Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 11 (6.2.1896)
- Date
- 1896-02-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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xnvn. Jahrgang. Erste Beilage M M 11 des „Israelit". Leitender Artikel. persönliche Freiheit, ei« Indisches Peöjt. nay rupn »d orp^ D'tfn nr« o'to&ren nkm DJn »»dhV Pi’y'3^ Tay» O’JtP m/ nay. „Und das sin) die Rechtsvorschriften, die Du ihnen vorlegen sollst. Wenn Du einen hebräischen Sklaven kaufst, so soll er Dir sechs Jahre dienen, aber im siebten Jahre gehe er frei aus, umsonst." Die persönliche Freiheit ist das erste Menschenrecht und Menschengut. Kaum ein Volk der Erde gab es, das nicht einen Theil seiner Unterthanen zu Unfreien gemacht hätte. Den Schwachen zu beherrschen und zu knechten galt als ein Recht des Stärkeren. Pharao hielt es als selbstverständlich, die Roth und das Elend seines Landes zu mißbrauchen nnd seine Unterthanen zu Leibeigenen zu machen für das ihnen gelieferte Brod zur Zeit der Hungersnoth. Und bis tief in unser Jahrhundert herein bestand noch in einzelnen Staaten Europas die Leibeigenschaft. Es ergibt sich daraus die Thatsache, daß der Menschenwerth nach zweierlei Maß geinessen wurde, und ob man gleichen Stammes und gleichen Glaubens war, das hinderte nicht, den Mitmenschen zu unterjochen und als Menschen geringeren Grades zu behandeln. Auch bei früher unfreien Völkern herrschte nach erlangter Freiheit das allgemeine Recht des Stärkeren mit Unterdrückung und Freiheitsberaubung eines Theils des Volkes. Vielleicht ist das jüdische Volk das einzige und erste, welches die persönliche Freiheit jedes Einzelnen feines Volkes als Gesetz und zwar als Gottesgesetz erkennt und oben anstellt in seiner Gesetzgebung. Gleich nach der Empfangnahme der „Zehngebote" heißt es: „Und das sind die Rechtsvorschriften, die Du ihnen vorlegen sollst. Wenn Du einen hebräischen Sklaven kaufst, so scll er sechs Jahre dienen, aber im siebten gehe er frei aus oh e Lösegeld." In zwei Fällen war es möglich, einen jüdischen Sklaven zu erwerben. Wenn Jemand etwas gestohlen hatte und konnte es nicht wieder ersetzen, dann verurtheitte ihn das Gericht, daß er als Sklave verkauft wird, um dadurch den Diebstahl zu ersetzen. Oder wenn Jemand sich selbst aus Roth verkauft, weil er sich nicht selbst ernähren kann. Diese Knechtschaft ist aber eine Wohlthat,' eine Fürsorge für den Betreffenden und die einzige Möglichkeit für den Dieb wieder ein ehrlicher, freier, schuld- und gewissensfreier Mann zu werden. Und geipiß ist es die mildeste Form der Knechtschaft, daß der Herr auch Frau und Kinder des Sklaven mit in den Kaut nehmen und ernähren mußte, die alle im siebten Jahre ihre Freiheit zurückerhielten. Bei einer so milden Form der Knechtschaft, da lag es nahe, daß Mancher diese der Freiheit vorzog und Sklave bleiben wollte, weil er den gütigen Herrn liebte, oder die als Sklave geheirathete Frau und seine Kinder nicht verlassen wollte. Ein solcher wurde dann gebrandmarkt, für immer als Sklave gekennzeichnet, als abschreckendes Beispiel. Es sollte keine Sklaven geben unter unserem Volke, nur Diener Gottes, ungehindert und unbeschränkt in der Ausübung ihrer höheren Pflichten. Es war für Jeden eine große Schmach, unfrei und unselbstständig zu sein. So ist auch die Werthschätzung des ganzen Volkes eine gleiche. Es gab wohl auch Priester, Leviten, Fürsten des Volkes, aber frei und gleichwertig wurden alle Israeliten gehalten; es gab unter unserem Volke keine verschiedenen Klassen, keine niedere Kaste. Als unser Volk an den Propheten Samuel das Verlangen stellte, einen König einzusetzen, wie es bei allen andern Völkern auch war, da mißfiel diese Forderung dein Propheten. Aber Gott sprach zu ihm: Gehorche der Stimme des Volkes . . ., denn nicht dich haben sie verschmäht, sondern mich haben sie verschmäht, über sie zu regieren. Und nun hielt Samuel dem Volke vor, wie ein König ihre und ihrer Kinder persönliche Freiheit beschränken und ihre Kräfte zu seinein Dienste verwerthen werde. Gott verbietet bem Volke nicht, sich einen König zu wählen, warnt es aber davor, da sie schließlich selbst ihre persönliche Freiheit einbüßen könnten 2'iayd '*? vnn oron. So ist vom ersten Moment an das in harter Knechtschaft herangewachsene Volk zur Freiheit erzogen worden es und hat es verstanden, dieses kostbare Gut hochzuhalten, auch dann noch, als es im Laufe der Jahrtausende gar oft die harte Hand der Gewaltigen gefühlt hat. Kein Mittel blieb unversucht, ihm seine Freiheit des Körpers und Geistes zu rauben. Tief niederbeugend und demüthigend waren oft die unsere Freiheit und Gleichheit beeinträchtigenden Gesetze und Verordnungen, die uns zu Parias der menschlichen Gesellschaft stempeln wollten. Aber tief im Herzen unseres Volkes war eingegraben seines Gottes Wort cn nay „Meine Diener" sollt Ihr sein. Und darum ließ es sich nicht knechten, ist es frei geblieben. Gerade der unerhörte Druck, dieser Ansturm der Menschen, ihm sein erstes Menschenrecht zu entziehen, haben seinen Freiheitsdrang, seine eigne Werthschätzung gefördert. Wenn man so einen betrachtenden Blick auf die Jahrtausende zurückwirft, dann wird man auch in