Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 10 (3.2.1896)
- Date
- 1896-02-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Herr Senegalia aus Livorno, als im fungirt, ist der portugiesische jtjd eingeführt, während in einer zweiten hiesigen Synagoge der uns altgewohnte Ritus maßgebend ist. Daß eine Stadt, von einem Alter, wie Nizza auch ihre „jüdische Geschichte" hat, ist naheliegend: Herr Meiß, der nicht nur ein vorzüglicher Mensch, sondern auch ein glänzender Stilist ist, hat diese Geschichte zum Gegenstand einer kritischen Untersuchung gemacht, über deren Ergebnisse wir späterhin vielleicht einiges berichten werden. Inzwischen wollen wir uns von dem anstrengenden Gange durch die Stadt unter den schattigen Palmen des Stadtgartens erholen, und von buntgefiederten Vögeln umgaukelt, träumen von der Heimath, von dichteingemummten Pelzmännern und blauangelaufenen Nasenspitzen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Kranikfurt a. M. Zm Verein für jüdische Geschichte und Literatur sprach am 20. Jan. Herr Kirchenrath Rabbiner Dr. Kroner von Stuttgart. Seinen Vortrag betitelte er „Ein Blick in die jüdische Ethik." Der Redner wies nach, wie die Bibel in allen ihren Berichten von ethischen Grundsätzen ausgeht, und nicht nur die Propheten und Psalmen, sondern auch der Pentateuch und unsere ganze Literatur eine Fundgrube ethischer Gedanken sei. Eine Zusammenstellung derjenigen Lehren, die für die Ethik der Menschen von Bedeutung sind, bilden die Sprüche Salomos. Daß aber auch in den Lehrhäusern die Ethik ein Gegenstand oes Studiums war, zeigen viele Stellen des Talmuds. Die ältesten Zusammenstellungen von ethischen Aussprüchen sind die beiden Traktate Derech Erez. Redner hat sie im Machsor Vitri und in den Halachoth Gedoloth verglichen und gefunden, daß verschiedene-, was in den einzelnen Traktaten, die dem Talmud beigedruckt sind, vorkommt, sich auch dort findet, daß aber eine Grupve sich in der Form, wie sie zusammengehört, nur findet in einem Traktat, der den Namen führt: Derech Erez Rabboth und aus zwei Kapiteln besteht. Diese werden citirt Mi ur, hintereinander, in der Ordnung, wie sie stehen, und daraufhin ist der Vortragende zu der Ansicht gekommen, daß dem Citator das Stück bekannt gewesen ist, und da Rab es bereits citirt (Ende des 2. Jahrh.), so muß es wohl noch älter sein. Es sind zweimal 12 Sätze mit je 4 Charakterschilderungen, für jeden Satz ist ein entsprechender Vers angeführt. Zuerst kommen 12 Sätze, welche die schlimmen Eigenschaften^und Leidenschaften tadeln; daß hierbei die Zöllner eine Rolle spielen, läßt darauf schließen, daß die Abfaffung zur Zeit der Römerherrschaft geschah. Dann folgen 12 Sätze, welche die guten Sitten und Handlungen preisen, von den 24 Sätzen trug Herr Dr. Kroner eine Anzahl vor. Die Anwesenden zollten reichen Beifall. F. Ostrowo, 28. Jan. (Vom israelitischen Vorschutzverein.) Der hiesige, seit 12 Jahren bestehende israelitische Vorschußverein, welcher den Zweck hat, ärmeren Gewerbetreibenden gegen genügende Sicherheit zinslose Darlehne auf ratenweise Rückzahlungen in Höhe von durchschnittlich 5 Prozent wöchentlich zu leihen, hielt gestern im jüdischen Volksschullokale hier seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. In derselben wurde zunächst Rechenschaftsbericht über das Geschäftsjahr 1885 erstattet. Nach demselben wurden im Lauf desselben im Ganzen 56 Darlehne im Gesammtbetrage von 5329,10 M. gewährt. Zu Beginn des Jahres betrugen die Außenstände bet 42 Personen zusammen 3477 M. Im Laufe deS Jahres erfolgten Rückzahlungen in Höhe von5765,50 M., am Jahresschluffe verblieben Außenstände bei 42 Personen mit 3040.60 M. Der Kassenbestand betrug um dieselbe Z it 1416.90 M. Demnach hat der Verein ein Gesammtvermögen von 4457,10 M. aufzuwetsen. Hierin sind 236 M. eingeschloffen, welche von vermögenderen Leuten hier dem Vereine zur zinslosen Verleihung wiederuflich zur Verfügung gestellt sind. Bei der darauf erfolgten Vorstandswahl sind die ausscheidenden Mitglieder, nämlich die Kavfleute Sinai Holzmann, Simon Spiro und Salo Josephi, wieder gewählt worden. In den Aufsichtsrath wurden die Herren Hauptlehrer Jacob Haym, Kaufmann Jsaac Fränkl wieder- und Kaufmann Max Friedländer neugewählt. Der Verein zählt sitzt gegen 100 Mitglieder. Die Monatsbeiträge im verflossenen Jahre betrugen 266.70 M. Die Einnahme an Synagogenspenden 100 10 M. Frankreich. Bs Paris, 26. Januar. Nach den Nachrichten aus Algier hat die antijüdische Strömung, die hier von der radikalen Presse unterstützt, von der sozialistischen und kobektinistischen vertreten wird, einen großen Erfolg davon getragen, indem in der Thal sehr zahlreichen jüdischen Wählern, die hier allgemein gegen die Radikalen stimmen, das Wahlrecht entzogen wurde. So wurden allein in Oran 1200 jüdische Wähler gestrichen, obwohl selbst zahlreiche gediente Soldaten der französischen Armee dabei waren. Freilich steht den Betroffenen der Rekurs an den Staatsrath in Paris frei, und wir zweifeln nicht, daß hier die Ziffern etwas verringert werden, damit die Sache nicht so ernst erscheine, aber die Thatsache selbst bleibt doch bestehen. Uebrigens kommen auch aus den an-