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Der Israelit · 1896-02-13 · Heft 13 (13.2.1896) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 13 (13.2.1896)
Date
1896-02-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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w..^i ,.j m: iJi,. ww.n i j iijii.i) w.ypjpgj^J-i»; .^»] 254 unfern Kindern als Stilprobe gelten darf, die jüdischen Lehrer des Regierungsbezirks Koblenz der häufigen Unfähigkeit zur Aufstellung eines Lehrplans und der häufig mangelnden pädagogischen Befähigung. Und doch hat der Herr Rabbiner niemals eine jüdische Schule des Bezirks besucht, um einen Lehrer als Schulmann beurtheilen zu können. Der in den weitesten Kreisen unbekannte Dr. Singer mag ja ein recht geschulter Rabbiner sein, obgleich sein Lob noch nicht an unser Ohr geklungen ist; wollte man aber von dem Gesuch auf die nöthige fachmännische Befähigung des Antragstellers schließen, so würde man wohl einen Trugschluß machen! Denn der Herr ist in seiner eignen Rabbinatsgemeiude, die eine besondere Religionsschule und einen besonderen Religionslehrer besitzt, nicht einmal zum Vorsitzenden der Schulkommission für die dortige Religionsschule gewählt, sondern nur zu ihrem schlichten Mitglieds Und doch hat er den Muth, Bezirksschulinspektor werden zu wollen? Die jüdischen Lehrer des Bezirks haben in einer Zusammenkunft beschlossen, sich mit einer Gegenpetition an den Minister zu wenden, um alle Unwahrheiten in der Darstellung des Dr. Singer hervorzuheben. Wir berichten später über den Verlauf dieser Angelegenheit." Anmerkung der Redaktion des Israelit: Gegen Herrn Dr. Singer hat sich in den Lehrerkreisen der Coblenzer Gegend ein wahrer Entrüstuugssturm erhoben, und obgleich wir mit direkten Zuschriften und Corresvondenzen, in denen man Herrn Dr. S. ganz unglaubliche Dinge vorwirft, überhäuft, haben wir es doch vorgezogen, lieber den obigen Artikel aus der „Pr. Lehrerztg." wiederzugebeu, da die Erregung unserer Corespondenten noch zu groß und wir deßhalb befürchten, daß sie sich von derselben zu sehr Hinreißen ließen. Wenn der Sturm sich etwas gelegt hat, bitten wir unsere Correspondeuten, um sachlich gehaltene Darstellung der Angelegerlheit. Einer Zuschrift, welche die Sache schon in etwas ruhigerem Lichte ansieht, wollen wir die Aufnahme nicht versagen. Dieselbe lautet: Dom Obcrrheiir, im Februar. Ueber die Eingabe des Dr. Singer in Coblenz in Sachen des Religionsunterrichtes an den Kultusminister, hat sich zwischen Herrn Dr. Singer und den Lehrern des Regierungsbezirkes eine erbitterte Fehde erhoben. Jetzt haben sich die Lehrer ebenfalls mit einer gepfefferten Eingabe an den Minister gewendet. Mit Herrn Singer geht das Schriftstück wenig glimpflich um, und er und seine Hintermänner werden daran wenig Freude haben. Ihr Correspondent muß gestehen, wenn er auch in der Sache auf Seiten der angegriffenen und nun ihrerseits angreisenden Lehrer steht, so hätte er doch eine gemäßigtere Sprache für wirkungsvoller gehalten. Weniger wäre hier mehr gewesen '01 noa xbi ^»ro Nicht an- und aus- I geführt in der besprochenen Eingabe sind aber zwei Punkte von sehr wesentlicher Bedeutung, nämlich erstens, daß auch die Religionsunterricht ertheilenden Rabbiner keiner diesbezüglich n Aufsicht unterstehen, wie z. B. die christlichen Religionslehrer an den höheren Lehranstalten, und doch ist die pädagogische Befähigung vieler Rabbiner sehr gering anzuschlagen und ihre Unterrichtsresnltate noch geringer. — Zweitens hätte man dementsprechend zu der positiven Forderung eines Religionsschuliuspektors für Lehrer und unterrichtende Rabbiner in jener Gegeneingabe kommen müssen. — Ich meine, manche der Herren Neformrabbiner sollten im eignen Bequemlichkeit- und Oualificationsinteresse nicht so sehr nach Beaufsichtigung schreien: Käme (S beispielsweise einmal dazu, daß sie gleich den Predigern anderer Confeffioneu ihre Predigtentwürse bei einer strengen und sachverständigen Aufsichtsbehörde einreichen müßten, dann würde man „stellenweise" sehr merkwürdige Dinge erleben!! — X. München, 12. Febr In der Sitzung der 2. Kammer vom 23. v. M. bemerkte der Minister des Innern Baron Feilitzsch: „. . . 'Run kamen Beckh und Lutz noch auf meine Aeußerung bezüglich der Agitationen zurück und ich möchte da den Herren noch Folgendes sagen: Jede Partei kann unbehindert im Laude ihre Meinung aussprecheu — das ist selbstverständlich — und wird nicht gehindert werden. Ich habe nur von solchen Agitationen gesprochen, die darauf hinzielen, Haß und Erregung in der Bevölkerung herbeizusühren, und welche auf Unwahrheit beruhen, welche dem Volke draußen absolut unwahre Dinge sagen und dadurch unrichtige Begriffe über die bestehenden Verhältnisse herbeisühren. (Sehr richtig!), welche ferner ganz undurchführbare Dinge als leicht durchführbar erklären und dadurch wieder Täuschung Hervorrufen. (Sehr richtig! im Zelltrum.) M. HH.! Durch diese Mauipillatioueu wird eine solche Aufregung im Laude hervorgerufeu, daß die Regierung dem nickt ruhig gegenüberstehen kann und deßhalb habe ich gesagt, daß die Regierung solchen Agitatiollen mit aller Entschiedenheit entgegeutreteu wird, selbstverständlich innerhalb der gesetzlichen Grenzen, und diese sind der Regierung gegeben. Ungesetzlich werden wir also nicht vorgeben. Wenn ich aber die Herren daran erinnere, daß diese Aufhetzung hie und da nahe an das Strafgesetzbuch streift, so werden Sie auch wohl begreifen, was ich damit gemeint habe. (Sehr wahr!) Jedenfalls aber wollte ich gegenüber den Beamten und der Bevölkerung draußen die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, hier öffentlich zu konstatieren, daß die Regierung solche Agitationen verabscheut, weil sie sie für verderblich für das gesamutte Wohl des Volkes hält." (Beifall.) — Diese Kennzeichnung paßt sehr gut auf die Agitation der Antisemiten.

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