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Der Israelit · 1896-02-13 · Heft 13 (13.2.1896) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 13 (13.2.1896)
Date
1896-02-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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256 Uhr unter ganz außerordentlicher Theilnahme statt. Um 9 Uhr schon versammelte sich die ganze israelitische Gemeinde, sowie Freunde, Bekannte und Verehrer aller Confessionen aus nah und fern im Sterbehause, soweit der Raum desielben sie fasten konnte, um der untröstlichen, edlen Mutter und den übrigen Leidtragenoen die innigste Theilnahme an ihrem herben, unersetzlichen Verlust zu versichern und um die dort zur Ehre des Heimgegangenen und zum Tröste der Zurückgebliebenen gehaltenen Reden anzuhören. Zuerst hielt der hiesige Cultusbeamte eine Leichenrede. Hierauf ergriff der Rabbiner von Mutzig, Herr Dr. Goldstein, ein vertrauter Freund des Entschlafenen, das Wort zu einem nach Gehalt und Form sehr gediegenen, warmen Nachruf, in welchem er den Lebenslauf, den Charakter, die Eigenschaften seines tief betrauerten unvergeßlichen Freundes, Rathgebers und Gönners und ihn als unermüdlichen, ausdauernden Träger der drei Säulen miayi min crjon nb'OJi schilderte, und mit den Worten schloß: „Dieses vollendete Leben hier, welches so allgemein betrauert und beweint wurde, möge der Gemeinde Bern als Muster- und Vorbild für alle Zeiten dienen. dann rauh p nir wird das Andenken dieses gerechten, tadellosen Mannes ein ewig sprudelnder Segen für ihn und für die Gemeinde Bern bleiben." < Auf dem ü^-.y n’3, wohin fast die ganze Ge-! meinde gefolgt war, richtete derselbe Redner tiefem- : pfundene Worte des Trostes an die in tiefe Trauer versetzten Familienglieder und Worte des Dankes im Namen der ganzen Familie an sämmtlche Anwesende, für die letzte Ehre, die sie in hochherziger Weise dem Todten und für die freundschaftliche Theilnahme, die sie nach echt jüdischem Sinne den Zurückgebliebenen, für die mn n?’Djf die sie D'nom D”nn erwiesen haben. Möge n'v"n der edlen Wittwe und den noch unversorgten O'Oirv, denen der Ernährer, der Freund, der Erzieher entrissen worden ift, Trost, Hoffnung und Kraft verleihen. Wersonatten. -4- Hamburg, 3. Febr. Der seit mehr als 50 Jahren als Rabbiner an der „Alten und Neuen Klaus" wirkende Rabbi G. Schlesinger, in weitesten Kreisen unter dem Namen „Rebbe Getsch" bekannt und hochverehrt, feierte am ver^ gangenen Donnerstag mit seiner Gemahlin, gcb. Herz, das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Dem Jubilar, dessen talmudische Gelehrsamkeit weit über Hamburg's Grenzen berühmt ist und der sich in unserer Stadt durch seine seltene Bescheidenheit und Selbstlosigkeit einer ungetheilten Beliebtheit und Verehrung erfreut, wurden viele Ovationen von Freunden und Bekannten zu Theil. Der jüngste Sohn, Herr Dr. M. Schlesinger, Rabbiner in Pinne, war zu dem Ehrentage seiner Eltern hierhergeeilt. Es sei noch besonders erwähnt, daß drei der Söhne das Rabbiner-Seminar zu Berlin besucht haben und zwei von ihnen an der hiesigen „Talmud-Thora-Schule" als Lehrer wirken, während der vierte sich dem Kaufmannsstande gewidmet hat. Möge dem ehrwürdigen, verdienstvollen Jubilar an der Seite seiner edlen Gattin noch ein recht langer Lebensabend in ungetrübter geistiger und körperlicher Frische beschieden sein! vnutco vd» 7 IN' 'n Feuilleton. Der Letzte seines Stammes Erzählung von Alphon fr de ta Huye. 12) (Alle Rechte Vorbehalten.) 18. Kapitel. Der Brief. Judith Pelouse wurde unter großer Betheiligung der Stadt- und Dorfbewohner, die ihr nur Lob und Ehre nachrühmten, zur letzten Ruhestätte geleitet. Herr Dr. Marpua entrollte in ergreifenden Worten ein Bild des Lebens und Wirkens der edlen, frommen Frau. Kein Auge blieb thränenleer und die Comtesse schluchzte laut auf, als Doctor Marpua des verschwundenen Elchonons und der alten Susann« gedachte. Trotz der eifrigen Bemühung der Polizei, Doctor Blum's und der Comtesse, war noch keine sichere Kunde über die Entflohenen eingelausen. Ein Grembeamter wollte eine alte Frau und einen Knaben die deutsche Grenze passiren gesehen haben. Die Beschreibung der Person und des Knaben paßte ganz gilt aus die Vermißten, aber von dort aus fehlte jeder weitere Anhaltspunkt. Die Unruhe und die Ungeduld der Gräfin steigerte sich von Tag zu Tag. Jndeß legte das Gericht Beschlag ans die Hinterlassenschaft Judith's und übergab diese dem Vormund Elchonon's, Doctor Blum, zur Verwaltung für den Verschollenen. Unter den himerlaffenen Schriften fand er einen Brief, der seine Adresse mit den Schriftzügen der Verstorbenen trug. Mit zitternden Händen und lautpochendem Herzen löste Doctor Blum das Siegel und las: Lieber Herr Doctor! Um mich her ist es Nacht; ein sanfter Schlummer beruhigt die Erdenbewohner, läßt sie Sorgen und Mühen, Pein und Elend in einem schönen, viel verheißenden Traum, oder in einen: erquickenden Schlaf vergessen. Nur von meinem Auge flieht der Schlaf, meinem Denken stehlt die Harmonie, die Einheit; in fieberhafter Eile jagen verschiedenartige Gedanken durch mein gequältes Gehirn . . . ." Trübe flackert das verglimmende Feuer im Kamin; schaurig saust vor den Fenstern der Wind, als wolle er mich trösten und sagen, daß sein Element noch stärker pfeife und keuche, als das Aechzen meiner kranken Brust .... Ja, ich fühle es und empfinde es wohl, daß ich am Ende meines Lebens

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