott, aus Mizrajim geführt. Nachts." (V. B. M., Cap. 16, V. 1.) Dieser göttliche Hinweis auf den Frühling ist es, den die Weisheit der Weisen aufgreift, wmn sie, um den Gedanken an den Frühling zu beleben, auf die Kinder des Frühlings, auf die Pflanzenwelt, durch Ermahnung und besondere Boten die Aufmerksamkeit lenkt. Der Schekelruf lehrt uns, Dinge und Menschen nicht nach ihrer äußeren Erscheinung, sondern nach innerem Werth und Leistung zu schätzen, zu zählen. Der Kilajim-Ruf erinnert dagegen, wie die innere, wesentliche Verschiedenheit auch in der äußeren Erscheinung zu Tage zu treten habe. Ein jüdischer Weiser lehrt, wenn Gott Israel die Thora nicht gegeben hätte, wir hätten an den Thieren der Erde und den Vögeln des Himmels viele Tugenden lernen können. (Talmud Erubin, Fo!. 100 6.) Ein nichtjüdischer Weiser hat diesen Gedanken auch auf die Pflanzenwelt ausgedehnt und ihn in die schönen Worte gefaßt: Suchst du das Höchste, das Schönste Die Pflanze kann cs dich lehren; Was sie willenlos ist Sei du cs wollend; das ist's. Auf unsere Beziehungen zur Pflanzenwelt weist uns daher die alljährliche Aufforderung hin, verschiedene Pflanzenarten ungeschieden zusammen zu säen, und zwar auf Grund der göttlichen Mahnung, die von Gott eingesetzten Naturgesetze zu reipectiren; noten ’npn rw (III. B. M., C. XIX, V. 19). Nach diesem Gesetz ist jedes Wesen mit seiner besonderen Eigenart geschaffen, die keins ungestraft ver-