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Der Israelit · 1896-02-06 · Heft 11 (6.2.1896) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 11 (6.2.1896)
Date
1896-02-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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217 die Rischus machenden Glaubensleugner einmal mit Namen nennen, die Rabbiner, die in Schrift und Wort die Göttlichkeit der Thora leugnen, die Professoren, die im Solde des Reformjudenthums und im Dienste seiner Institutionen hier stehen und öffentlich in ihren Schriften das Dasein Gottes leugnen; sie braucht nicht weit zu suchen, wenn sie ihre Suche mit ihren Mitarbeitern beginnt. Wer fremde Gebräuche nachäfft, macht Rischus? Was an dem Reformjudenthum Positives ist, seine Orgeln in den Synagogen, seine Einsegnungen, seine Prediger bis auf den letzten Zipfel ihrer Bäffchen, sie sind doch allzusammen nichts als eine große, kleinliche Nachäffung des christlichen Kultus. Seit mehr als einem halben Jahrhundert äffen sie dies alles ja in der ausgesprochenen Absicht nach, um äußerlich jeden Unterschied zwischen Judenthum und Christenthum auszugleichen in der still gehegten und laut ausgesprochenen Erwartung, daß dann auch aller Gegensatz zwischen Juden und Christen aufhören werde, und nun erfahren sie von der Allgemeinen Zeitung des Judenthums, sie hätten das Rischus mit diesen Quacksalbereien nicht nur nicht beseitigt, sondern — gemacht! Und diejenigen, welche das Unzulängliche, Verfehlte und Widersinnige aller Glaubensverleugnung und Nachäffung längst eingesehen und es daher mit dem Radicalmittel der Abtrünnigkeit versucht und ostentativ vor aller Welt bekannt haben, sie seien dem alten Glauben abtrünnig geworden, um die alte Schmach los zu werden, sie erfahren nun von der Allg. Ztg. des Judenthums, daß sie das Rischus nicht hintangehalten, daß sie es gemacht haben! Indem wir dieses wenn auch verspätete, aber deshalb doch sehr werthvolle Geständniß der Judenthumszeitung festnageln, verkennen wir nicht, daß es ihr viele Selbstüberwindung gekostet haben mag mit ihren lieben Vettern und Wahlverwandten in so demonstrativer Weise zu brechen und dabei gar den bösen Orthodoxen so viel Verbindliches zu sagen! ^od1tz886 oblige. Wir wollen uns ihr erkenntlich durch Mittheilung unserer Herzensmeinung zeigen, die sie vielleicht überraschen wird. Wir glauben nämlich nicht, daß es die Glaubensverleugner,Nachäffer und die anderen Partisane des Reformjudenthums sind, welche Rischus machen, ja, wir glauben, daß man selber Rischus macht, wenn man einzelnen Kategorien der Judenheit diese schwere Verantwortung aufzuladen sucht. Wohl ist es wahr, daß unsere Feinde bei jeder Gelegenheit behaupten ihr ganzer Groll gelte den Resormjuden, an den Orthodoxen hätten sie dagegen nichts auszusetzen. Aber es gehört eine große Dosis gutmüthiger Vertrauensseligkeit dazu diese verlogene Behauptung für baare Münze zu nehmen. Allerdings ist es betrübend genug, daß unsere reformjüdischen Bruder durch ihre Religionslosigkeit unseren Feinden auch nur einen Vorwand für ihre Gehässigkeit geben. Aber es ist und bleibt bei alledem doch nur ein fadenscheiniger Vorwand. Das Rischus ist älter als das Reform-Judenthum. Man hat die Juden schon gehaßt, bevor es Reformjuden gab. Wenn die glaubenleugnenden, nachäffenden und abtrünnigen Reformjuden Rischus machen, so machen sie es nur mittelbar. In Wirklichkeit giebt es auf die Frage: „Wer macht Rischus?" nur eine, einzige zutreffende Antwort: Gott, der Hüter Israels, ist es, der allein das Rischus macht! Es ist das bewährte Mittel in seinermächtigen, erziehenden Vaterhand, um uns für seine gefährdete, uns anvertraute heilige Sache wieder mit der alten Hingebung zu erfüllen, die unsere Zeit in den jüdischen Reihen so schmerzlich vermissen läßt. Die leugnenden, nachäffenden Abtrünnigen mögen die Veranlassung sein solche harte Mittel anznwenden und insofern veranlassen sie allerdings, aber nur indirekt den ganzen Jammer, den dieses Rischus bedeutet. — Kinder glauben an die Marionetten, die sie mit so viel Nachdruck gestikuliren, spielen und handeln sehen. Aber es gehört doch nur geringes Nachdenken dazu die Hand zu ahnen, die unsichtbar allein das Ganze leitet. Nachdem die Allg. Ztg. d. Jdth. enmal soweit ist, ihre Wahlverwandten für das Rischus verantwortlich zu machen und den orthodoxen Juden ihre Anerkennung auszusprechen, ist zu hoffen, daß sie über kurz oder lang auch zu der angedeuteten, einzig richtigen Antwort gelangt. Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzen. Deutschland. Labi schirr, 4. Febr: Bor dem hiesigen Schöffengericht fand vor einigen Tagen die Hauptverhandlung gegen die beiden Vorsteher der hiesigen Gemeinde, Herren Aronsohn und Rynarsyewski, sowie gegen den Cantor und Schächter Herrn Julius Rosenblum statt. Die Erstgenannten hatten am 21. Mai v. I. den Kantor nach Labischin berufen, nachdem derselbe vierundzwanzig Jahre lang (1869—1893) das gleiche Amt in Wollin (Pommern) bekleidet hatte. Auf das Gesuch des Vorstandes an den Regierungspräsidenten zu Bromberg, der Anstellung die Genehmigung zu ertheilen, wurde ersterem seitens der Polizei-Verwaltung eröffnet, daß seinem Anträge keine Folge gegeben werden könne, da Rosenblum russischer Nationalität sei und preußische Staatsangehörigkeit nicht besitze. Dieser Bescheid ging dem Vorstande am 15. Juli zu, derselbe ließ jedoch Rosenblum noch bis zum - - -'i

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