Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 12 (10.2.1896)
- Date
- 1896-02-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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239 falls kein Seminar besucht hatte, und veranlaßte diesen, die Trauung vorzunehmen. Heute lese ich nun von demselben Rabb. Folgendes: „Wer Trauungen vollzieht, muß vom yt» jni' pr.np d. h. wer diese Amtshandlungen-vornimmt, niuß die einschlägigen Vorschriften kennen und durch ein Zeugniß über eine entsprechend abgelegte Prüfung sich legitimiren können." Wie vereinbart sich nun die Handlungsweise des Herrn Rabb., der doch die einschlägigen Vorschriften schon damals kennen mußte, mit seiner jetzigen Denkbezw. Schreibweise. Ich glaube gar, der Herr Rabb. huldigt dem Satze „Richtet Euch nach meinen Worten, und nicht nach meinen Thaten." ü)hm von diesen Thaten soll in nächster Nummer ein weiteres Liedchen gesungen werden. L. B. Homburg v. d. H. Die durch den Tod des sel. Herrn Wolf Ackermann verwaiste erste Cultusvorsteherstelle bei hies. Gemeinde wurde gestern neu besetzt. Von den 85 Wahlberechtigten waren 49 an der Urne erschienen und von diesen gaben, 38 ihre Stilmne dem Stadtverordneten Herrn Eduard Emmerich, der somit bis Ende Juni 1900 gewählt ist. Der Wahlakt fand unter dem Vorsitze des kgl. Landrathes Herrn Dr. Meister statt, der als Regierungscommissiar fungirte. Möchte der Thätigkeit des neu creirten Vorstehers, der bereits längere Zeit dem Vorstande der isr Gemeinde angehört, wie auch im Stadtverordneten-Kollegium und Kreisausschusse Sitz und Stimme hat, eine ersprießliche Thätigkeit vergönnt sein. Aus Baden. Um den Dank für die vielen Verdienste des Herrn Professors Dr. Robert G o l d s ch m i t in Karlsruhe (Israelit), um die liberale Sache und der Freude über die würdige Gedenkfeier zu Ehren der Gründung des deutschen Reiches Ausdruck zu geben und dem erfolgreichen Festredner jenes Abends (Herrn Goldschmit) die Anerkennung für seine hervorragende Mitwirkung zu bekunden, wurde dieser Tage von hervorragenden badischen, liberalen Männern, darunter Parlamentariern eine Feier veranstaltet, zu der eine große Zahl von Theilnehmern sich einfand, und welche einen glänzenden Verlauf genommen. Erst gegen Morgen erreichte die Feier, welche in einem öffentlichen Lokale stattfand, ihr Ende. W. O e st e r r.-U n g a r. Monarchie. Brünn. (Ein peinlicher Vorfall.) In der Nacht von Sonntag auf Montag spielte sich im Kaffeehause des Deutschen Hauses eine sehr peinliche Scene ab. Es war gegen 2 Uhr morgens und nur wenige Gäste waren in dem Lokale anwesend. Mehrere C vilisten, darunter der israelitische Ingenieur Eduard Lustig, spielten Billard, während an einem Tischchen in der Nähe mehrere Cavallerie-Offiziere Platz genommen hatten. Einer derselben, Oberlieutenant Josef Freiherr von Suini della Pieve d'A l b i g n o l a, machte wiederholt, auf die Civilisten anspielend, antisemitische Bemerkungen, die endlich Lustig veranlaßten, den Offizier deßhalb zur Rede zu stellen, in dem er sich gleichzeitig als Reserve- Offizier vorstellte. Die letztere Behauptung wurde von dem Oberlieutenant bezweifelt, worauf sich zwischen beiden Parteien ein heftiger Streit entspann. Die Folge davon war, daß gestern Nachmittags zwischen den Genannten in der Cavalleriekaserne ein Säbel-Duell stattfand, bei welchem Oberlieutenant Freiherr von Suini an beiden Händen schwere Verwundungen erlitt, während Ingenieur Lustig mit einer leichteren Verletzung am Kopfe davonkam. Personalien. Parchim, 8. Febr. Unser ältester Stadtbürger, der frühere Thierarzt Herr M. Cohn, beging dieser Tage seinen 90. Geburtstag. Der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde holte ihn zum Festgottesdienst in der Synagoge ab, wofilbst er seinen Platz mit Blumen geschmückt oorfand. Landcsrabbiner Dr. Feilchenfeld aus Schwerin hielt die Festpredigt und segnete den Jubilar zum Schluß. Zu der Feier war die Gemeinde vollzählig erschienen, auch von auswärts waren zahlreiche Verwandte und Freunde eingetroffen. Später fanden sich in der Wohnung des greisen Geburtstagskindes eine lange Reihe von Gratulanten aus allen Kreisen der Stadt ein, unser Bürgermeister, Herr Geheimer Hofrath Stegemann, hielt daselbst eine Rede. Der Großherzog verlieh dem Neunzigjährigen die silberne Medaille am Baude mit der Jnschrfft: „Dem redlichen Manne und dem guten Bürger". — Cohn wurde in Schwerin geboren, studirte in Berlin, ließ sich im Jahre 1835 als praktischer Thierarzt in Parchim nieder und hat hier bis noch vor wenigen Jahren seine Praxis ausgcübt. Während des Krieges 1870/71, wie auch später öfter noch in den Manöverzeiten versah er den Dienst eines Thierarztes bei dem hier garnisonirenden Mecklenburg. Dragoner-Regiment Nr. 18: er ist deshalb auch im Besitze der Kriegsdenkmünze für Nichtkombattanten. In der jüdischen Gemeinde bekleidete er seit 1839 fast ununterbrochen einen Posten im Vorstände und hat. auch hier segensreich gewirkt. Sem hohes Alter zwang ihn vor einigen Jahren dies Amt niederzulegen, trotzdem erfreut er sich aber heute noch einer höchst erfreulichen körperlichen und geradezu staunenswerthen geistigen Frische. Als Beweis dafür darf gelten, daß er fast täglich den „Klub" aufsucht, ohne Brille zu lesen im Stande ist und sogenannte „schwere" literarische Kost, wie besonders Philosophie mit seltenem Scharfsinn zu verarbeiten vermag. Bttttenwieserr, 5. Februar. Ein Fest, wie es seit Mcnschengedenken, oder wohl noch niemals in hiesiger Gemeinde gefeiert wurde, fand heute dahier statt — das Fest einer go.denen Hochzeit. Die Jubilare / sind Herr Baruch Fuchs und seine Frau Karoline, geb. Bauer, beide von hier gebürtig. Die Feier begann mit einem Festgottesdienste in der Synagoge, welcher durch ein hebr. Chorlied (Psalm 150) cingeleitet wurde. Hierauf folgte die Festpretügt von Herrn Rabbiner Dr. Kohn aus Jchcnhausen. In meisterhafter Rede schilderte der Herr Rabbiner das bisherige verdienstvolle Leben und Wirken der beiden greisen Jubilare.% Besonders wies der Redner darauf hin, daß sichj bic Jubilare der größten Beliebtheit zu erfreuen haben, wovon auch das Erscheinen nicht nur aller hiesiger Israeliten, sondern auch das