Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 11 (6.2.1896)
- Date
- 1896-02-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2448608-2448620--41229-2490177- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
218 1. August im Amte. Hierdurch machte er sich der Verletzung des § 71 des Gesetzes vom 23. Juli 1847 schuldig und wurden sowohl die beiden Vorsteher als auch Cantor Rosenblum zu je 60 M. Geldstrafe verurtheilt. D. Breslau, 2. Febr. Die jüd. theol. Anstalt Frank e'sche Stiftung versendet soeben ihren Jahresbericht. Eine recht interestante Arbeit liegt dem Berichte bei: Dr. Braun, Geschichte der Juden in Schlesien. BegesaS, 28. Januar, *pnraD i* 'yryr „Roth und Drangsal treffen mich; doch Dein Gebot ist mein Ergötzen." So lautete der Wahlspruch des Mannes, dem wir am Donnerstag, den 8. Schebat das letzte Geleite gegeben haben. Herr Harry Wolf, dessen ganzes Leben ein Dffn rnp war, weilt nicht mehr unter uns. Gott hat ihn nach langjährigem, schweren Leiden an seinem Geburtstag im vollendeten 75. Lebensjahre zu sich berufen. Trotz seiner vielen körperlichen Gebrechen übte er alle religiösen Pflichten in der gewissenhaftesten Weise. Bei einer zweifachen Operation, die seine Aufnahme in ein Krankenhaus nothwendig machte, wurde ihm, was sonst nie geschieht, ausnahmsweise gestattet, sich selbst rituell beköstigen zu dürfen. In uneigennütziger Weise hatte er während 52 Jahre an den D'»o\3 d'ü' die hiesige Gemeinde durch sein schönes Vorbeten erbaut. O'iON miay min füllte sein ganzes Leben aus. Er freute sich, wenn Gälte zu Tisch geladen waren, mit denen er sich über umin neaprr unterhalten konnte. Das gastliche Haus, die offene Hand und freundliche Worte machten den Dürftigen den Aufenthalt zur Heimath. Möge der Verklärte in der ewigen Heimath den Lohn seines irdischen Wirkens finden, und möge sein Leben uns anspornen, in allem Guten und Edlen ihm nachzustreben; denn PNL 131. Dressen, im Febr. Unsere braven Antisemiten haben auch nicht einmal die letzten Festtage vorüber gehen lasten, ohne gegen die Juden zu hetzen. Der Oberlehrer Dr. Weidenbach im Gewerbehaussaale zu Dresden hielt am Reichsfesttage eine Rede, aus der wir u. a. den folgenden Passus entnehmen: „Tief aber kränkt es uns, daß der inneren Feinde so viele erstanden sind. Nicht von Denen will ich reden, die fremden Stammes in unserer Mitte leben, um ihres persönlichen. materiellen Vortheiles willen — es ist begreiflich, daß sie mit wenigen rühmlichen Ausnahmen für unseres Vaterlandes Größe und seine Ehre kein Herz haben; aber wider die Natur und schier unbegreiflich ist es, daß deutsche Männer in thörichter Verblendung vaterlandslos geworden sind." Der erste Passus dieser Rede, der sich gegen die Juden wendet, hat selbst in Dresden böses Blut gemacht, und das will viel sagen! Vielleicht beruhigt man sich in dem schönen Elbflorenz, wenn man sich des begeisterten Vortrags erinnert, den derselbe Herr vor Jahren über „Faust und Nathan", vielleicht gar in demselben Saale, gehalten und in dem er das Evangelium der Humanität und die Toleranz gegen die Juden als die höchsten Güter gepriesen h' t. Damals war der Antisemitismus freilich noch nicht Mode. Aus Baden. Die öffentliche Unterstützung armer Israeliten im Großherzogtbum Baden oblag vor dem Jahre 1862 gesetzlich den betreffenden jüdischen Gemeinden, in welchen der Unterstützungsbedürftige heimatsberechtigt war. Die Israeliten hatten deshalb auch für den Armenaufwand der politischen Gemeinden nicht aufzukommen. Der Vortheil, daß mit der bürgerlichen Gleichstellung der Juden auch die Armenunterstützung auf die gesamte Ortsgemeinde überging und die Last auf größere Schultern zu vertheilte, war nur ein scheinbarer. Denn da wo eine geldliche Unterstützung gereicht, ist dieselbe in vielen Fällen klein und nicht zur Fristung des Lebens ausreichend, so daß immer noch die Mildthätigkeit der Glaubensgenossen in Anspruch genommen werden mußte. Weit schlimmer ist es aber in Gemeinden, wo die Vertretung derselben darauf besteht, keine geldliche Unterstützung zu reichen, sondern die Verpflegung der Armen an den W e n i g st n e h m e nden zu vergeben und dabei auf das religiöse Gefühl des zu Verpflegenden keine Rücksicht gebrauchen wollen. Hier werden dann wieder gewissenhafte Mitglieder der jüd. Gemeinde sich der Aermsten annehmen und auf eigene Kosten verpflegen, obwohl sie ihre Umlagen auch für die Armenunterstützung an die Gemeindekasse bezahlen. Für kleinere, wenig bemittelte Landgemeinden ist das offenbar recht hart, zunral die reicheren Leute in größeren Städten ihr dauerndes Doinizil aufgeschlagen haben. Deshalb ist man in Baden bestrebt, daß die Gesamtjudenheit des Landes in freiwillig vereinter Kraft diejenige milde Nächstenliebe bethätige, welchen allen Gemeinden, namentlich aber den kleinen und weniger bemittelten zu gut kommt. Von obigen Gesichtspunkten aus ist auch hauptsächlich die Gründung und das schnelle Emporblühen des jüdischen Waisenvereins des Landes zu stände gekommen. Auch das neu zu gründende jüdische Siechenhaus hat viele Freunde und scheint eine segensvolle Zukunft zu haben. Wo und wann das Siechenhaus gebaut wird, ist eine Frage der Zeit und hängt von Umständen, namentlich von den reichen Spenden im Lande ab. Bekanntlich hat zum Waisenhaus Herr Bez.-Nabbiner Dr. Eschelbacher in Bruchsal und zur Gründung eine« Siechenhauses Herr Bez. Rabbiner Dr. Lewin in Freiburg die erste Anregung gegeben. Möchten die beiden Vereine nicht nur im Dienste der BeförderungZ^der Mildthätigkeit, sondern auch Erhaltung^des'ächt religiöser^Lebens stehen. \V.