Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 13 (13.2.1896)
- Date
- 1896-02-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXVII. Jahrgang. M 18. Der Israelit. Ein Gentrak-Hrgan für das orthodore IudentHum. Begründet »o« Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 13. Februar 5656 (1896). Leitender Artikel Die ctßt Mischehe ln Ungarn. Mainz, 12. Februar. Schon lange hat uns nichts in so widerwärtiger Weise berührt, als das Gebahren des Rabbiners von Arad in Ungarn, Namens Dr. Rosenberg. Die Entrüstung über das sacrilegische Treiben dieses Menschen spricht sich in einer großen Zahl von Zuschriften aus, die uns von verschiedenen und nicht nur von orthodoxen Seiten zugehen. Wie die Dinge liegen, muß die Empörung in christlichen Krei'en eine nicht minder tiefgehende sein, wenn uns direkte Mittheilungen darüber auch nicht vorliegen. Für unsere den ungarischen Verhältnissen ferner stehenden Leser müssen wir vorausschicken, daß durch die Reception der jüdischen Staatsbürger Ungarns nunmehr auch eine Ehe zwischen Juden und Christen nach dem Staatsgesetz zulässig ist, was bis dahin nicht der Fall war. Herr Dr. Rosenberg ist nun der einzige Rabbiner Ungarns, der auch der religiösen Trauung einer solchen Mischehe das Wort geredet hat. wie wir dies seiner Zeit an dieser Stelle berichtet haben. Herr Dr. Rosenberg hat nun diese seine Theorie auch in die That umgesetzt, und hat ein jüdischchristliches Paar eingesegnet und zwar im Tempel der Araber Mischen Gemeinde! Darnit hat die Gemeinde Arad mit ihrem bundesbrüchigen Rabbiner gemeinsame Sache geniacht und hat der fernerstehenden staunenden Welt wenigstens das Räthsel gelöst, wie es kommt, daß eine Gemeinde, die das Unglück hat einen solchen Rabbiner zu besitzen, ihn nicht wenigstens sortjagt. Die Gemeinde ist eben nicht besser als ihr Rabbiner. Sid passen beide zusammen, vmn vb im und nvi 'vd rann. Die Gemeinde Arad genießt schon mehr als zwei Generationen den traurigen Ruf einer der am lueiften ausschweifenden Reformgemeinden zu sein, die schon durch ihren sattsam bekannten früheren Rabbiner Ahron Choriner seit vielen Jahren genügend bekannt und berüchtigt ist. Wer die Art und Weise aufmerksanr verfolgt, wie diese ganze Richtung sich von Tag zu Tag mehr vom historischen Judenthum entfernt und dem Taufbecken zusteuert, dem ringt noch jetzt der weise Blick eines Chaßam Sofer bewundernde Anerkennung ab, der schon vor mehr als sieben Decennien diesen Jammer erkannt und mit dem rechten Namen benannt hat. Ueber dies alles würden wir daher kein Wort verlieren. Das Wort unserer großen Weisen bi ib mrvn na nj»i may -iaij?n, daß jedes Unrecht durch seine Wiederholung aufhört als solches zu gelten, hat wohl nicht nur bei demjenigen, der das Unrecht begeht Anwendung, sondern auch auf die ganze Umgebung. Man wird selbst gegen die tollsten Extravaganzen mit der Zeit abgestumpft, daß man kein Wort mehr darüber verliert. Auch wir hätten von diesem Attentate auf die fundamentalsten Institutionen des Judenthums nicht weiter Notiz genommen, wenn Herr Dr. Ros nberg nicht buö Bedürfniß gehabt hätte, seine Rede noch zu veröffentlichen, die er „bei der Einsegnung des ersten jüdisch-christlichen Ehepaars in Ungarn" geleistet hat. Und es gibt in Deutschland noch ein jüdisches Blatt, das sich dem Araber Zwitterjude' thum so wahlverwandt fühlt, daß es diese Reoe ohne jeden Commentar an erster Stelle abdruckt. Es sind das die „Populärwissenschaftlichen Monatsblätter" von Rabbiner Dr. Adolf Brüll, das Organ oes Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. M.!! Man kann sich denken, daß es ein ziemlich confuses Schellengeläute und Phrasengeklingel ist, mit welchem eine solche Ungeheuerlichkeit wie die Einsegnung einer jüdisch-christlichen Ehe heilig gesprochen werden soll. Der Mißbrauch, der da salbungsvoll mit dem Namen Gottes getrieben wird, ist so empörend, daß man nicht einmal über die ergötzlichen Schnitzer spotten kann, welche da fast allenthalben