Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 13 (13.2.1896)
- Date
- 1896-02-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448608-2448622--41265-2490215- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
252 mit unterlaufen. Da werden einzelne jesajanische Sätze aus dem Zusammenhänge gerissen, um den Glauben zu erwecken, als sei der redegewaltige Prophet Jesajas der Verkünder und Schirmvogt aller Ehen zwischen Christen und Juden und als seien solche Mischehen das bereits heraufdämmernde Morgenroth der künftigen messianischen Welterlösung! Was die Eingesegneten wohl für Augen machen würden, wenn ihnen einmal der Zufall die Prophezeiungen des Jesajas in die Hände spielte und sie stießen dabei auf die einleitenden Worte des 52. Capitels, welches eben die künftige messianische Welterlösung zum Gegenstände hat und das mit folgenden Worten beginnt: . „Wache auf. wache auf, lege Deine Macht an. Zijon, lege Deine Prachtgewänder an. Jeruscholajm, denn es wird nicht ferner zu Dir kommen, ein Unbeschnittene r und Unreiner." Auch der Blinde muß es mit Fingern greifen können, daß diese trauensselige Redseligkeit keinen ungeeigneteren Gewährsmann für ihren Pfassentrug hätte aussuchen können, als just den Propheten Jesajas! Doch nicht diese schülerhafte Unbeholfenheit, die einem höchstens ein Lächeln abnöthigt, ist es, die uns die Feder in die Hand drückt. Es ist lediglich folgender Umstand: Der Herr Rabbiner von Arad, der von Humanität und Menschenliebe nur so trieft, hat die Stirne das Verbot der Mischehen als einen Ausfluß des Hasses zwischen Juden und Christen darzustellen und wörtlich mit gesperrter Schrift zu schreiben: „DennwahrlichnichtderGeistderReligiosität trennt uns Menschen von einander, sondern nur die äußere Form, die Ceremonie, das Dogma, in welchem er so versch iedenartig zum Au s dru cke köm mt. Und derjenige Mensch, der ob solcher Form Mannigfaltigkeit seinen Menschen bruder zu hassen fähig ist, hat wohl eine Konfession, eine Ceremonie, ein Dogma, aber kein ächte Religiosität im Gemüthe, — die ja nur lieben lehrt und segnen, alle diejenigen, die im Ebenbild des allliebenden Gottes geschaffen sind." Da die christliche Religion die Mischehen ebenso entschieden verbietet wie die jüdische, so hat diese schmalftirnige Beschränktheit die Bekenner des Christenthums in nicht weniger gehässiger Weise bei der öffentlichen Meinung denuncirt als die Bekenner des Judenthums. Wir heben diesen Umstand zuerst hervor, weil er selbst diejenigen jüdischen Abtrünnigen stutzig machen muß, die für eine dem Judenthum und seinen Bekennern angethane Schmach Gefühl und Bewußtsein längst verloren haben. Wenn die Herren auch so thun, als ob sie einen „von den finsteren Wolken des Unrechts und der Vorurtheile völlig befreiten Lebenshimmel" über sich hätten, sie können doch bei aller Kurzathmigkeit und Gedächtnißschwäche nicht die Opposition schon vergessen haben, welche gerade die officielle Vertretung des Christenthums, die Geistlichkeit, der Reception bereitet hat! Und nun eine solche Provokation von einem Apostel dieses Arader Mischmasch-Judenthums, dessen Wortführer und Schleppträger doch klaftertief unter den Bekennern jeder monotheistischen Religion stehen, es möge die des Judenthums, Christenthums oder die des Islam sein! Ein Pfarrer hätte sich doch nicht gefunden, der sich zur Einsegnung einer solchen Ehe hergegeben hätte; und wenn sich einer gefunden halte, so würde man doch vergeblich nach einer Christengemeinde suchen, die ihre Kirche durch ein solches Attentat profanisiren würde! Aber davon abgesehen. Was liegt doch eine Gedankenlosigkeit und Böswilligkeit in der blassen Voraussetzung, daß sich alles hassen müsse, was sich nicht heirathet! Wie tief, wie unendlich tief muß Jemand doch alles vositiv Religiöse verachten, wenn er für das Verbot einer Mischehe zwischen Juden und Christen kein anderer Motiv ausfindig machen kann, als Menschenhaß! Wir wollen hier nicht alle die religiösen, ethischen, pädagogischen und die zahlreichen anderen Moinente aufzählen, vie erleuchtete Christen wie Juden für das Bedenkliche und Gefährliche der Mischehen geltend gemacht haben. Mit Worten läßt sich ein solches an dem Judenthum begangenes Sakrilegium und eine solche Verdächtigung der jüdischen Gesammtheit nicht sühnen. Wenn irgendwo, so sind wir hier von der tröstlichen Wahrheit des Prophetenworts durchdrungen: lara» Hio niD', daß die Abtrünnigen von Gott noch auf dieser Erde verzeichnet werden. Es gehört keine prophetische Gabe dazu, sich zu sagen, daß ein solches frevles Spiel mit dem Allerheiligsten für die Spieler kein gutes Ende nehmen werde. Die Zeit, der sie heucheln und schmeicheln, wird mit ihrem ehernen Schritt über ihre Schmeichler und Heuchler hinweggehen. An solchem Treiben hat kein redlicher Mensch Freude, sei er Jude oder Christ, innerhalb und außerhalb Ungarns. Höchstens Käuze vom Schlag der Rabbiner Liechtenstein, welcher seit Jahren schon mit mehr als einem Fuß innerhalb des Christenthums steht und die Geschäfte der Mission besorgt, bundesbrüchige Fahnenflüchtige dieses Kalibers mögen sich vergnügt die Hände reiben, weil sie in dem Arader Oberrabbiner einen neuen Bundesgenossen wittern. Aber selbst diese Freude ist eine verfrühte. So lange der Arader Gemeinde das Treiben ihres Rabbiners nicht zu bunt wird, so lange es noch gewissenslose Juden und Christen mit reichlichen Trauungsgebühren giebt, so lange sich unter der jüdischen und christlichen Geistlichkeit kein Subjekt findet, das an Vieser Schmutz -Concurrenz theilnehmen möchte, so lange braucht Herr Dr. Rosenberg nicht mit der Mission