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Der Israelit · 1896-02-06 · Heft 11 (6.2.1896) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 11 (6.2.1896)
Date
1896-02-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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224 der oft so trostlosen Gegenwart nicht verzagen, in der man vermeintliche Freiheit sich zu verschaffen sucht durch die Preisgebung seines jüdischen Gesetzes, in der man nicht 'ib nay sein will, sondern ein Diener irdischer Mächte und Gewalten. Gerade dadurch aber wird man gebrandmarkt; cs ist Knechtesgesinnung. So wird auch vielfach heute diese Gesinnungs¬ und Handlungsweise beurtheilt. Die Metropole Berlin bietet heute, wie schon einmal am Anfänge dieses Jahrhunderts, das traurige Beispiel solcher Knechtesgesinnung, viele Hunderte suchen sich einen neuen König, verlassen ihren Gott, um auch wie andere zu sein. Ob sie sich daurit wohl Freiheit erkaufen? Gefahr wirvs wohl nicht haben für das Judenthuul, aber beschäurend für die Intelligenz der Berliner Juden, auch wenn sie sich freisinnige Juden nennen. Di-. H. 8. Zeitungsnachrichten und Corresporr-enzen. Deutschland. Fulda, 3. Februar. (Als Nachtrag zur Schilderung meines hochedleu Rittmeisters, des jetzigen General-Lieutenants v. Schnackenberg zu Hannover.) Eine mich hocherfreuende, heute mir gewordene Ueberraschung von Seiten dieses herrlichen Helden veranlaßt mich noch zu berichten. Im Herbst 1869 hatte das XI. Armcccorps Königs-Manöver in der Umgegend von Fritzlar. Einen Tag vor ruttvi any kamen wir nach Gudensberg ins Quartier und war für den 1. und 2. Tag : q ov Division -Bivouac angeoronet. Es kränkt mich sehr ,V'-> auf diese Art verbringen zu sollen uno so nahm ich mir vor, wenn auch mit fast keiner Aussicht auf Erfolg, wenigstens meine Schuldigkeit zu thun, um b"' frei zu bekommen. Ich ließ mich ttr?n aip bei meinem Rittmeister anmelden und bei meinem Eintreten in sein Zimmer, sagte er: „Grünebauin, da morgen Ihr Neujahrsfest ist, weiß ich schon, meßhalb Sie kominen, aber es wird schwer zu machen sein, daß Sie frei bekommen, da Alles im Bivoucc sein muß. Jedoch werde ich mit dem Herrn Regiinents'Commandeur deßhalb reden, kommen Sie heute Nachmittag 4 Uhr nochmal?." Als ch zu dieser Zeit mich meldete, sagte er: „Es freut mich Ihren Wunsch, die 2 Tage Sie vom Dienst dispensircn zu können, erfüllen zu dürfen. Da Sie jedoch auch kein Pferd putzen dürfen, so berichten Sie Ihrem Unteroffizier, daß Ihr Pferd Morgen früh mit der Escadron als Handpferd nachgeführl wird und Sie kommen sobald Ihre Feiertage vorüber des Nachts noch nach unserem Bivouac in der Gegend von Borken. So war ich der einzige Hirv im ganzen ArmeecorpS, der durch die Fürsprache seines Escadrons-Chefs frei hatte und über mttn tr*o in Gudensberg — wo damas 'ma nV'mD ^nn rwn noch wirkte, verb ingen durfte. Nach a"» Ausgang brachte mich ein Pferdehändler Namens Mannsbach aus Maden unentgeltlich mit seinem Fuhrwerk nach dem mir bestimmten Bivouac in der Nähe Borkens Daß bei solchem Entgegenkommen meines Escadron-Chefs ich diesem stets — und wie es gewiß jeder jüdische Soldat se.nem Vorgesetzten gegenüber thut, w.nn nicht der, auch in militärischen Kreisen oft verbreitete Religionshaß durch Zurücksetzung u. dgl. den jüd. Soldaten diese Liebe und Anhänglichkeit unterdrückt, — eine kindliche Liebe und Verehrung und heute noch hege, ist selbstverständlich und so war es auch seit langen Jahren mein Wunsch das Bild dieses hochedlen (und bildschönen) Mannes zu besitzen, ohne es erlangen zu können. Ohne daß ich eine Ahnung davon hatte, schrieb meine Frau vorige Woche einen Brief und schilderte in diesem mein Verlangen nach seinem Bilde, womit sie mir eine Geburtstagsfreude machen möchte und darauf kam soeben folgendes Schreiben, nebst Bilo (in Generals-Uniform:) Hannover, 2. II. 1806. Verehrte Frau Grünebaum! Ew. Wohlgeboren Wunsche komme ich gerne nach und erlaube mir mein Photographie beizufügen, zugleich mein Bedauern ausdrückend, daß ich keine Solche, als Husaren- Rittmeister, übersenden kann. Mit der Bitte Ihrem Herrn Gemahl zu seinem Geburtstag auch von mir zu gratuliren, zeichne ich Hochachtungsvoll und ergebenst v. Schnackenberg. Oester r. U n g a r. Monarchie. Wien. 3. Febr. Traurige Zustände scheinen nicht nur in der politischen, sondern auch in der jüdischen Gemeinde zu Wien zu herrschen. Zum Mindesten wirft die Nachricht, daß der Obmann der.Finanzsektiou der Gemeinde, Herr Moritz Karpeles, seme Demission gegeben, weil er nicht länger die Verantwortung für ein stänoiges Defizit von mehr als hunderttausend Guloen tragen wollte, ein eigenthümliches Licht auf die dortigen Verhältniffe. Es ist ja natürlich, schreibt die Ztg. d. Judenth., daß die Bedürfnisse der Wiener Gemeinde, die namentlich für den Religionsunterricht große Summen aufwendet, von Jahr zu Jahr wachsen. Gleichwohl ist die Thatsache eines solchen Defizits gerade in Wien.und in der Gemeinde, die einst eine der opferfreudigsten in Europa war, eine traurig charakteristische Erscheinung unserer Zeit. Denn die Vermuthung, daß die Steuerkratt der Gemeinde sich verringert habe, wird von Kennern der einschlägigen Verhältnisse entschieden in Abrede gestellt. Verringert haben sich also nur die Opferfreudigkeit, der Gemeinsinn und die Glaubens-

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